Nahverkehr in Bonn und der Region VRS erhöht Fahrpreise 2024 nicht noch einmal

Köln · Gute Nachrichten für Nutzer von Bussen und Bahnen im Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS): Anders als zunächst angekündigt, werden die Preise in diesem Jahr nicht zum zweiten Mal erhöht. Große Sorgen bereitet dem VRS allerdings die Zukunft des Deutschlandtickets.

Zum 1. Januar sind die Ticketpreise im VRS um 10,4 Prozent genhoben worden.

Zum 1. Januar sind die Ticketpreise im VRS um 10,4 Prozent genhoben worden.

Foto: Benjamin Westhoff

Anders als ursprünglich geplant, werden die Ticketpreise im Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) im Sommer nicht erhöht. Das bestätigte VRS-Geschäftsführer Michael Vogel bei einem Pressegespräch am Dienstag in Köln. Aufgrund der gegebenen Rahmenbedingungen sei eine weitere Erhöhung nicht notwendig, sagte er.

Diese Entscheidung hatte sich angekündigt. Anfang März war bekannt geworden, dass sich der mit Vertretern der Verkehrsbetriebe besetzte Unternehmensbeirat gegen eine erneute Preiserhöhung ausgesprochen und eine entsprechende Empfehlung abgegeben hatte. Laut Vogel hat die Verbandsversammlung des VRS zugestimmt. Im Juli hätten die VRS-Ticketpreise eigentlich erneut um etwa zehn Prozent steigen sollen, nachdem sie bereits zum 1. Januar um durchschnittlich 10,4 Prozent teurer wurden. Nach GA-Informationen war man im Unternehmensbeirat zu dem Ergebnis gekommen, dass in der jetzigen Situation mit Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr und dadurch bedingten Verspätungen und Ausfällen eine weitere Preiserhöhung nicht vertretbar sei.

Mehr als 500.000 Deutschlandticks im VRS verkauft

So oder so wäre das Deutschlandticket nicht teurer geworden. Schließlich trägt es den Beinamen 49-Euro-Ticket nicht grundlos. Dieses bereitet den Verkehrsverbünden wie dem VRS allerdings Sorgen. Nach eigenen Angaben wurde im Dezember des vergangenen Jahres die Marke von 500.000 im VRS verkauften Deutschlandtickets durchbrochen. Perspektivisch rechnet man mit rund 700.000 Deutschlandtickets in diesem Jahr. Das liegt laut Vogel vor allem daran, dass es bald das (vergünstigte) Deutschlandticket für Studierende geben wird.

Das Ticket wird vor allem von Bestandskunden genutzt, also Menschen, die vorher bereits ein Monatsticket im Abo hatten. Laut VRS sind drei bis fünf Prozent der Menschen, die ein Deutschlandticket kaufen, tatsächlich Neukunden. Es sei ein „sehr erfreuliches Ticket für unsere Stammkunden“, so Vogel, aber kein wirtschaftliches Angebot, weil es günstiger als die sonstigen Tarife des VRS sei.

Bekanntlich wird das Deutschlandticket von Bund und Ländern bezuschusst, um die Defizite der Verkehrsunternehmen deutschlandweit auszugleichen: für 2023 und 2024 mit jeweils drei Milliarden Euro – wobei der Betrag im vergangenen Jahr nicht ausgeschöpft wurde, weil das Ticket erst zum 1. Mai 2023 eingeführt wurde. Mit den aus 2023 übrig gebliebenen Geldern und den drei Milliarden könnte das Defizit in diesem Jahr ausgeglichen werden, heißt es vom VRS. Nach eigenen Angaben bräuchte alleine der VRS rund 275 Millionen Euro, um das Deutschlandticket in seinem Gebiet ohne die Zuschüsse von Land und Bund 2024 zu finanzieren.

Sorge um die Finanzierung ab 2025

Laut Vogel ist die Finanzierung ab 2025 aber noch ungeklärt. Deswegen die Sorgen. „Daher drohen bereits im Jahr 2025 Abbestellungen von ÖPNV-Verbindungen, sofern Bund und Land ihrer finanziellen Verantwortung für das politisch gewollte Tarifangebot nicht nachkommen“, heißt es in einer Mitteilung, die der VRS unmittelbar nach dem Pressegespräch verschickte. Tatsächlich hat Claus Ruhe Madsen, Verkehrsminister von Schleswig-Holstein, bereits gekündigt, das Bahn-Angebot in seinem Bundesland zu kürzen, falls die Finanzierung nicht gesichert ist.

„Wir stehen zum Deutschlandticket. Wir wollen keine Kürzung des Angebots“, sagte VRS-Geschäftsführer Norbert Reinkober. Aber die Defizite landeten dann bei den Kommunen. Nach Vogels Ansicht müssten Bund und Land über Preisanpassungen beim Deutschlandticket nachdenken. Als VRS hätte man auch kein Abo mit monatlicher Kündigung empfohlen.

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