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Echter Wirtschaftsfaktor: 6 000 gemeldete Pferde in Region

Echter Wirtschaftsfaktor: 6 000 gemeldete Pferde in Region

Steigende Kosten bringen Reiterhöfe in Klemme - Tierärzte klagen über Nichtzahlung ausstehender Honorare

Region. Sie gehören ins Bild der Landschaft zwischen Wachtberg und Walberberg, Hersel und Straßfeld: Reiterhöfe und auf Weiden grasende Pferde. Ob Pony oder Turnierpferd, das Hobby Reiten ist in der Region beliebt und entsprechend verbreitet. Nur wenige Gegenden in Deutschland verfügen über eine ähnliche "Pferdedichte".

Da geht es längst nicht mehr nur um Freizeitspaß - der tierische Kamerad ist ein echter Wirtschaftsfaktor. Rund 6 000 Pferde sind zurzeit beim Rhein-Sieg-Kreis gemeldet. 3 150 tragen eine Reitplakette für die Nutzung von Reitwegen im Wald, die Zahl der Reiter liegt sicher höher. Im Jahr 2000 waren kreisweit noch 2 446 Reiter registriert. Nach einem Reitsport-Boom in den 70er Jahren wachse die Sparte immer noch konstant weiter, urteilt Hanfried Haring, Generalsekretär der reiterlichen Vereinigung FN.

Doch unter der Oberfläche rumort es. Tierärzte klagen hinter vorgehaltener Hand über Schwierigkeiten, Honorare einzufordern. Hufschmiede werden nicht mehr im gewohnten Acht-Wochen-Rhythmus gerufen - die Kosten fürs Beschlagen werden gestreckt. Grund: Pferdebesitzern und Reithöfen machen steigende Kosten zu schaffen. Vor allem die Futterpreise sind im vergangenen Jahr enorm gestiegen.

"Bei 35 Prozent Erhöhung wird es eng", sagt der Heimerzheimer Reitstallbesitzer und Hofpächter Werner Hippe. Der 51-Jährige ist daher auf die Einkünfte vom Reitunterricht angewiesen: "Nur mit den Einstellern komme ich nicht über die Runden." Reitschüler zahlen bei ihm zwischen zwölf und 14 Euro pro Stunde. Im Durchschnitt stehen 35 bis 40 Pferde in Hippes Ställen, doch seine Preise für die Einsteller-Plätze seien "nicht mehr mit den Kosten vereinbar". 300 Euro nimmt Hippe im Schnitt für eine Box, rentabel wäre der Betrieb aber erst bei 400 bis 450 Euro pro Monat.

Der bayerische Landschaftsverband geht sogar von 500 Euro aus. Hippe verdient sich mit dem Verkauf von braven Freizeitpferden in die Toskana ein Zubrot. Die davongaloppierenden Kosten sind auch der Grund, warum Sandra Schmalzing ihre Reitschule auf Gut Waldau in Rheinbach voraussichtlich zum 15. August schließen wird. Kosteten hundert Kilo Futtergetreide 2006 noch zehn, Anfang 2007 schon 20 Euro, so muss sie zurzeit 28 Euro hinblättern. Zudem seien einige Reitschüler-Eltern nicht mehr bereit, 14 Euro pro Unterrichtsstunde zu zahlen.

Noch steht auf der Kippe, ob der neue Guts-Besitzer Peter Giesers den Unterricht weiterführt oder, wie Geschäftsführerin Christiane Twardy es wünscht, aufgibt. Schmalzings Pachtvertrag läuft so oder so "Ende des Jahres aus". Zum Kummer der Reitschüler, die sich nun einen neuen Hof für ihr Hobby suchen müssen.

Christiane Twardy schlägt einen anderen Weg ein als Hippe, was die Zukunft des Gutes mit zurzeit vier Mitarbeitern, darunter zwei fest Angestellten, angeht. Sie hat eine andere Klientel im Blick: Twardy plant gehobene Gastronomie im angeschlossenen Lokal, die Gäste auch außerhalb der Pferdewelt anlocken soll, wie Wanderer und Radfahrer. Und sie möchte namhafte Reit-Experten für Kurse auf dem Gut gewinnen.