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Arbeitsmarkt vor erneutem Lockdown stabil: Experte rechnet mit mehr Kurzarbeit in der Region

Arbeitsmarkt vor erneutem Lockdown stabil : Experte rechnet mit mehr Kurzarbeit in der Region

Die Arbeitslosenquote im Raum Bonn liegt im Oktober auf dem Niveau des vorherigen Monats. Nachdem die Kurzarbeit in der Region im Sommer deutlich zurückgegangen war, rechnet ein Experte damit, dass sie nun wieder zunehmen wird

Vor dem erneuten Lockdown hat sich der Arbeitsmarkt in der Region und bundesweit stabilisiert. Im Oktober lag die Arbeitslosenquote im Raum Bonn/Rhein-Sieg bei 6,7 Prozent und damit auf dem Niveau des Vormonats. Im Vorjahresvergleich war die Arbeitslosigkeit allerdings um 1,4 Prozentpunkte deutlich erhöht. Das teilte die Agentur für Arbeit Bonn/Rhein-Sieg am Donnerstag mit.

Im Oktober meldeten die Arbeitgeber in der Region deutlich weniger offene Stellen. Mit rund 6000 Jobs waren im Oktober in der Region knapp 23 Prozent weniger Arbeitsplätze frei als vor einem Jahr. Gegenüber dem September sank der Bestand laut Arbeitsagentur um 126 Stellen. Besonders deutlich zeigen sich die Auswirkungen der Corona-Krise im Jahresvergleich: Die Zahl der seit Januar gemeldeten freien Stellen liegt rund 37 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Als krisenfeste Jobs zeigten sich dabei nach Angaben der Agentur vor allem Arbeitsplätze in Gesundheitsberufen sowie in der Informationstechnik. Auch Mechatroniker und Elektriker wurden gesucht.

Herbsterholung trotz Corona

Die Kurzarbeit in der Region war im Sommer wieder deutlich zurückgegangen. Den offiziellen Angaben zufolge hatten im Juni rund 3800 Betriebe ihre Arbeitszeiten reduziert, im Mai waren es noch rund 5100.

Deutschlands Arbeitsmarkt hat sich im Oktober auffallend gut erholt. 2,760 Millionen Menschen sind arbeitslos, 87.­­000 weniger als im September. Das ist im Corona-Jahr im Vergleich zu früheren Jahren eine ausgesprochen deutliche Herbsterholung, wie der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, am Donnerstag in Nürnberg erläuterte.

„Einbruch, aber kein Zusammenbruch“

 Die Auswirkungen des erneuten Lockdowns im November auf den Arbeitsmarkt sieht der Behördenchef mit gemäßigter Besorgnis: „Es wird zu einem Einbruch am Arbeitsmarkt führen, aber zu keinem Zusammenbruch“, sagte Scheele. „Wir glauben, dass es eine Delle geben wird im Monat November“. Es gebe „Branchen, für die es bitter ist“, sagte er und nannte das Gastgewerbe und Tourismus an erster Stelle. Der November sei für eine solche Maßnahme, mit der die Hoffnung auf eine Normalisierung ab Dezember verbunden sei, aber auch ein klug gewählter Monat, mit einem vergleichsweise geringen Einzelhandelsumsatz und noch wenig Saisongeschäft in Gastronomie und Tourismus. „Noch ist kein Skilaufen angesagt“, sagte Scheele. „Wenn man den Dezember oder den Januar genommen hätte, wäre das drastischer gewesen.“

Scheele rechnet durchaus mit Zusatzbelastungen für die Bundesagentur durch weitere Mehrausgaben für Arbeitslosengeld und Kurzarbeit. Aber er hat auch die Hoffnung, dass die Maßnahmen wirken.

Reserven strapaziert

Der Volkswirtschaftsprofessor Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung  rechnet mit bis zu 100­.000 zusätzlichen Arbeitslosen. „Die Reserven vieler Betriebe sind bereits stark strapaziert. Deshalb ist es essenziell, dass die staatlichen Hilfsmaßnahmen nochmals ausgeweitet werden“, sagte er. Für den Arbeitsmarkt werde es kurzfristig einen Rückschlag geben, die Zahl der Kurzarbeiter werde deutlich steigen. „Für eine anschließende Erholung des Arbeitsmarkts wird eine Förderung von Neueinstellungen noch bedeutender.“

Der Arbeitsmarkt in Nordrhein-Westfalen hat im Oktober von der alljährlich zu beobachtenden Herbstbelebung profitiert. Im Vergleich zum Vormonat sank die Zahl der Arbeitslosen um 2,2 Prozent auf knapp 757.­000. Die Arbeitslosenquote verringerte sich von 7,9 auf 7,7 Prozent. „Der Rückgang zum Monatswechsel lag damit über dem Schnitt der letzten fünf Jahre“, berichtete die Regionaldirektion NRW der Arbeitsagentur.

(mit Material der dpa)