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Digitalisierung in der Region: Digital Hub in Bonn will bald unabhängig sein

Digitalisierung in der Region : Digital Hub in Bonn will bald unabhängig sein

Das Bonner Start-up-Zentrum zieht nach über einem Jahr eine positive Bilanz. Die Umsatzziele wurden übertroffen und sollen weiter wachsen.

Der Satz ist harte Kost für die Zuschauer im abendlichen Lokalfernsehen. „Wir machen hier viel Matchmaking“, sagt Markus Zink in die TV-Kamera. Der Chef des Digital Hub am Bonner Rheinbogen hat zur Pressekonferenz geladen. Etwas mehr als ein Jahr nach der mit großem Rummel gefeierten Eröffnung des neuen Bonner Zentrums für digitale Start-ups wollen Projektleitung und Aufsichtsrat eine erste Bilanz ziehen. Szenebegriffe wie „Matchmaking“ sind da offenbar nicht zu vermeiden. Zumal das Vermitteln (matching) zwischen Menschen mit unterschiedlichen Kompetenzen und Ideen ein Hauptziel des Digital Hub ist.

Doch auch wirtschaftlich gibt es nach eineinviertel Jahren erste Erfolge zu vermelden. Das Umsatzziel des als Aktengesellschaft gegründeten Unternehmens wurde leicht übertroffen. „Wir hatten 216.000 Euro geplant, 218.000 Euro sind es geworden“, sagt Zink. Im laufenden Geschäftsjahr soll sich der Umsatz sogar verdoppeln.

Für Zink wichtige Schritte in Richtung Eigenständigkeit. Die Bonner Anlaufstelle für digitale Themen ist eines von jetzt sieben Hubs in Nordrhein-Westfalen, die allesamt Unternehmer und Gründer zusammenbringen sollen, um neues Wachstum in digitalen Geschäftsfelder zu generieren. Die Landesregierung fördert die einzelnen Projekte mit 1,5 Millionen Euro. Daneben wird das Hub von zahlreichen Unternehmen – darunter Deutsche Post, Deutsche Telekom, Postbank, den Stadtwerken Bonn, aber auch Mittelständler – sowie öffentlichen Einrichtungen finanziert.

Besonders stolz ist Aufsichtsratschef Hubertus Hille darauf, mit der Universität Bonn und der Hochschule Bonn/Rhein-Sieg zwei öffentlich-rechtliche Aktionäre an Bord zu haben. Der IHK-Hauptgeschäftsführer unterstreicht ebenfalls die Bedeutung des Aufbaus stabiler Umsätze, um zukünftig eigenständig existieren zu können.

Bonn ein "sehr attraktiver Standort" für Digitales

Aus Hilles Sicht brauchte die Region ein solches Projekt dringend. „Wir haben hier in großes Potenzial an Gründern, das wollen wir nicht abwandern lassen nach Berlin oder anderswo“, sagt er bei der Pressekonferenz. Auch Aufsichtsratsmitglied Alex von Frankenberg, Geschäftsführer des High-Tech-Gründerfonds, sieht in Bonn „einen sehr attraktiven Standort“ für Digitales. Zink will „das Gründen eines Start-ups als Alternative zu einem Angestelltenverhältnis“ aufzeigen. Um den Start zu erleichtern gibt das Digital Hub Gründern ein erstes Zuhause, weil es schlicht Büroräume und Technik zur Verfügung stellt.

Dazu kommt ein Wissenstransfer von gestandenen Gründern und großen Unternehmen an den Nachwuchs. „Wir sind Veranstaltungsweltmeister“, sagt Zink. Pro Monat standen im vergangenen Jahr bis zu 30 Events im Hub-Kalender, 2500 Menschen haben an Veranstaltungen teilgenommen. Die Arbeitsplätze im Hub sind zu 80 Prozent ausgelastet. Und pro Monat kommen mehr als 30 Anfragen von Gründern, Start-ups oder Unternehmen. In der Beratung von Unternehmen in Sachen Digitalisierung sieht Zink ein großes Geschäftsfeld.

„Viele haben keine Kapazität, die notwendigen Schritte alleine zu tun“, so Zink. Doch Hille rät: „Die Unternehmen müssen sich den Innovationsschub selbst verordnen, auch wenn jetzt gerade alle Auftragsbücher voll sind.“ An der Digitalisierung in den unterschiedlichsten Branchen führe kein Weg vorbei.

Das Konzept der dezentralen Gründerzentren stößt inzwischen auch auf überregionales Interesse. Kürzlich habe er eine Delegation aus Baden-Württemberg empfangen, die etwas Ähnliches aufbauen wollen, „bald sind Österreicher da“. Zink sieht es als Bestätigung.

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