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Deutsche Post zieht sich aus Russlands Binnenmarkt zurück

Deutsche Post DHL Group : Die Post zieht sich aus Russlands Binnenmarkt zurück

Das florierende Fracht- und Lagergeschäft sorgen bei der Deutschen Post DHL für das beste Quartal der Geschichte. Vom nationalen russischen Markt zieht sich das Unternehmen zurück.

Der Logistikkonzern Deutsche Post DHL Group stoppt sein nationales Geschäft in Russland dauerhaft. „Wir haben diese Entscheidung vergangene Woche getroffen“, sagte Vorstandschef Frank Appel bei der Vorlage der Quartalszahlen am Freitag in Bonn. Für die betroffenen Beschäftigten werde jetzt ein Sozialplan aufgestellt. Insgesamt habe die Post vor Beginn des Ukraine-Krieges 3500 Beschäftigte in Russland gehabt.

Grenzüberschreitende Aufträge würden weiter ausgeführt, erläuterte Finanzvorständin Melanie Kreis. Es gebe dort vertragliche Verpflichtungen. Beispielsweise seien Botschaften darauf angewiesen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Rückzugs sind begrenzt: Vor dem Ausbruch des Ukraine-Krieges und den Sanktionen gegen Russland erzielte der Konzern ein Prozent des Gesamtumsatzes in Russland.

Kreis sagte, dass dieser Schritt zu Wertberichtigungen im dritten Quartal führen werde. Die Größenordnung entspreche der Wertberichtigung aus dem ersten Quartal. Damals führten die gesunkenen Geschäftserwartungen in Russland zu Wertminderungen in Höhe von 30 Millionen Euro.

„Es war unserer stärkstes Quartal in der Geschichte“

Im zweiten Quartal hat der Bonner Konzern ein zweistelliges Ergebnis- und Umsatzwachstum erzielt. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 23,4 Prozent auf 24 Milliarden Euro. Unterm Strich erzielte der Konzern ein operatives Ergebnis (EBIT) in Höhe von 2,3 Milliarden Euro. Im Vorjahresquartal waren es 2,1 Milliarden Euro gewesen. „Es war unserer stärkstes Quartal in der Geschichte“, sagte Kreis. Besonders deutlich sei diese Entwicklung im Frachtgeschäft gewesen. So habe die Sparte DHL Global Forwarding, Freight erneut ein Quartal als umsatzstärkste Division abgeschlossen. Auch die Kontraktlogistik der Division Supply Chain, in der die Post für große Kunden Lagerhäuser betreibt, habe deutlich zulegen können.

Rückläufige Zahlen gab es in der Sparte Post und Paket Deutschland. Das war vom Bonner Konzern auch so vorhergesagt worden. Nach den Rekordzahlen der Corona-Jahre entwickelten sich Umsatz und operativer Gewinn etwas schwächer als im Vorjahr. Eine Ursache dafür ist auch, dass Onlinehändler Amazon verstärkt auf eigene Zusteller setzt und der Post weniger Aufträge gibt. Anfang 2020 lag der Anteil des Umsatzes von Amazon an der Sparte Post & Paket-Deutschland noch bei sechs Prozent. „Da sind wir jetzt deutlich auf einem Weg nach unten“, sagte Kreis, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

Aus ihrer Sicht ist die Entwicklung aber nicht gravierend. Ohne den Amazon-Anteil seien die von der Post beförderten Paketvolumina in drei Jahren um 30 Prozent gestiegen. „Das ist ein schöner Beleg, dass das strukturelle Wachstum da ist.“ Die von Amazon frei gemachten Kapazitäten würden von anderen Kunden übernommen.

Am Heimatmarkt gab es auch eine positive Geschäftsentwicklung zu vermelden. Denn die Briefmengen, die im Internetzeitalter wegen digitaler Kommunikationswege eigentlich seit Langem sinken, legten im zweiten Quartal gegen den Trend um 3,7 Prozent zu. Das lag daran, dass Unternehmen deutlich mehr Werbepost verschickten als vor einem Jahr.

Aktienkurs steigt

Risiken rund um die Entwicklung von Energiepreisen, Inflation und Zinsen spielen für die wirtschaftliche Entwicklung der Post derzeit keine große Rolle, betonte Kreis. Höhere Treibstoffpreise würden mit einer Zeitverzögerung an die Kunden weitergereicht. Setze sich die Entwicklung unverändert fort, könne die Post sogar ihre Prognose 2022 übertreffen. Aber auch bei einem wirtschaftlichen Einbruch würden die Ziele wohl erreicht. Derzeit könne niemand eine Rezession ausschließen:  „Wir sind sehr zuversichtlich, nicht für überraschende Negativ-Schlagzeilen zu sorgen“, versicherte Appel. Die Börse reagierte positiv auf die Zahlen. Die Aktien der Post gewannen bis zum Freitagnachmittag gut fünf Prozent hinzu und wurden mit 42 Euro gehandelt. Damit setzt sich die Kurserholung der vergangenen Wochen fort.