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Bonn: Schweizer Firma übernimmt Ex-Solarworld-Standort in Freiberg

Verkauf für zwölf Millionen Euro : Schweizer Firma übernimmt Ex-Solarworld-Standort in Freiberg

Die Schweizer Solarfirma Meyer Burger will in Freiberg die Produktion neu starten. Die Gläubigerversammlung entscheidet am Donnerstag über den Verkauf für zwölf Millionen Euro.

Heute um neun Uhr treffen sich die Gläubiger der insolventen Bonner Solarworld AG im Saal W 1.26 des Bonner Amtsgerichts. Es geht um viel Geld: Zwölf Millionen Euro sind für die Immobilien, Anlagen und Patente des ehemaligen Bonner Vorzeigeunternehmens im sächsischen Freiberg geboten. Die Gläubiger müssen entscheiden, ob sie den Deal annehmen.

Wenn sie zustimmen, könnte die längst totgesagte Solarindustrie in Deutschland einen neuen Anlauf nehmen. Das Schweizer Unternehmen Meyer Burger will aus den Überbleibseln des Solarworld-Konzerns eine neue Modulproduktion starten. Seit rund zwei Jahren stehen am Solarworld-Standort die Maschinen still, doch jetzt könnte es schnell wieder losgehen. „Bis heute ist der Standort die größte und modernste Anlage in Europa“, teilte Meyer Burger auf Anfrage mit. Die Schweizer wollen in in Bitterfeld in einem angemieteten Gebäude des ehemaligen Solarzellenherstellers Sovello mit seinen eigenen Maschinen Solarzellen herstellen. Diese werden dann in Freiberg zu sogenannten Hocheffizienz-Zellen weiterverabeitet.

Dass sich nach dem Massensterben der deutschen Solarindustrie wieder ein Unternehmen an die Produktion wagt, gilt auch in der Branche als Überraschung. Meyer Burger hatte bisher lediglich Maschinen zur Herstellung von Solarzellen gebaut. Seinen Einstieg in die Solarmodulproduktion begründet Meyer Burger damit, dass das Unternehmen über einen Technologievorsprung verfüge, den es nun selber nutzen möchte. Bisher waren vor allem in China billige Solarzellen mithilfe europäischer Maschinen produziert worden. Für die ehemaligen Standorte der ostdeutschen Solarindustrie dürfte die Übernahme Hoffnung auf eine Wiederbelebung bringen: Mittelfristig sollten dort rund 3500 Arbeitsplätze geschaffen werden, teilte Meyer Burger  mit.

Auch für die Solarworld-Gläubiger dürfte der Kaufpreis von zwölf Millionen Euro attraktiv sein. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Versammlung den Plänen zustimmt“, sagte Insolvenzverwalter Christoph Niering am Mittwoch dem General-Anzeiger. Bis auf das Plazet der Gläubiger seien die Verträge bereits abgeschlossen. „Schon am Freitag könnte in Freiberg mit der Organisation der Übergabe begonnen werden.“ In den Werkshallen stünde die komplette Modulfertigung mit vier Fertigungsstraßen bereit.

Dem Management von Meyer Burger wird der Standort in Freiberg wohlbekannt sein. Vorstandschef Gunter Erfurt war bis zum Jahr 2015 selber bei der Solarworld AG angestellt. Geschäftliche Beziehungen zu Solarworld-Gründer Frank Asbeck bestünden jedoch keine, so Meyer Burger auf Anfrage.

Das Imperium des früher gerne als „Sonnenkönig“ titulierten Bonners brach 2018 nach der zweiten Insolvenz endgültig zusammen. Die Solarworld AG beschäftigte zeitweise bis zu 3000 Menschen, litt aber unter anderem unter extrem niedrigen Preisen der chinesischen Konkurrenz für Solarmodule.