1. News
  2. Wirtschaft
  3. Regional

Wirtschaft: Bonner Kliniken fehlen Millionen

Wirtschaft : Bonner Kliniken fehlen Millionen

In Bonner Krankenhäusern herrscht Finanznot: Die Uniklinik hat im vergangenen Jahr zum Beispiel einen Fehlbetrag von rund 16,6 Millionen Euro erwirtschaftet. Auch für die fusionierten Bonner Kliniken Marienhospital und St. Josef Krankenhaus (Beuel) weist der gemeinsame Betreiber einen Fehlbetrag aus, ohne genaue Zahlen zu nennen.

Andere Kliniken in der Region haben dagegen trotz der bundesweit schwierigen Branchenbedingungen das vergangene Jahr mit Gewinnen abgeschlossen. Die Kölner Uniklinik hat nach eigenen Angaben 2012 rund 3,8 Millionen Euro verdient, und viele private Krankenhausbetreiber schreiben schwarze Zahlen, auch wenn sie wie etwa die Muttergesellschaft der Siegburger Helios-Klinik keine Ergebnisse für einzelne Häuser nennen.

So unterschiedlich wie die Finanzlage ist auch die Trägerschaft und damit wirtschaftliche Ausrichtung der Krankenhäuser. In Bonn sind konfessionelle Kliniken überdurchschnittlich häufig vertreten. Marienhospital und St. Josef Krankenhaus gehören etwa zur Gemeinnützigen Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe (GFO). Die Ordensgemeinschaft betreibt in der Region weitere Krankenhäuser, etwa in Bad Honnef, Troisdorf und Bornheim.

Laut Verwaltungsdirektorin Susanne Minten steht bei dem Träger die Hilfe für Kranke vor wirtschaftlichen Zwängen. Die roten Zahlen der Bonner Häuser seien eine vorübergehende Folge der Fusion, sagt sie. Durch die Neuausrichtung in Beuel seien mehr Patienten in die Klinik gekommen als vorher mit den Krankenkassen vereinbart. Deshalb hätten die Kassen für deren Behandlung weniger gezahlt. Langfristig erhofft sich die Verwaltungsdirektorin stabilere Einkünfte durch die Fusion: "Als mittelgroßes Krankenhaus können wir uns im Wettbewerb besser behaupten."

Die Bonner Uniklinik klagt über ungerechte Rahmenbedingungen. Auf dem Venusberg würden neben der Krankenversorgungen zusätzliche Aufgaben wahrgenommen, erklärt Hans-Jürgen Hackenberg, kaufmännischer Direktor. Dazu gehörten die aufwendige Weiterentwicklung von Therapie- und Diagnose-Verfahren sowie die Aus- und Fortbildung. "Für Forschung und Lehre erhalten wir weniger Landeszuschüsse als andere Unikliniken", sagt Hackenberg.

"Die Zuschüsse bemessen sich nach einem historischen Verteilerschlüssel, der sich kaum nach der Leistungsfähigkeit richtet." Außerdem betreibe die Uniklinik teure Ambulanzen, die nicht kostendeckend arbeiten können. Dazu kommt: Die Behandlungen nach neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen lassen sich zum Teil noch nicht über die Kassen abrechnen, werden aber auch nicht staatlich gefördert.

Strikte Gewinnziele müssen die Häuser der privaten Krankenhausketten erreichen. Die Berliner Helios AG betreibt derzeit 74 Kliniken in Deutschland, darunter das ehemalige kommunale Krankenhaus in Siegburg. Der Entwicklungsplan des Konzerns sieht vor, dass der Gewinn fünf Jahre nach der Übernahme einer Klinik bei 15 Prozent des Umsatzes liegen soll. Siegburg sei "auf dem richtigen Weg", so Helios-Sprecher Tobias Meixner.

Als Großunternehmen könne Helios im Vergleich zu Einzelkliniken etwa beim gemeinsamen Einkauf sparen und Investitionen schneller absegnen und umsetzen als Kliniken in öffentlicher Trägerschaft. Um die Qualität der Patientenversorgung fürchtet er angesichts der wirtschaftlichen Zwänge nicht: "Wenn unser medizinisches Angebot nicht stimmen würde, würden schnell die Patienten ausbleiben", sagt er.