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Deutsche Telekom: Sprung über die 100-Milliarden-Marke nach Fusion

Sprung über die 100-Milliarden-Marke : Deutsche Telekom wächst nach US-Fusion

Die Deutsche Telekom legt nach der Fusion der US-Tochter T-Mobile US mit dem Konkurrenten Sprint Rekordzahlen vor. Beim Glasfaser-Ausbau will der Bonner Konzern ein schnelleres Tempo einschlagen.

Durch den Zusammenschluss der US-Tochter T-Mobile US mit dem Konkurrenten Sprint ist die Deutsche Telekom im vergangenen Jahr zum ersten Mal über die Schwelle von 100 Milliarden Euro Umsatz gerutscht. Die Erlöse kletterten um 25,4 Prozent auf 101 Milliarden Euro.

„Viel wichtiger ist uns aber die operative Stärke. Denn wir wachsen organisch“ sagte Vorstandschef Timotheus Höttges bei der Vorstellung der Bilanz. Ohne Einbeziehung neuer Unternehmen und Wechselkurseffekten legte der Umsatz um drei Prozent zu. Der operative Gewinn (Ebitda) stieg um 41,6 Prozent auf 35 Milliarden Euro. Organisch betrachtet waren es 7,9 Prozent.

„Wir investieren auf Rekordniveau“, betonte Höttges. Über 17 Milliarden Euro seien im vergangenen Jahr weltweit vorwiegend in die Infrastruktur geflossen. 5,5 Milliarden Euro davon entfielen auf Deutschland. Bis 2024 will Höttges die Investitionen auf sechs Milliarden Euro steigern.

Strategisch sieht Höttges die Digitalisierung des Heimatmarktes durch den flächendeckenden Ausbau mit Glasfaseranschlüssen bis in die Wohnungen hinein bis 2030 als Priorität an. Gleichzeitig sei die Sicherung der Netzführerschaft bei 5G ein Muss.

Im vergangenen Jahr habe die Telekom rund 600 000 Haushalte mit Glasfaserleitungen angeschlossen. „Diese Zahl verdoppeln wir in diesem Jahr nochmal“, versicherte Höttges. Neu entwickelte Verlege­methoden wie das sogenannte Keyhole-Verfahren sorgten dafür, dass das Bohrloch in der Kellerwand des Hauses, das mit Glasfaser angeschlossen werden soll, nur so groß wie ein Schlüsselloch sei. Perspektivisch werde sich die Telekom bis 2024 auf einen jährlichen Ausbau von rund 2,5 Millionen Glasfaseranschlüssen hocharbeiten. Ende 2024 seien dann rund zehn Millionen Haushalte angeschlossen.

Die Zahl der Anschlussverluste, die bei der Telekom als Ex-Monopolisten ein langjähriges Thema sind, gehe immer weiter zurück und sei gerade noch fünfstellig. „Wir gewinnen Marktanteile“, versicherte der Vorstandschef.

T-Systems mit Problemen

Schwierig bleibt die Lage bei der Großkundensäule T-Systems. Geschäftskunden bleiben in der Corona-Krise zurückhaltend mit ihren Investitionen. Der Gesamtumsatz von T-Systems sank 2020 um 5,6 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. Beim bereinigten Betriebsergebnis gab es ein Minus von sechs Prozent auf 235 Millionen Euro. Die Neuausrichtung der kriselnden Telekom-Sparte mit der Ausrichtung auf neue Geschäftsfelder dauert damit deutlich länger als geplant.

Am Ende des Jahres verlängerten wichtige Großkunden wie Shell, Deutsche Post DHL und Heineken ihre Verträge mit T-Systems. Dadurch verbuchte das Unternehmen beim Auftragseingang nur ein kleines Minus von 3,2 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro.

Auch wenn die Telekom unter dem Strich gut durch die Corona-Krise kommt, gibt es Geschäfte, die dadurch belastet werden. Finanzvorstand Christian Illek führte das Wegbrechen von Roaming-Umsätzen an, weil kaum noch Geschäftskunden dienstlich unterwegs seien. Insgesamt bezifferte er den negativen Einfluss der Corona-Krise auf 200 Millionen Euro.

Höttges hält Übernahmen und Fusionen auch auf dem europäischen Markt für zwingend. Es sei eine Zwickmühle: „Die Industrie leidet an Verschuldung. Wir müssen bei niedrigeren Umsätzen pro Kunde mehr investieren.“ Deswegen müssten Synergien gesucht werden. Eine europäische Konsolidierung sei „ökonomische Notwendigkeit“. Genauer wurde Höttges nicht: „Wir reden über Transaktionen, wenn wir welche haben.“

Auf Partnersuche ist die Telekom bereits in Polen und Tschechien, wo das Unternehmen bisher noch keinen Zugang zu einem Glasfasernetz hat. „Wir prüfen momentan, wie wir in diesen Ländern Zugang zu Infrastruktur bekommen“, sagte Höttges.

Unveränderte Dividende

Als Dividende will die Telekom wie im Vorjahr 60 Cent je Aktie ausschütten. Am 1. April ist die Hauptversammlung des Konzerns geplant, die wie im Vorjahr virtuell stattfinden wird.

Höttges spricht sich für die schnelle Einführung eines digitalen Impfpasses aus. Er stellt sich eine App vor, auf der die Daten gesammelt werden. Die Telekom beteilige sich an der Ausschreibung der EU, um das Projekt zu übernehmen. Die Staats- und Regierungschefs der EU haben sich am Donnerstag auf die Einführung eines digitalen Corona-Impfpasses geeinigt.

Die Corona-Krise habe bei der Digitalisierung einen Quantensprung ausgelöst. Jetzt müsse es darum gehen, diesen Schwung auch für die Zukunft mitzunehmen. Ihm bereite Sorge, dass der Wahlkampf in Deutschland dafür sorgen werde, dass erkannte Schwachstellen nicht dauerhaft beseitigt würden: „Wir dürfen nicht wieder in den Schlaf der Zufriedenheit zurückfallen.“