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Flughafen Köln/Bonn: Eigentümer sollen Mittel zuschießen

Eigentümer sollen Mittel zuschießen : Flughafen Köln/Bonn braucht millionenschwere Finanzspritze

Der Flughafen Köln/Bonn bittet seine Gesellschafter einem Bericht zufolge um Millionen-Hilfen. Sie sollen 75 Millionen Euro Eigenkapital zuschießen. Offen ist, ob sie Bedingungen stellen werden.

Viele Cafés und Shops am Flughafen Köln/Bonn sind geschlossen, ebenso Reisebüros. Wo im abgelaufenen Jahr noch Hochbetrieb zur Hauptreisezeit war, bilden sich nur noch selten Schlangen. Heftig leidet der Flughafen unter der Corona-Krise. Und dabei ist es kein Trost, dass es im März und April noch schlimmer war. Da gab es nur eine Handvoll Flüge und an manchen Tagen eine zweistellige Zahl an Fluggästen.

Der Flughafen wünscht eine Kapitalspritze von seinen Eignern. Das sind die Stadt Köln, die etwas über 31 Prozent hält, Bund und Land NRW mit knapp 31 Prozent, die Stadt Bonn mit etwas über sechs Prozent, sowie die Kreise Rhein-Sieg und Rhein-Berg mit 0,59 und 0,35 Prozent. Über Kapitalmaßnahmen muss der Aufsichtsrat befinden, damit die Gelder im kommenden Jahr fließen können. Noch im laufenden Jahr will der Flughafen einen Kredit über 100 Millionen aufnehmen, für den das Land bürgen soll.

Dabei sollte 2020 das Jahr der Trendwende werden. 2019 nämlich war der Airport tief in die roten Zahlen gerutscht. Im laufenden Jahr wollte er wieder Gewinne einfahren. Diese Pläne sind Makulatur. Die Zahlen werden wegen der Corona-Krise tiefrot ausfallen. Flughafen-Chef Johan Vanneste erwartet, dass der Umsatz um ein Drittel oder 100 Millionen Euro einbricht. Im ersten Halbjahr betrug das Umsatzminus bereits 54 Millionen Euro.

Die Zahl der Flüge ist im Keller. Das reduziert nicht nur die Einnahmen aus Start- und Landegebühren. Weniger Flüge bedeuten auch weniger Dienstleistungen  wie etwa Passagier- und Gepäcktransport. Weniger Fluggäste führen aber auch zu geringeren Einnahmen aus Parkgebühren oder aus Vermietung von Einzelhandelsflächen, die normalerweise für ein Drittel des Umsatzes sorgen. Einzig der starke Frachtbereich stabilisiert den Airport. Das Frachtaufkommen soll am Jahresende mindestens ein Prozent über Vorjahr liegen und mindestens drei Prozent höher als ursprünglich geplant.

„Wir würden es sehr begrüßen, wenn die Gesellschafter bereit sind, den Flughafen zu stützen“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Sven Schwarzbach. Damit würde auch die Beschäftigung gestützt. Im Falle einer Kapitalerhöhung durch die staatlichen Eigner erwarte die Belegschaft sogar, dass dass betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen würden.

Die sieht die Flughafengesellschaft allerdings vor, wenn es ganz dicke kommt. Sie rechnet eigentlich damit, dass sich der Flugverkehr bis 2023 wieder normalisiert und der Airport auch wieder schwarze Zahlen schreibt. Bleibt die Lust am Fliegen aber dauerhaft gering, werde es wohl einen Arbeitsplatzabbau geben. Der könne aber auch sozialverträglich gestaltet werden über vorzeitige Rente oder Abfindungsangebote,  so Schwarzbach.

Kosten dämpft derzeit die Kurzarbeit von etwa 60 Prozent der Mitarbeiter. Eine Betriebsvereinbarung dazu schließt betriebsbedingte Kündigungen bis zum 31. März 2021 aus. Diese Vereinbarung würde der Betriebsrat auch verlängern. Auch gebe es eine Initiative aller Flughäfen bei der laufenden Tarifrunde, nach der ein Nottarifvertrag geschlossen werden könne, der Einsparungen etwa durch Arbeitszeitverkürzung auch mit Entgeltverzicht ermöglicht, um Beschäftigung zu sichern.