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Unternehmen zieht Bilanz : Deutsche Post sieht keine Abkühlung im Europa-Geschäft

Unternehmen zieht Bilanz : Deutsche Post sieht keine Abkühlung im Europa-Geschäft

Nach Einbrüchen durch die Coronavirus-Krise sieht die Deutsche Post eine leichte Erholung in China. Aber der Rückgang der Amazon-Aufträge belastet die Paketsparte.

Ob die Deutsche Post DHL Group letztlich auch von der Coronavirus-Krise profitiert, mag niemand aus dem Vorstand derzeit vorhersagen. Es ist letztlich nicht ausgeschlossen, weil Menschen, die wegen Krankheit oder Quarantäne zu Hause bleiben, verstärkt online bestellen.

Jedenfalls meldet sich die Deutsche Post auf ihrer Bilanzpressekonferenz in Troisdorf etwas hoffnungsvoller zu Wort als vor zehn Tagen. Damals hatte die Post davon gesprochen, dass die Corona-Krise den Betriebsgewinn um etwa 60 bis 70 Millionen Euro für den Monat Februar belaste. Jetzt gibt es vorsichtige Signale der Besserung: Das Express-Geschäft in China habe Anfang März wieder zugelegt, sagte Finanzvorständin Melanie Kreis.

„Aber selbstverständlich kann sich auch unser Unternehmen nicht von der weltwirtschaftlichen Situation entkoppeln – ganz spurlos wird diese globale Krise nicht an uns vorbeigehen“, sagte Post-Chef Frank Appel. Noch sei es aber viel zu früh, um die konkreten finanziellen Auswirkungen abschätzen zu können. In Europa spüre der Konzern bislang noch keine Abkühlung. Er rechne nicht mit einer weltweiten Rezession. Appel betonte, der Konzern sei mit seinem globalen Netzwerk breit aufgestellt und könne deshalb Krisen in einzelnen Regionen der Welt abfedern. China ist gemessen am Umsatz für die Post der viertgrößte Markt weltweit.

Durch den positiven Ausblick gehörte die Aktie der Post mit einem Kursplus um 7,6 Prozent zu den größten Gewinnern im Dax. Das Management klinge den aktuellen Turbulenzen zum Trotz bemerkenswert optimistisch, sagte Analyst William Fitzalan Howard von der Berenberg Bank.

Ob es unter den knapp 547 000 Mitarbeitern weltweit bereits Corona-Erkrankungen gibt, wollte Appel nicht mitteilen. Im Bonner Post-Tower wird jedenfalls vorgesorgt: Geschäftspartner werden zwar empfangen. Die Besuche größerer Gruppen sowie externe Veranstaltungen sind jedoch zurzeit ausgesetzt. Mitarbeiter, deren Kinder beispielsweise wegen Schulschließungen nicht zur Schule gehen können, können in Abstimmung mit ihren Vorgesetzten und passend zur jeweiligen Tätigkeit flexible Arbeitszeiten und Homeoffice nutzen.

Die Post hatte ihre erst zum Jahresbeginn getätigte Portoerhöhung für Privatkunden-Pakete auf Druck der Bundesnetzagentur zurückgenommen. Der Regulierer hielt die Erhöhung für zu hoch. Dadurch entgeht der Post pro Monat etwa ein siebenstelliger Betrag. Das sei „in den Gesamtkosten verdaubar, aber unschön“, so Post-&-Paket-Vorstand Tobias Meyer. Jetzt gebe es Gespräche über spätere Erhöhungen. Im Paketgeschäft spürt die Post, dass der Online-Versender Amazon verstärkt seine Sendungen selbst zustellt. Deshalb schließt das Unternehmen den Paketsortierstandort in Graben bei Augsburg, der für Amazon gearbeitet hat. Betroffen sind 80 Mitarbeiter. Der Rückgang im Geschäft mit Amazon werde sich fortsetzen, sagte Kreis. Die Bonner wollen nun den Umsatz mit anderen Online-Händlern steigern. Die Post hatte 2019 rund 1,2 Milliarden Euro ihres Umsatzes von gut 63 Milliarden Euro mit Amazon erzielt.

2019 steuerte die Post beim Paket-Geschäft in Deutschland noch auf Rekordkurs. Hier transportierte der Konzern rund 1,6 Milliarden Pakete, das sind knapp sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Die Brief- und Paketsparte machte knapp 25 Prozent des Gesamtumsatzes.