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Bonn und Region: Hotels fordern Unterstützung - Preise niedrig

Existenzbedrohende Situation : Hotels in der Region fordern Unterstützung für den Neustart

Nachhaltige Perspektiven fordert die Tourismusbranche in der Region Bonn/Rhein-Sieg von den Akteuren auf Bundes-, Landes- und Regionalebene, um den Neustart der Unternehmen zu unterstützen.

„Die regionalen Akteure müssen aber auch dringend einen Masterplan entwickeln, wie wir uns in Zukunft in der Branche zwischen einbrechendem Geschäftstourismus und ausbaufähigen Freizeitangeboten national und international positionieren wollen“, sagte Ruth Winterwerp-van den Elzen, Vizepräsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg. Das werde nicht ohne finanzielles Engagement seitens der Kommunen gehen. Angesichts der existenzbedrohenden Situation vieler Unternehmen benötige die Branche Planungssicherheit mit weiteren Lockerungen und Freiheiten, aber auch weitere finanzielle Unterstützung etwa für die Investitionen in Digitalisierung.

Investitionen notwendig

Die Gäste freut es, den Hoteleigentümern macht es das Leben noch schwerer: Die Hotels in der Region versuchen derzeit, mit niedrigen Preisen wieder mehr Gäste zu gewinnen. „Das ist natürlich nicht der richtige Weg“, sagte Winterwerp-van den Elzen. Eigentlich müssten die Firmen höhere Preise nehmen, da sie durch Hygienekonzepte höhere Kosten hätten. Ihr Betrieb, Winterwerp-van den Elzen ist Geschäftsführerin des Collegiums Leoninum in Bonn, nehme zwei Euro Aufschlag pro Übernachtung. Sie wisse aber, dass Kollegen aus der Region, deren Hotels zu Ketten gehören, keinen Einfluss auf die Preisgestaltung in der Region haben. Gleichzeitig müssten die Betriebe investieren, beispielsweise in Digitalisierung, um die Impfpässe kontrollieren zu können.

Die Lage und die Erwartungen der Tourismusbranche in der Region Bonn/Rhein-Sieg befinden sich jedenfalls wieder auf einem Tiefstand. Der Geschäftsklimaindex ergab 15,4 Punkte, erläuterte Stephan Wimmers, Geschäftsführer der IHK Bonn/Rhein-Sieg. Bei 100 halten sich optimistische und pessimistische Einschätzungen der Unternehmer die Waage. Der Befragungszeitraum lag zwischen dem 8. April und dem 7. Mai. Die Öffnungsperspektive für die Branche zeigte sich erst gegen Ende der Umfrage.

Geschäftsklima fährt Achterbahn

Damit geht die Achterbahnfahrt für die Branche in der Region weiter: Lag der IHK-Geschäftsklimaindex für die Branche vor Corona noch bei 110,9 Punkten, stürzte er zu Beginn der Krise 2020 auf 12,4 ab und erreichte im weiteren Jahresverlauf einen Wert von 43,6 erreicht und im Herbst vergangenen Jahres 29,3 Punkte.

Winterwerp-van den Elzen berichtete, dass im Branchenarbeitskreis berechnet worden sei, dass es in der Region durch Schließungen 800 Betten weniger geben werde. Durch Neueröffnungen hat sich die Zahl der Betten in den vergangenen zwei Jahren leicht erhöht: Waren es 19 429 im April 2019, so ist die Zahl im April 2021 auf 19 620 gestiegen.

„Wir können hoffentlich mit einem guten Sommer rechnen“, sagte die Tourismusexpertin. Beim Freizeittourismus zögen die Buchungszahlen an. Verhalten sei es noch bei Dienstreisen. Für geschäftliche Anlässe zeichne sich ab, dass die Betriebe auch in ihre elektronische Ausrüstung investieren müssten, um hybride Veranstaltungen abhalten zu können, bei denen ein Teil der Gäste physisch anwesend ist, ein anderer Teil virtuell zugeschaltet wird.

Nachwuchsmangel

Ein großes Problem sei die Beschäftigungssituation in der Branche. Die meisten Betriebe hätten ihre Beschäftigten noch in Kurzarbeit und würden von Monat zu Monat gucken, wie viel zu tun sei. Gleichzeitig gebe es Personalnot: Viele Beschäftigte seien in andere Bereiche gewechselt. Außerdem seien derzeit überhaupt keine Auszubildenden zu bekommen. Dafür habe sie sogar Verständnis: „Wer würde derzeit seinen Kindern raten, in die Tourismusbranche zu gehen?“

Rücklagen sind aufgezehrt

Um so wichtiger sei es, für die Branche auch im Herbst eine klare Öffnungsperspektive zu erlangen, um den Neustart der Unternehmen zu unterstützen und sicher zu stellen. Auch wenn die Delta-Variante wieder für steigende Infektionszahlen sorge, müssten die Betriebe offen bleiben dürfen. Die Hygienekonzepte seien erfolgreich umgesetzt.

„Angesichts der existenzbedrohenden Situation vieler Unternehmen benötigen wir zum einen Planungssicherheit mit weiteren Lockerungen und Freiheiten, zum anderen aber dringend weitere finanzielle Unterstützung etwa für den Einsatz von Personal oder die Investitionen in Digitalisierung“, sagte Winterwerp-van den Elzen. Das „Auf und Zu“ der vergangenen Monate habe bei vielen Betrieben die Rücklagen aufgezehrt. Viele Betriebe etwa aus der Reise- oder der Eventbranche benötigen Vorläufe von mehreren Monaten, bis sie wieder rentabel wirtschaften könnten. Schon jetzt sei daher absehbar, dass die Branche noch bis zum Jahresende auf finanzielle Unterstützungen von Bund und Land angewiesen sein werde. Insbesondere bei Events mit vielen Teilnehmern werde sich die Krise absehbar über das kommende Jahr hinaus auch in unserer Region auswirken.“ Wie viele Betriebe die Situation überleben werden, sei zurzeit noch nicht zu bewerten. Selbst wenn die Betriebe staatliche Zuschüsse erhalten haben, sei es nicht sicher.

Die Hotellerie war seit vergangenen November für den Freizeittourismus geschlossen; der Geschäftsreisetourismus fand in der Region auf geringstem Niveau statt, so Wimmers. Die Auswirkungen fänden sich auch in den Übernachtungszahlen wieder: So übernachteten etwa 20 000 Personen im April 2021 in Bonn/Rhein-Sieg, ein Rückgang von 84 Prozent zum Referenzjahr 2019. Die Gastronomie hatte von November bis in den Mai geschlossen und allenfalls etwas Außerhaus-Geschäft zu verzeichnen.