Fipronil in Eiern Eierskandal weitet sich in NRW aus

Düsseldorf · Der Eier-Skandal geht weiter: Das in Millionen Eiern gefundene Insektizid Fipronil soll auch in mindestens fünf Legehennenbetrieben in Deutschland zum Einsatz gekommen sein. Dort wurde das Pestizid als Reinigungsmittel in den Ställen verwendet.

 Legehennen in einem Betrieb: Geprüft wird, wie das Insektizid in die Eier kommt.

Legehennen in einem Betrieb: Geprüft wird, wie das Insektizid in die Eier kommt.

Foto: picture alliance / dpa

Die Eier-Betriebe wurden jetzt gesperrt.

Auch nach Nordrhein-Westfalen wurden belastete Eier geliefert. Eine Umfrage der Redaktion unter Supermarktketten ergab, dass bei Aldi Süd bis Anfang dieser Woche Eier mit „geringem Gehalt an Fipronil“ in NRW-Filialen verkauft wurden. Dennoch könnten Kunden die Eierverpackungen zurückgeben. Kaufland erklärte, vereinzelte Filialen seien mit den verseuchten Eiern aus den Niederlanden beliefert worden. Alle betroffenen Eier seien umgehend aus dem Verkauf genommen worden. Aldi Nord teilte mit, aus den gesperrten niederländischen Betrieben beziehe man aktuell keine Eier mehr. Es gebe derzeit keinen Rückruf von Eiern, doch vorsorglich würden jedoch „in einzelnen Gesellschaften Eier aus den gesperrten niederländischen Betrieben aus dem Verkauf genommen“, hieß es weiter. Edeka bezieht nach eigenen Angaben seine Eier „allesamt aus Deutschland“ – diese seien „nach jetzigem Kenntnisstand unbelastet“. Lidl und Rewe wollten sich zu der Anfrage nicht äußern. Real teilte mit, keine gesundheitsschädlichen Eier verkauft zu haben.

Verein hat einen zweiten Schadstoff in den Eiern ausgemacht

Außerdem hätten 100 niederländische und ein belgischer Betrieb das Desinfektionsmittel Dega 16 bezogen, teilte der Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT) gestern mit. Der Verein habe alle Mitgliedsbetriebe, die Kunden des niederländischen Unternehmens waren, aufgefordert, sich zu melden. „Die gesperrten Betriebe liefern derzeit keine KAT-zertifizierten Eier an den deutschen Lebensmittelhandel“, sagte Geschäftsführer Dietmar Tepe.

Das Reinigungsmittel Dega 16 aus den Niederlanden war mit dem Insektizid Fipronil versetzt – so soll das Mittel in die Hühnerställe gelangt sein. „Den Legehennenhaltern ist absolut kein Vorwurf zu machen. Hier war an anderer Stelle kriminelle Energie im Spiel“, sagte der KAT-Vorsitzende Friedrich-Otto Ripke, der zudem Präsident der Deutschen Geflügelwirtschaft ist, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Das Mittel Fipronil kommt in der Veterinärmedizin zum Schutz von Hunden oder Katzen vor Flöhen und Zecken zum Einsatz. „Für Erwachsene sind die derzeit gemessenen Fipronil-Werte noch nicht gefährlich“, sagte eine Sprecherin des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Wegen Analyseergebnissen in Belgien hatte das BfR allerdings vor einem potenziell akuten Gesundheitsrisiko für Kinder beim Verzehr der Eier gewarnt. In höheren Dosen kann Fipronil bei Menschen die Haut und die Augen reizen sowie auch Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen verursachen.

Landesregierung rechnet mit weiteren belasteten Stempelnummern

Bei einer weiteren Eier-Packstelle im Kreis Borken wurden Eier von zwei niederländischen Betrieben ermittelt, die mit Fipronil belastet und in den Handel gelangt sind. Die Stempelaufdrucke der neu hinzugekommenen Betriebe lauten: 0-NL 4392501 und 0-NL 4385501. „Es werden aber sicher noch weitere Stempelnummern auftreten“, sagt Wilhelm Deitermann, Pressesprecher des NRW-Umweltministeriums. „Die Niederländer sind gerade erst dabei zu analysieren, welche Eier betroffen sind. Es ist sehr wahrscheinlich, dass da in den nächsten Tagen noch etwas nachkommt.“

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