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Schweizer Konzern: Bonner Zurich setzt auf neue Produkte

Schweizer Konzern : Bonner Zurich setzt auf neue Produkte

Mit vier neuen Versicherungsprodukten zu Altersvorsorge, gegen Erwerbsminderung und schwere Krankheiten will die in Bonn ansässige Zurich Gruppe Deutschland ab Herbst zusätzliche Kunden gewinnen und den bereits vor einiger Zeit beschlossenen Ausstieg aus der klassischen Lebensversicherung kompensieren. Das kündigte Vorstandschef Marcus Nagel am Mittwoch in Bonn an.

"Wir glauben, dass es in Deutschland noch genügend Möglichkeiten zu Wachstum gibt", sagte Nagel. Zurich will sich künftig in der Lebenssparte auf fondsgebundene und sogenannte biometrische Versicherungsprodukte konzentrieren.

Letztere sind zum Beispiel Risikolebensversicherungen, bei denen die Versicherung im Todesfall zahlt, Berufsunfähigkeits- und Erwerbsminderungsversicherungen oder auch Versicherungen gegen bestimmte Krankheiten.

Bei den fondsgebundenen Versicherungen geht es in erster Linie um Altersvorsorge, allerdings ohne die im klassischen Kapitallebensversicherungsgeschäft üblichen Garantien.

"Wir glauben einfach, dass es schwierig ist, über eine Zeit von mehr als 20 Jahren solche Garantien zu geben", sagte Finanzchef Carlos Schmitt. Zurich bringt zwei neue fondsgebundene Produkte auf den Markt. Eines richte sich speziell an Kunden, die das Risiko scheuen, das andere sei speziell auf die Bedürfnisse der Generation 50 plus zugeschnitten.

Bei den biometrischen Produkten will Zurich nach eigenen Angaben ein völlig neues Produkt zur Versicherung gegen die finanziellen Folgen von Erwerbsminderung bis hin zur Berufsunfähigkeit lancieren. Das Produkt richtet sich laut Nagel nicht an Einzelpersonen, sondern an Firmen, die damit ihre komplette Belegschaft absichern können.

"In dieser Kollektivversicherung können wir erstmals in Deutschland eines der größten Risiken, nämlich das der Erwerbsminderung, ohne Gesundheitsprüfung und ohne Rücksicht auf Vorerkrankungen absichern", sagte Nagel. Durch die kostengünstige Versicherung ganzer Belegschaften - ähnlich wie von Firmenfuhrparks - seien die Beiträge nur etwa halb so hoch wie bei einer Einzelversicherung.

"Das ist für Deutschland revolutionär", behauptet Nagel. Zweites neues biometrisches Produkt ist eine Versicherung gegen die finanziellen Folgen schwerer Krankheiten. Kunden können sich damit im Paket bei 50 fest definierten Erkrankungen, zu denen beispielsweise der Herzinfarkt zählt, absichern.

Mit rund 4,4 Prozent Marktanteil und etwa 3,7 Milliarden Euro an Beiträgen im Jahr 2012 gehört Zurich Deutscher Herold Leben AG, wie sich die Sparte nennt, nach eigenen Angaben zu den fünf größten deutschen Lebensversicherern.

Betreut werden 2,1 Millionen Kunden, das Neugeschäft lag im vergangenen Jahr bei rund 350 Millionen Euro. Knapp die Hälfte des Geschäfts steuert die Deutsche Bank als Vertriebspartner bei. Der Rest entfällt auf Makler, Agenten und die Bonnfinanz.

Angelegt ist das Kundengeld überwiegend in Staatsanleihen (siehe Grafik). Den Buchwert der Anlagen bezifferte Schmitt auf 29,9 Milliarden Euro, den aktuellen Marktwert auf 33,5 Milliarden. Damit liegt die Bewertungsreserve bei 3,6 Milliarden. Für das laufende Jahr rechnet Nagel mit einem etwa gleich bleibenden Neugeschäft. Auch das operative Ergebnis - im Vorjahr 102 Millionen Euro - werde voraussichtlich wenig verändert bleiben.