1. News
  2. Wirtschaft
  3. Regional

Bonn: Verband der Kühlhaus-Betrieber zieht Fazit in Corona-Krise

Licht und Schatten : Verband der Kühlhaus-Betreiber zieht Fazit in Corona-Krise

Der in Bonn ansässige Verband der Kühlhaus-Betreiber zieht ein ambivalentes Zwischenfazit der Corona-Krise. Zwischen Zuwächsen und Leid.

An heißen Sommertagen mag sich mancher nach einem Arbeitsplatz bei minus 24 Grad Celsius sehnen. Grundsätzlich leiden die Betreiber deutscher Kühlhäuser mit ihren 70.000 Beschäftigten aber trotz Kältezuschlägen beim Lohn unter eklatantem Fachkräftemangel. Der hat sich auch in der Corona-Krise bei einem Teil der Anbieter bemerkbar gemacht, als der Lebensmittelhandel plötzlich viel mehr Tiefkühlkost absetzte als üblich. „Im Durchschnitt hat der Handel 30 bis 40 Prozent mehr Waren geordert als sonst“, schätzt Jan Peilnsteiner als Geschäftsführer im Verband Deutscher Kühlhäuser und Kühllogistik-Unternehmen e. V. (VDKL).

Veränderte Lebensgewohnheiten haben der eisigen Branche in den vergangenen Jahren stetige Zuwächse gebracht. Viele Singlehaushalte tragen ebenso dazu bei wie arbeitende Ehefrauen oder Lebenspartnerinnen. Es wird weniger selbst gekocht und mehr Fertiges aufgetaut oder gleich auswärts gegessen. „Dazu kommt das erweiterte Angebot“, glaubt Peilnsteiner. Heute seien vegane oder halal zubereitete Angebote neben Klassikern wie Fischstäbchen oder TK-Pizza selbstverständlich. Lieferdienste wie Bofrost aus Strahlen am Niederrhein hätten in den vergangenen Monaten zusätzlich viele weitere Kunden gewonnen.

Volle Lagerbestände

Während die Pandemie indessen Lieferanten für Supermärkte und Discounter sowie Direktvermarktern schwer lösbare Nachfragespitzen bescherte, stand der andere Teil der Branche vor vollen Lagerbeständen, die plötzlich kein Gastronom oder Hotelbetreiber mehr abnehmen wollte. Gerade Frischeprodukte wie Fleisch, Eier oder Milcherzeugnisse waren davon betroffen. „Und wirklich ausgestanden ist diese Krise bislang noch nicht“, sagt Peilnsteiner. Sollte sich zudem die Afrikanische Schweinepest auf europäische Erzeuger ausweiten, könnten die übervollen Lager damit an Kapazitätsgrenzen stoßen, weil die Abnehmermärkte für Schweinefleisch vor allem in Asien dann geschlossen würden.

Kühlung mit Hilfe von grünem Strom

Beim zweiten Mega-Thema sehen sich die Kühlhaus-Betreiber nach Angaben ihres Verbandsfunktionärs hingegen gut aufgestellt. Zwar verbrauchen die 15 Millionen Kubikmeter Lagerfläche in Deutschland für 3,6 Millionen gekühlte Europaletten jährlich 1,2 Terrawattstunden Strom. In ganz Deutschland wurden zum Vergleich 2019 519 Terrawattstunden verbraucht. „Aber 70 Prozent unserer Mitglieder nutzen bereits grünen Strom“, berichtet Peilnsteiner.

2002 hatte der Verband eine Einkaufsgemeinschaft für Energie gegründet, um an der Leipziger Strombörse selbst günstige Konditionen zu verhandeln. Schließlich macht die Energie mit rund 40 Prozent neben dem Personal den größten Kostenblock aus.

Inzwischen betreibt die Gemeinschaft in Bayern ein eigenes Wasserkraftwerk und im Norden einen eigenen Windpark und könnte den Strombedarf vollständig aus nachhaltigen Quellen decken. Auch bei Photovoltaik wolle man nun einsteigen, sagt Peilnsteiner. Zudem würden nach einer Neubauwelle in den letzten 15 Jahren anders als in Frankreich oder den Niederlanden 90 Prozent Kühlhäuser inzwischen nicht mehr mit flourierten Treibhausgasen betrieben, sondern mit Ammoniak. Das sei dreimal teurer, aber klimaneutral und vollständig biologisch abbaubar.