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Tourismus: Der schwierige Neustart beim Reisen

Tourismus : Der schwierige Neustart beim Reisen

Flughafen Köln/Bonn und Eurowings zeigen, welche Regeln künftig für Passagiere gelten. In der Kabine und im Flughafen müssen die Reisenden Mundmasken tragen.

Die Ferienzeit 2020 wird deutlich beschwerlicher und holpriger als 2019. Das bestätigte sich am Mittwoch doppelt: In Köln präsentierten der Flughafen und die Lufthansa-Tochter Eurowings, wie Passagiere den künftigen Luftverkehr während Corona-Zeiten erleben werden. Das Wichtigste: Alle Abläufe dauern länger.In der Kabine und im Flughafen müssen die Reisenden Mundmasken tragen. In den Warteräumen dürfen nie zwei Fremde nebeneinander sitzen, im Flugzeug aber dann doch. Komplizierte Formulare müssen bei der Einreise in manche Länder ausgefüllt werden. Es kann auch dazu kommen, so eine weitere Auskunft, dass Fieber bei der Ankunft im Ausland gemessen wird. Wer infiziert ist, muss dann zurück fliegen. Eurowings-Chef Jochen Bischof ist trotzdem optimistisch: „Die Menschen wollen reisen. Darum starten wir nun neu.“

Gleichzeitig bestätigte sich ,wie schwer sich die Bundesregierung damit tut, die allgemeine Reisewarnung ab dem 15. Juni für alle EU-Länder sowie einige vergleichbare Staaten wie die Schweiz aufzuheben. Außenminister Heiko Maas (SPD) wollte dies eigentlich entscheiden lassen, doch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) trat auf die Bremse und warnte vor Reisen nach Frankreich und Italien.

Nun soll eine Entscheidung am Mittwoch nächster Woche fallen, die Branche ist enttäuscht: „Das ist eine verheerende Botschaft für die 26 Millionen Beschäftigten in der europäischen Reise- und Tourismusindustrie“, sagt Matthias von Randow, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Luftfahrt industrie (BDL). Er ergänzt: Das ist das völlig falsche Signal für die vielen Menschen, die nach langer Zeit wieder ihre Freunde besuchen oder in den Urlaub fliegen wollen.“ Dabei ist klar, dass ohne ein Ende der allgemeinen Reisewarnung der Tourismus nur langsam wieder in Schwung kommen kann. Sie bedeutet zwar kein Verbot, in die betreffenden Länder zu fahren, ist aber eine dringende Empfehlung und führt insbesondere zum Stornieren von Pauschalreisen.

Das Auswärtige Amt will statt der pauschalen Regelung Hinweise für einzelne Länder veröffentlichen. Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV) findet das vernünftig: „Basis für die Diskussion über die Aufhebung von Reisewarnungen sollte das tatsächliche Infektionsgeschehen sein – und nicht innenpolitische Überlegungen.“ Dabei versuchen die Reiseunternehmen und der Bund Regeln für den künftigen Tourismus festzulegen.

So sollen Hygieneregeln für Hotels vereinbart werden, ebenso Vorgaben für die Nachverfolgbarkeit möglicher Infektionen. Es könnte sein, dass Reisen nur zu Zielen empfohlen werden, die keine deutlich schlechtere Infektionslage als Deutschland haben - da würden Griechenland, Portugal und auch Mallorca gut abschneiden.

In den Hotels müssen sich die Gäste auf eingeschränkten Service einstellen. So könnte Kinderbetreuung ausfallen, eine Disco gibt es nicht, der Pool darf nur von einigen Gästen gleichzeitig genutzt werden, am Strand herrscht Abstandsgebot, Ausflüge fallen aus oder finden nur in Kleingruppen statt. „Da können im Zweifelsfall Reisemängel geltend gemacht werden“, sagt Robert Bartel von der Verbraucherzentrale Brandenburg. Tui will jedoch keinen Preisnachlass auf gebuchte Reisen geben.

Wie ernst die Lage ist, zeigt sich auch beim Besuch des Flughafens Köln/Bonn. Fünf Abflüge am Tag zeigt die Informationstafel. Früher waren es 250 am Tag, berichtet Johann Vanneste, Vorsitzender der Geschäftsführung des Airports. Nun hofft er bis Ende Juni auf ein langsames Hochfahren insbesondere von Eurowings als größter Airline in Köln und in Düsseldorf. Im Juli rechnet er nur mit einem Zehntel der früheren Passagierzahl. Das habe einen Vorteil: „Wir können die Passagiere besser verteilen.“