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Bonn: Post erwartet steigende Paketmengen

Bonner Konzern : Deutsche Post erwartet weiter steigende Paketmengen

Der Bonner Konzern bietet seinen Mitarbeitern, die ja nicht alle im Homeoffice arbeiten können, viele Corona-Tests an. Noch musste kein Standort vorübergehend geschlossen werden. Die Paketmengen erreichen einen neuen Rekord.

Bislang ist bei der Deutschen Post alles gut gegangen: Es musste noch kein Standort wegen einer hohen Anzahl Corona-Infektionen geschlossen werden. Andere Logistikdienstleister wie Hermes und DPD sind bereits in dieser Situation gewesen. „Wir testen sehr viel“, sagte Post-Vorstandschef Frank Appel am Mittwoch bei einer Telefonkonferenz. Die meisten Infektionen bei Mitarbeitern seien auf das Privatleben zurückzuführen.

Die Post würde auch Mitarbeiter auf eigene Kosten gegen Covid-19 impfen, falls der Konzern Zugriff auf Impfstoff bekommt. Er wolle aber nicht in einen Wettbewerb eintreten, um die eigenen Mitarbeiter schneller zu schützen als andere Menschen. „Wir versuchen nicht selbstständig, Impfstoff zu kaufen“, sagte Appel. Die Post orientiere sich an den Regularien von Regierungen.

Er erwarte für das laufende Jahr gute Geschäfte in allen fünf Geschäftsbereichen. 2020 hatte die Lagerhaus-Sparte Supply Chain mit einem Minus bei Umsatz und Betriebsgewinn abgeschlossen, weil Kunden ihre Produktion zwischenzeitlich gestoppt hatten.

Brexit ohne größere Folgen

Auch der Brexit bereitet dem Unternehmen keine größeren Probleme. Die Vorbereitungszeit auf den Brexit sei ja lange genug gewesen, sagte Appel trocken. Die versendeten Volumina seien derzeit niedrig. Lediglich einige Kunden seien über Mehrwertsteuerregelungen nicht informiert.

Unter der Rekordmenge von 1,83 Milliarden Paketen (2019: 1,59 Milliarden), die die Post im vergangenen Jahr auslieferte, habe die Laufzeit nicht gelitten, sagte Appel. Einige Pakete hätten zwei statt einem Tag gebraucht. Die Ursache dafür, dass viele Onlinehändler derzeit ihre Kunden wieder auf längere Lieferfristen hinweisen würden, sieht der Post-Chef eher bei Engpässen bei kleineren Fulfillment-Dienstleistern, die die Pakete für den Versand vorbereiten. Zu den Geschäftskunden des Konzerns sind in den vergangenen Monaten viele kleine Händler hinzugekommen, die vorher gar kein Online-Geschäft hatten: „Die haben jetzt in den letzten Monaten gelernt“, sagte Appel.

Beim E-Commerce werde sich auch in diesem Jahr ein sehr dynamisches Wachstum fortsetzen. Die Paketmengen in diesem Jahr würden sicherlich noch höher sein als 2020.

Neue Porto-Berechnung

Appel geht davon aus, dass der Bund durch eine Gesetzesänderung rechtliche Probleme bei der Berechnung des Briefportos ausräumt. Das habe das Bundeswirtschaftsministerium bereits angekündigt. Die Bundesnetzagentur prüft die Möglichkeit einer vorzeitigen Neufestsetzung der Größen, nach denen sich das Porto berechnet.

In dieser Woche hatte das Verwaltungsgericht Köln in einem Eilverfahren entschieden, die Genehmigung eines höheren Portos der Post für Standard-, Kompakt-, Groß- und Maxibriefe 2019 sei voraussichtlich rechtswidrig. Das Bundesverwaltungsgericht hatte im vergangenen Jahr erklärt, die Erhöhung des Portos für den Standardbrief 2016 bis 2018 sei unzulässig.

Appel verwies darauf, dass das Briefporto in Deutschland eines der niedrigsten in Europa sei. Es gehe bei den Verfahren aber auch nicht um die Höhe, sondern um die Berechnungsgrundlage.

Höhere Dividende erwartet

Die Post-Aktionäre können auf eine höhere Dividende hoffen. Die Post zahlt in der Regel 40 bis 60 Prozent des Konzerngewinns an ihre Anteilseigner, sagte Finanzvorständin Melanie Kreis. Über die Höhe der Dividende für 2020 werde noch beraten. Für 2017 bis 2019 hatten die Post-Aktionäre 1,15 Euro erhalten.

Die Anleger griffen am Mittwoch bei den Post-Aktien weiter zu. Am Nachmittag lagen sie bei 42,56 Euro mit 2,35 Prozent im Plus und gehörten zu den Dax-Spitzenreitern. Die Aktie hatte bereits am Dienstag von angehobenen Zielen des Konzerns profitiert. Mit dem Kursplus kommt die Aktie jetzt wieder in die Nähe des Rekordhochs von 43,50 Euro aus dem November.