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Bonner Unternehmen entwickelt leuchtende Wandfarbe

Bonner Unternehmen entwickelt leuchtende Wandfarbe

Ein Meer aus großen und kleinen Sternen leuchtet jeden Abend, wenn es dunkel wird - und zwar nicht nur am Himmel, sondern auch an der Decke von Kinderzimmern. Die Klebesterne erhellen den Raum mit einem grünlichen Schimmer und ersetzen so etwa ein Nachtlicht.

Bonn. Ein Meer aus großen und kleinen Sternen leuchtet jeden Abend, wenn es dunkel wird - und zwar nicht nur am Himmel, sondern auch an der Decke von Kinderzimmern. Die Klebesterne erhellen den Raum mit einem grünlichen Schimmer und ersetzen so etwa ein Nachtlicht. Genau dieser Schimmer bringt auch die Zeiger von einigen Uhren zum Leuchten.

"Diesen Effekt haben wir erweitert und setzen ihn für viele unterschiedliche Produkte ein", sagt Henning Mack, Geschäftsführer der Bonner Firma NighTec. Das Start-Up-Unternehmen hat gemeinsam mit dem Farbhersteller Meffert vor kurzem eine Wandfarbe entwickelt, die im Dunkeln leuchtet - ohne Strom.

Älteren Menschen fällt es so leichter, sich zu orientieren. Und wer die Badezimmerdecke damit streicht, muss das Licht nicht mehr anmachen, wenn er nachts einmal raus muss. Damit das funktioniert, "ergänzt ein spezielles Pulver die Wandfarbe", wie Mack erklärt. Es besteht mit mehr als 50 Prozent hauptsächlich aus Aluminium, enthält aber auch Sauerstoff - der Rest bleibt ein Geheimnis.

Der Effekt, den das Pulver auslöst, heißt Phosphoreszenz, was einfach ausgedrückt Nachleuchten bedeutet. Im 17. Jahrhundert beobachteten Alchemisten, dass das Element Phosphor von Natur aus leuchtet. So erhielt der Effekt seinen Namen. "Heute spielt Phosphor aber keine Rolle mehr für das Nachleuchten", sagt Mack.

Als Auslöser dient UV-Licht. Die Farbe enthält Elektronen - negativ geladene Teilchen. Sie befinden sich zuerst im Ruhezustand, bis das UV-Licht sie anregt. So erhalten sie mehr Energie. Damit sie in ihren Ausgangszustand zurückkehren können, müssen die Elektronen die zusätzliche Energie wieder abgeben. Die Wandfarbe setzt die Energie in Form von Licht frei.

Das Besondere ist: Die Farbe leuchtet auch dann noch, wenn das UV-Licht sie nicht mehr erreicht. Das Prinzip entspricht einem Eimer mit einem Loch im Boden. Gießt man oben Wasser hinein, läuft es unten hinaus. Stellt man das Wasser ab, kommt noch so lange Wasser raus, bis der Eimer leer ist. Und die Wandfarbe ist NighTec zufolge nach acht bis zwölf Stunden "leer".

Der Effekt nutzt sich mit den Jahren leicht ab. Fünf bis zehn Prozent der Leuchtkraft verliert die Farbe in zehn Jahren, wie Mack mitteilt. Sie leuchtet übrigens nicht nur im Dunkeln: Das UV-Licht lädt die Farbe permanent auf, nur ist es tagsüber zu hell, um das zu sehen. "Viele verwechseln den Effekt mit Fluoreszenz", sagt Mack.

In Diskotheken leuchten fluoreszierende Farben, wenn Schwarzlicht, also UV-Licht, darauf fällt - aber nur, solange das Licht ankommt. Hier gibt es kein Nachleuchten wie bei der Wandfarbe. Doch der Leuchteffekt allein macht nicht die Hauptarbeit des Unternehmens aus. "Die besondere Herausforderung lag darin, die Farbe tagsüber weiß erscheinen zu lassen - ohne Grün- oder Blaustich", sagt Mack.

Umgekehrt darf die weiße Farbe aber auch nicht die Leuchtkraft überdecken. Insgesamt hat es etwa ein Jahr gedauert, die Farbe zu entwickeln. Dutzende Versuche brauchte das Unternehmen, um die richtige Mischung zu finden. Mittlerweile verkauft NighTec die Farbe über ihre Internetseite unter www.nightec.de.

Doch das Unternehmen stellt nicht nur Wandfarbe her. "Wir arbeiten mit unterschiedlichen Firmen zusammen und bringen deren Produkte zum Leuchten", sagt Mack. Dazu zählt Kleidung. Mit einem spezielles Garn leuchtet etwa die Ziernaht an Hosentaschen. Auch Pflastersteine gehören ins Sortiment. Eingebaut in einer Steintreppe erkennen Nachtschwärmer auf dem Weg in den Garten die einzelnen Stufen besser. Und vielleicht sehen sie dann nicht nur Klebesterne, sondern einen funkelnden Nachthimmel.