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Küchentrends: Die Küche als Statussymbol

Küchentrends : Die Küche als Statussymbol

Der Trend zum Luxus lässt den Branchenumsatz auf 11,58 Milliarden Euro klettern. Verbraucher sollten Preise über einen längeren Zeitraum beobachten.

Küchen gibt es für jeden Geschmack. Deutsche Hersteller haben Angebote für Vegetarier. Für sie gibt es Regale mit UV-Licht zum Ziehen von Gemüse, besondere Kühlschränke oder größere Behälter für Bioabfälle, erklärt Kirk Mangels, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft die Moderne Küche (AMK). Und wer auf Spitzenniveau kochen möchte, kauft vielleicht einen Dampfgarer oder Sous-Vide- Geräte für das Vakuumgaren von Fleisch.

6700 Euro lässt sich der Deutsche eine Einbauküche im Durchschnitt kosten

Diese Sonderwünsche sind etwas teurer. Dabei geben die Bundesbürger schon Jahr für Jahr 100 bis 200 Euro mehr für eine Einbauküche aus. 6700 Euro kostet sie jetzt im Durchschnitt. Vor fünf Jahren waren es noch 5800 Euro, so Markus Wittmann, Marktforscher von der GfK. „Die Küche wird zum Mittelpunkt des Zuhauses und einmal mehr auch zum Statussymbol der Deutschen“, meint Mangels. Die offene Küche werde der Ort nicht nur des gemeinsamen Kochens, sondern auch der Ort der Kommunikation oder des Erledigens der Hausaufgaben.

Großes Mengen- und Umsatzwachstum gibt es entsprechend bei Küchen jenseits der 10 000 Euro, so Wittmann. Den Preis treiben Extras wie Granit-Arbeitsplatten oder Elektrogeräte, die Energie sparen oder einfach mehr können. Kühlschränke, Waschmaschinen und Herde, die für das smarte Home vorbereitet sind, kommen bereits auf einen Anteil von 5,2 Prozent nach gut drei Prozent im Vorjahr.

Es gibt einen Trend zu größeren Geräten oder zur Ergonomie, der sich etwa an Backöfen mit Selbstreinigungsfunktion oder Dunstabzugshauben mit Kopffreiheit zeigt. Dabei entfallen nach einer Faustformel 45 Prozent des Preises auf die Küchenmöbeln, ein gleich großer Anteil auf die Elektrogeräte und zehn Prozent auf Spüle oder Müllentsorgungssystem.

Küchenindustrie steigert Umsatz auf Rekordwert

2016 konnte die deutsche Küchenindustrie den Umsatz um 4,99 Prozent auf den Rekordwert von 11,58 Milliarden Euro steigern. Das ist zwar weniger als das Plus noch sieben Prozent in 2015. Die Branche zeigt sich aber dennoch zufrieden.

Im Inland betrug das plus 3,7 Prozent auf 5,68 Milliarden Euro. Im Ausland legte die Branche um 6,8 auf 4,9 Milliarden zu. „Die deutsche Küchenindustrie liegt in nahezu allen europäischen Auslandsmärkten im Plus“, so Mangels. Teils erholten sich Märkte, teils setzten sich deutsche Hersteller in engen Märkten immer mehr durch. So stieg die Zahl der Beschäftigten in der Branche auf gut 35 000. Auch im laufenden Jahr erwartet die Branche Wachstum, aber nur im „sehr niedrigen einstelligen Prozentbereich“, so Mangels. Dabei gebe durchaus noch Bedarf. Zehn Millionen Küchen in Deutschland sind hier alter als 15 Jahre.

Wichtigstes Kochgerät ist die Mikrowelle

„Die Küchen werden immer teurer, dafür wird immer weniger gekocht“, meint dagegen Hans Hauner vom Else-Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin der TU München. Wichtigstes Kochgerät sei in vielen Haushalten mittlerweile die Mikrowelle. „Viele Menschen haben es nie gelernt, selber zu kochen“, sagt Hauner. Und wenn dann gekocht wird, werde das zum seltenen „Event“.

Für die Zubereitung eines gesunden Essens reiche dabei bereits eine ganz einfache Ausstattung: „Eine Küche für 30 000 Euro oder 100 000 Euro braucht kein Mensch.“

Verbraucher sollten indes auch bei hohen Nachlässen nicht blind zugreifen, sondern die Preise über einen längeren Zeitraum hinweg verfolgen, rät Gabriele Bernhardt von der Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs: „Der Preiswettbewerb im Möbelhandel ist sehr hart. Wenn der Verbraucher anfängt, ein bisschen rumzuschauen, wird sich einiges bewegen.“