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Werben für Brummis: Die IHK sorgt sich um das Image der Logistikbranche

Werben für Brummis : Die IHK sorgt sich um das Image der Logistikbranche

Der Wohlstand in der Region hängt auch von der Logistikbranche ab, sagt die IHK. Und macht sich Sorgen um die Pläne der neuen Stadtspitze, etwa wenn es um den Tausendfüßler geht.

Ohne die Logistik verspielen wir den Wohlstand in der Region: Mit diesem Appell wendet sich die Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg an die Öffentlichkeit. In einer 28-seitigen Broschüre, die sie am Donnerstag vorstellte, wirbt die Kammerorganisation für mehr Verständnis für eine Branche, zu der der Betrieb von Häfen, Fähren und Eisenbahnen ebenso gehört wie Schwertransportunternehmen und Fahrradkuriere. „Wir fahren für die Industrie ebenso wie für den Endverbraucher“, erklärte IHK-Geschäftsführer Stephan Wimmers.

Nicht nur die Bestrebungen der neuen Bonner Stadtspitze, den Tausendfüßler, also das Teilstück der A565 zwischen Endenicher Ei und Bonn-Nord, doch nicht sechsspurig auszubauen, sondern stattdessen einen Fahrradweg anzulegen, treibt die Branche um. „Das Verkehrsaufkommen auf diesem Abschnitt ist heute schon so, dass ein sechsspuriger Ausbau zuzüglich einer Standspur notwendig ist“, sagte Wimmers.

Kein Nein zum Radschnellweg

Wenn die Genehmigung für den Tausendfüßler Ende 2022 ausläuft, werde sich der Lkw-Verkehr über die Vororte in die Bonner und Beueler Innenstadt verlagern, befürchtet IHK-Vizepräsidentin Sabine Baumann-Duvenbeck, die selbst ein Logistikunternehmen betreibt. Niemand sei gegen einen Radschnellweg zwischen den links- und rechtsrheinischen Gebieten, aber der müsse nicht über die Nordbrücke führen.

Baumann-Duvenbeck beklagte das schlechte Image der Logistikbranche, die vor allem mit Lkw im Stau und einhergehendem Lärm und Luftverschmutzung in Zusammenhang gebracht werde. Dabei umfasse sie nicht nur viel mehr, sie sei auch eine wichtige Basis für den Wohlstand überhaupt. Sie bringe Rohstoffe und Vorprodukte zur Industrie, deren Zwischen- und Fertigprodukte sie wiederum an den Endverbraucher in Deutschland und der Welt liefere.

Marode Verkehrsinfrastruktur

Die notwendigen Sanierungen am Tausendfüßler sind laut IHK nur ein Beispiel für die marode Verkehrsinfrastruktur in Deutschland, die über Jahrzehnte vernachlässigt worden sei und nun das Geschäft für das Logistikgewerbe erschwere. Baumann-Duvenbeck zufolge habe ein Schwertransport von Siegen nach Hamburg früher nur eine Nacht gedauert, heute seien es fünf bis sechs Nächte. Der Grund: Für den Schwertransport seien inzwischen sämtliche Brücken auf der A47 gesperrt. Die Transporter müssten entsprechend auf kleinere Straßen ausweichen, bisweilen würden Umwege über Sachsen-Anhalt gefahren. Als Alternativen stünden die Bahn und die Binnenschifffahrt bereit, aber auch dort gebe es einen Sanierungsstau. Manche Schleusen stammten noch aus der Kaiserzeit, also von vor über 100 Jahren.

Ein großer wirtschaftlicher Nachteil sind aus Sicht der IHK auch die langen Planungszeiten, vom Beschluss bis zur Realisierung vergingen bei Bauvorhaben mindestens zehn bis 15 Jahre. „Diese Phasen sind viel zu lang“, zumal sich dann häufig schon wieder das Verkehrsaufkommen verändert habe, erklärte die IHK-Vizepräsidentin.

Negatives Image

Das Negativbild, das die Öffentlichkeit von der Logistikbranche habe, erschwert es den Unternehmen auch, ausreichend Nachwuchs zu finden. Es fehlten Fachkräfte und Lehrstellenplätze blieben leer. Derzeit würden in der Region 600 junge Leute ausgebildet. Klar sei, dass Logistikunternehmen nicht so hohe Löhne wie die verarbeitende Industrie zahlen könnten, da die Gewinnmargen nicht so hoch wie dort seien.

Die Corona-Krise laste ebenfalls auf der Branche. Baumann-Duven­beck selbst hat in ihrem Unternehmen noch nicht Kurzarbeit anmelden müssen, doch die Aufträge seien schon zurückgegangen. „Viele Transportwege sind wegen Corona unterbrochen“, sagte sie. „Es wird kurzfristig nicht besser werden.“ Ziel der Broschüre sei es daher, „klar zu machen, das jeder auf uns angewiesen ist“.