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Deutschland, Irland, Italien: Corona-Apps vernetzen sich in Europa

Deutschland, Irland und Italien : Corona-Warn-Apps vernetzen sich in Europa

Die Corona-Warn-Apps in Europa vernetzen sich. T-Systems und SAP konzipieren sichere Schnittstelle zum Datenaustausch. Deutschland, Irland und Italien starten am 17. Oktober.

Eine App, die in ganz Europa bei Kontakten mit Covid-19-Infizierten Alarm schlägt. Das wünscht sich die EU-Kommission. So könnte Reisen über europäische Grenzen wieder leichter und sicherer gemacht werden. Wie am Dienstag aus Kreisen der Kommission in Brüssel zu hören ist, soll eine gemeinsame Schnittstelle dazu den Austausch der verschiedenen nationalen Apps ermöglichen. Das System laufe seit Montag stabil. Am 17. Oktober sollten zunächst die Apps von Deutschland, Irland und Italien aufgeschaltet werden und dann ihre anonymisierten Daten austauschen. Wer also künftig im Italien-Urlaub einem Infizierten mit italienischer App zu nahe kommt, der bekommt dann auch über seine deutsche App einen Warnhinweis.

Nach ihren Erfahrungen mit der deutschen Corona-Warn-App haben die Telekom-Tochter T-Systems und der Software-Konzern SAP in knapp zwei Monaten das sogenannte Gateway zur Verknüpfung der nationalen Apps geschaffen. Zum Glück hatte man sich schon im Sommer auf gemeinsame Prinzipien geeinigt, die dies möglich machen. Programmiert wurde von SAP im Open-Source-Code, damit auch andere Länder darauf zurückgreifen können. T-Systems stellte in Luxemburg die Server-Infrastruktur auf, die jetzt von der EU selbst betrieben wird. 80 Prozent der Arbeit am Gateway sei in Bonn geleistet worden, heißt es aus der Telekom-Zentrale. In den kommenden Wochen sollen nach und nach acht weitere nationale Apps an das System angeschlossen werden, darunter auch die Angebote aus Österreich, den Niederlanden, Dänemark, Polen und Tschechien. Belgien bringt erst in dieser Woche eine eigene Warn-App heraus.

Vorerst kein Datenaustausch mit Frankreich

Vorerst nicht möglich ist der Datenaustausch mit Frankreich – ein Ärgernis für zehntausende Berufspendler. Im Nachbarland basiert die dortige App „Stop Covid“ auf einem völlig anderen Prinzip. In Deutschland werden die anonymisierten Daten auf den Endgeräten gespeichert und erst im Infektionsfall dezentral an Kontakte versandt. Das erfüllt höchste Standards im Datenschutz. In Frankreich liegen die Daten auf zentralen Servern gespeichert. Man arbeite an einer Lösung, wie beide Systeme dennoch verknüpft werden können, heißt es. Eine Verbindung mit der Schweizer App scheitert dagegen derzeit an einem umfassenden Gesundheits-Übereinkommen mit der Europäischen Union.

Wie aus Kreisen der EU-Kommission zu hören ist, erhofft man sich von dem erweiterten Angebot eine bessere Akzeptanz der Warn-Apps. In Deutschland wurde sie seit ihrer Veröffentlichung am 16. Juni nach Angaben des Robert-Koch-Instituts als Herausgeber bis Dienstag von 18,7 Millionen Endgeräten mit ios- oder Android-Betriebssystem heruntergeladen, mehr als in allen anderen EU-Ländern zusammen. Das entspricht 23 Prozent der Einwohner der Bundesrepublik. Im EU-Durchschnitt liegt die Nutzerquote aber lediglich bei zehn Prozent. Studien zeigen, dass 60 Prozent der Bürger die App aktiv nutzen müssten, um die Pandemie wirksam einzuschränken.