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Lebensmittelskandale: Christian Helms: "Viele kennen Produzenten nicht"

Lebensmittelskandale : Christian Helms: "Viele kennen Produzenten nicht"

"Ich weiß genau, woher die Lebensmittel kommen, die wir verkaufen. Dem deutschen Lebensmittel-Einzelhandel ist die Herkunft seiner Waren aber weitgehend unbekannt. Da wissen viele höchstens, dass die Himbeeren im April nicht aus Deutschland stammen können."

Für Christian Helms, Chef des Meckenheimer Gastrozulieferers Rungis Express, kommen die jüngsten Lebensmittel-Skandale nicht wirklich überraschend. Und der Experte geht mit der Branche hart ins Gericht: "Ob Autos oder Textilien - die meisten Industrien kennen ihre Lieferketten genau.

Aber bei Lebensmitteln, da weiß bis auf wenige Ausnahmen keiner, wo die Ware wirklich herkommt." Dabei seien die Kosten der Lieferkette gerade in dieser Branche besonders hoch: "Der Landwirt bekommt doch nur einen Bruchteil des Warenwerts". Wer Skandale wie mit dem Pferdefleisch ausschließen wolle, müsse den Einkauf anders organisieren.

Mit dem eigenen Geschäft, der Belieferung von Sterneköchen und sonstigen Spitzenrestaurants mit frischen Lebensmitteln, ist Helms zufrieden. Um rund 20 Prozent auf 127 Millionen Euro ist der Umsatz im vergangenen Jahr gestiegen, rund 500 Mitarbeiter kaufen weltweit Obst und Gemüse, Salate, Fisch, Fleisch und andere Lebensmittel ein und fahren sie mit den 134 firmeneigenen Lastwagen zu den Kunden. In diesem Jahr soll der Umsatz weiter leicht zulegen.

Die Krise in den Mittelmeerländern hat nach Einschätzung von Helms dazu geführt, dass die Menschen dort weniger Geld für Lebensmittel ausgeben. Das führe dazu, dass jetzt hochwertige Lebensmittel, die dort bisher vor Ort verbraucht wurden, auch für den Export zur Verfügung stehen. "Wir bekommen zum Beispiel jetzt ausgezeichnetes Kalbfleisch aus Italien, weil dort weniger vitello tonnato konsumiert wird", freut sich Helms über neue Lieferanten. Ähnliches gelte für hochwertigen Fisch.

Zur Entwicklung in der deutschen Spitzengastronomie sagte Helms, dass sich der asiatische Einfluss wohl noch verstärken werde. "Und damit meine ich nicht nur Sushi und Sashimi." Dagegen sei die Molekularküche mit ihren Bonbons aus Olivenöl oder "Kaviar" aus Melonen weitgehend ausgereizt. "Als Zusatzelement wird sie bleiben, alleine bestehen kann sie wohl nicht", schätzt Helms.

Für das laufende Jahr haben sich die Meckenheimer den österreichischen Markt vorgenommen, wo sie großes Potenzial sehen. Bisher ist die Schweiz mit einem Jahresumsatz von rund 30 Millionen Franken der größte Auslandsmarkt für Rungis Express.