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Bonner Start-up RecaPen: Stift misst Durchblutung der Haut

Start-up RecaPen : Medizinisches Instrument aus Bonn misst Durchblutung der Haut

Das Bonner Start-up RecaPen forscht zurzeit an einem Stift, mit dem die Durchblutung der Haut gemessen wird. Der Patentantrag ist bereits gestellt.

Ähnlich wie ein Fieberthermometer sieht der sogenannte RecaPen aus. Allerdings messen Ärztinnen und Ärzte damit nicht die Körpertemperatur von Menschen, sondern die Durchblutung der Haut – zumindest in der Theorie. Denn zugelassen ist die Erfindung von einem Start-up aus Bonn noch nicht. Positives Feedback erhielt das junge Unternehmen aber bereits: Es belegte Anfang Mai den zweiten Platz beim Businessplan-Wettbewerb der Gründerinitiative „Netzwerk und Know-how“ (NUK). Die Gründer versprechen sich einen großen Nutzen von ihrem medizinischen Produkt.

„Die Idee hatte Max Luckmann während des Studiums. Er hat sich gefragt, ob es nicht eine zuverlässigere Methode gibt, um die Durchblutung zu messen“, sagt Lukas Overkott, einer der Mitgründer des Unternehmens. Denn die bislang gängigste Art, um die Hautdurchblutung zu überprüfen, sei die Fingernagelprobe: Dabei drücken Ärzte mit ihrem Finger auf die Haut der Patientinnen und Patienten, um die Durchblutung festzustellen. Eine solche Untersuchung ist laut Overkott insbesondere in der plastischen Chirurgie und in der Unfallchirurgie von großer Bedeutung. „Denn nach Haut- und Gewebetransplantationen muss überprüft werden, ob die Haut genug durchblutet ist“, so der 29-Jährige.

Max Luckmann suchte nach einer einfachen Lösung, um die Durchblutung zuverlässig zu ermitteln. Gemeinsam mit Overkott und Felix Klingebiel, einem weiteren damaligen Kommilitonen aus Frankfurt, sowie Moritz Breuer, der in Köln sein VWL-Studium abschließt, entwickelt er nun den RecaPen.

Diagnosetool kann nicht nur von Ärzten verwendet werden

Ein Prototyp des stiftgroßen Utensils werde zurzeit entwickelt, das Patent sei bereits angemeldet. Wie eine Vakuumglocke erzeugt das Messinstrument einen Unterdruck, um die Zeit zu messen, die das Blut benötigt, um ab- und nachzufließen. Wenn diese zu lang ist, können genauere Untersuchungen folgen.

Der RecaPen sei effizient und einfach anzuwenden: „Er kann nicht nur vom Arzt verwendet werden. Auch Studenten oder Pflegekräfte, die im Krankenhaus arbeiten, können ihn nutzen“, erklärt Overkott. Im Vergleich zu anderen Mitteln zur Überprüfung der Hautdurchblutung sei der Stift außerdem kostengünstig und schnell anzuwenden. „Er ist ein einfaches Diagnosetool, das einerseits die Methode mit dem Finger ersetzt und andererseits teure Diagnosemittel vermeidet. In der Radiologie kann man die Durchblutung zum Beispiel mit einem radioaktiven Kontrastmittel sichtbar machen. Doch das ist teuer in der Produktion und mit einem deutlich größeren Aufwand verbunden. Beim RecaPen kann man die Werte unmittelbar nach der Messung ablesen“, so der Bonner.

Komplikationen früher erkennen

Das sterile Instrument könne im OP verwendet werden, diene aber auch schon in der Prophylaxe dazu, den Status der Durchblutung abzulesen. „In allen Bereichen, in denen es zu Gewebetransplantationen kommt, ist er sehr nützlich“, so der Jungunternehmer und angehende Arzt. Der Kernmarkt sei zunächst das Krankenhaus, in Zukunft will RecaPen sein Produkt auch in Altenheimen und Arztpraxen anbieten. „Die Patienten selbst könnten den Stift ebenfalls verwenden. Diabetiker zum Beispiel könnten lokale Messungen in den Beinen vornehmen und so arterielle Durchblutungsstörungen erkennen“, berichtet Overkott. Komplikationen seien auf diese Weise früher erkennbar und der Heilungsverlauf könne beschleunigt werden.

„Es wäre schön, wenn wir es schaffen würden, dass sich RecaPen im klinischen Alltag etabliert“, sagt Overkott. Er rechnet damit, dass der RecaPen nach der Machbarkeits- und der Zulassungsstudie Ende des Jahres 2022 oder Anfang des Jahres 2023 auf den Markt kommt.