Ausbildungsmarkt in der Region Diensthandy soll Azubis locken

Bonn/Köln · Zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres sind noch viele Lehrstellen in der Region unbesetzt. Chefs bieten ihrem Nachwuchs mittlerweile interessante Extras.

 Auch in beliebten Ausbildungen wie der des Mechatronikers gibt es mittlerweile Probleme, die offenen Stellen zu besetzen.

Auch in beliebten Ausbildungen wie der des Mechatronikers gibt es mittlerweile Probleme, die offenen Stellen zu besetzen.

Foto: picture-alliance / ZB

Es gibt inzwischen Unternehmen, die bieten ihren Auszubildenden Diensthandys, die sie auch privat nutzen können. Andere Chefs unterstützen ihre Lehrlinge beim Führerschein – sei es finanziell oder indem sie die jungen Leute für die Zeit der Stunden freistellen. Unternehmen müssen immer stärker um den Nachwuchs buhlen, denn die Bewerberzahlen sind rückläufig. Von Jahr zu Jahr bleiben mehr Ausbildungsplätze unbesetzt.

Noch 1428 Ausbildungsplätze in der Region unbesetzt

Zum Beginn des Ausbildungsjahres 2017 sind in der Region insgesamt noch 1428 Lehrstellen unbesetzt, wie die Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg am Montag auf Anfrage mitgeteilt hat. Die endgültige Bilanz wird allerdings erst Ende Oktober gezogen. Vor allem Lehrstellen im Verkauf, im Einzelhandel und im Hotelfach sind noch zu haben. Aber auch wer sich für den Beruf des Hörakustikers interessiert, habe in der Region noch gute Chancen, erklärt der Sprecher der Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg Lars Normann. „Gerade der Beruf des Hörakustikers ist mit Blick auf den demografischen Wandel ein echter Zukunftsberuf.“

Die Handwerkskammer zu Köln meldet für ihren Kammerbezirk, zu dem auch Bonn gehört, aktuell insgesamt 800 offene Lehrstellen, davon 60 in Bonn und mehr als 220 in Köln. Besonders problematisch sehe es bei Friseuren, Anlagenmechanikern für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik und Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk aus. Aber auch anspruchsvollere Branchen wie das Gesundheitshandwerk und die Kraftfahrzeugtechnik seien zunehmend stärker betroffen. „Die meisten wollen lieber studieren“, erklärt Markus Eickhoff, stellvertretender Geschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln. „Lange dachte man nämlich, ohne Studium habe man keine Karrieremöglichkeiten. Der Markt hat sich allerdings gewandelt.“

Gehälter der Auszubildenden steigen überdurchschnittlich

Eickhoff beobachtet auch, dass Unternehmen aufgrund des Mangels zunehmend Abstriche bei den Anforderungen an den Nachwuchs machen: „Damit ist aber niemandem geholfen.“ Das führe nur dazu, dass Ausbildungsverträge früher wieder aufgelöst würden. Für künftige Azubis habe der Mangel aber einen positiven Nebeneffekt: Die Vergütung bei Ausbildungsberufen wird zunehmend besser: „Die Gehälter sind überdurchschnittlich gestiegen im Gegensatz zu denen der Angestellten.“ Im Schnitt lagen die tariflichen Ausbildungsvergütungen laut Bundesinstitut für Berufsbildung 2016 bei 854 Euro – ein Plus von 3,4 Prozent.

Eine Anzeige zu schalten, um Bewerber zu finden, reiche nicht mehr aus, sagt Michael Pieck, Sprecher der Industrie- und Handelskammer Bonn/ Rhein-Sieg. Aber ein großes Problem sei auch, dass die Anforderungen in vielen Berufen zwar steigen, die Anforderungen in den Schulen aber nicht gleichermaßen wachsen. Viele Unternehmen klagen demnach auch über mangelnde Qualität unter den Bewerbern.

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