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DLR in Köln: Anke Kaysser-Pyzalla ist neue Chefin

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln : Anke Kaysser-Pyzalla ist neue Chefin des DLR

Mit Anke Kaysser-Pyzalla tritt die zweite Frau nach Pascale Ehrenfreund an die Spitze des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Mit 54 Jahren weist sie ein beeindruckendes berufliches Portfolio vor.

Es gibt Wissenschaftler, die in ihrem Fachgebiet bahnbrechende Forschungsarbeit leisten. Und es gibt Menschen, die gerne vom Chefsessel aus die Geschicke einer Institution oder eines Unternehmens steuern. Die neue Chefin des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Anke Kaysser-Pyzalla, vereint offensichtlich beide Neigungen und Talente. Am Donnerstag tritt sie in Köln die Nachfolge von Pascale Ehrenfreund an. Im Alter von 54 Jahren weist Kaysser-Pyzalla ein beeindruckendes berufliches Portfolio vor.

„Gerade einmal 40 – und schon sehr etabliert. Dazu noch in der Männerdomäne Materialforschung“, hieß es schon 2006 in einem Artikel über die damalige Direktorin am Max-Planck-Institut für Eisenforschung in Düsseldorf. Kaysser-Pyzalla studierte Maschinenbau und Mechanik an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) und der TU Darmstadt und wurde 1995 an der RUB Bochum promoviert, wo sie sich auch habilitierte.

Ab 2003 lehrte Kaysser-Pyzalla als Professorin an der TU Wien am Institut für Werkstoffwissenschaft und Werkstofftechnologie. Von dort wurde sie zur Direktorin und Geschäftsführerin an das Max-Planck-Institut für Eisenforschung in Düsseldorf berufen. 2008 ging die Ingenieurin als wissenschaftliche Geschäftsführerin ans Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie, seit Mai 2017 war Kaysser-Pyzalla Präsidentin der TU Braunschweig.

Vorgängerin zieht positive Bilanz

Für ihr Hobby, die Materialforschung an Dinosaurierknochen, wird der Ingenieurin auch auf ihrem neuen Posten in Köln, auf den sie für fünf Jahre einstimmig gewählt wurde, wohl wenig Zeit bleiben. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte bereits bei der Ernennung von Kaysser-Pyzalla im März dieses Jahres die Bedeutung des Klimaschutzes für das DLR betont. Der Aufgabe will sich die neue Chefin des Forschungsinstituts stellen. Als Beispiele für Anwendungen nannte sie auf Anfrage „das Ziel der ZeroEmissionAviation zu erreichen, in der Raumfahrt die Nutzung der künstlichen Intelligenz in der Erdbeobachtung oder die intelligente Verbindung verschiedener Verkehrsträger zu einem zukunftsorientierten Mobilitätssystem.“

Die Corona-Krise soll die Arbeit der Forscher dabei möglichst wenig beeinträchtigen. „Auch unter teils völlig veränderten Arbeitsbedingungen ist die Arbeits- und Leistungsfähigkeit des DLR gewährleistet. Ich freue mich darauf, meine neuen Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen“, so die in Schwerte geborene Ingenieurin.

In ihrer letzten Position als Präsidentin der Technischen Universität Braunschweig hatte die begeisterte Rennradfahrerin in einem Interview mit Studierenden gesagt: „Es wäre schön, wieder zu forschen, aber ich habe mich bewusst für andere Prioritäten entschieden.“ Dazu gehört wohl die Leitung des DLR. „Als eine der größten ingenieurwissenschaftlichen Forschungseinrichtungen verbindet das DLR Grundlagen- und angewandte Forschung. Diese lösungsorientierte und interdisziplinäre Herangehensweise stellt einen großen Reiz für mich dar“, teilte Kaysser-Pyzalla auf Anfrage mit.

Vorgängerin Pascale Ehrenfreund zieht zum Abschied nach fünf Jahren eine positive Bilanz: „An mittlerweile 30 Standorten in 13 Bundesländern arbeiten und forschen mehr als 9­000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 51 Instituten und Einrichtungen zu den Themen Luft- und Raumfahrt, Verkehr und Energie. Der Hauptsitz des DLR in Köln, sowie Einrichtungen und Institute in Bonn und Jülich profitieren von einer innovativen und attraktiven Umgebung.“