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Für die Pressefreiheit kam die Chefin einst ins Gefängnis

Für die Pressefreiheit kam die Chefin einst ins Gefängnis

Die Warlich Druck Gruppe aus Ahrweiler wird 150 Jahre alt - Am Anfang standen Eduard Kirfel und der "Kulturkampf"

Bad Neuenahr-Ahrweiler. (sim) Die Warlich Druck Gruppe, die in Ahrweiler ihren Ursprung hat, wird in diesem Jahr 150 Jahre alt. Und sie blickt zurück auf einen Zeitraum, in dem sich Arbeitsprozesse gerade in Druckereibetrieben von Grund auf geändert haben und durch die Digitalisierung regelrecht revolutioniert wurden.

Warlich Druck hatte seinen Anfang 1856, als Eduard Kirfel nach der Zerstörung seines Betriebes in Gemünd/Eifel nach Ahrweiler kam, wo er die erste Zeitung für den Kreis Ahrweiler herausgab: Das "Ahrweiler Volksblatt" entstand in der Kirfelschen Buchdruckerei und dem Verlag zu einer Zeit, als politisch der "Kulturkampf" unter Bismarck deutlich wurde.

So kam es, dass die Frau des Buchdruckers und Verlegers wegen Verstoßes gegen das neue und die Meinungsfreiheit einengende Pressegesetz für elf Monate ins Gefängnis musste, weil sie sich weigerte, den Verfasser eines brisanten Artikels bekannt zu geben.

Die beiden Weltkriege forderten auch bei der Familie Kirfel und der Belegschaft ihre Tribute. Der gleichnamige Sohn von Eduard Kirfel gründete in diesen Zeiten mit dem Verleger Carl Dreesbach aus Remagen die Rhein-Ahr-Zeitung, bei der die Kirfelsche Buchdruckerei die lokale Beilage für Ahrweiler und Bad Neuenahr herstellte.

Durch das zwangsweise "Ausschalten" der unliebsamen Presse wurde 1933 die Betriebsgrundlage von Eduard Kirfel vernichtet und traf die drei verbliebenen Mitarbeiter Emil Kirfel, Richard Remshagen und Anton Lingen hart. Gegen Kriegsende starb Richard Remshagen, an dessen Stelle Ende 1946 Reinhard Warlich in die Firma eintrat.

Die Hauptsorge der "neuen Drei" galt vorrangig der Erneuerung des überalterten Maschinenparks: Sie arbeiteten unter anderem auf einer Schnellpresse von 1898 und einem Kniehebel-Tiegel von 1912. Aber Reinhard Warlich brachte durch die 1947 in Köln abgelegte Meisterprüfung neue Ideen und Tatkraft in den Betrieb ein.

Das zahlte sich aus, denn nach und nach konnten neue Mitarbeiter eingestellt und neue Maschinen angeschafft werden. Bald war die "Druckerei am Kanonenwall" von Bonn bis Koblenz bekannt und man bezog 1960 einen größeren Neubau in die Friedrichstraße, allerdings ohne Emil Kirfel, der 1954 aus Altersgründen ausschied.

Neue Herausforderungen prägten die 60er Jahre: Offsetdruck und Fotosatz und die Umschulung der Handsetzer zu Fotosetzern und Montierern. Mit der Erweiterung um eine neuen Siebdruckabteilung 1978 bedruckte man in der Wilhelmstraße 8 in Ahrweiler nicht mehr nur Papier, sondern auch Kunststoffe aller Art und Textilien.

Wegen des stetig wachsenden Auftragsvolumens sah sich Reinhard Warlich nach einem weiteren Standort um, und 1979 wurde eine 1 700 Quadtratmeter große Produktionshalle in Meckenheim bezogen. Damals traten auch die mittlerweile erwachsenen Söhne Georg Warlich, Schriftsetzermeister, Stefan Warlich, Diplom-Ingenieur Drucktechnik, und Martin Warlich, Offsetdruckermeister, als Mitgesellschafter in die Warlich Druck- und Verlagsgesellschaft ein.

Drei Betriebe mit Standorten in Meckenheim, Ahrweiler und Köln übergab Reinhard Warlich 1990 an die Söhne, während er bis zu seinem Tod 1999 seine Erfahrungen als Entwicklungshelfer an eine Druckerei in Jordanien sowie an Druckereien in China und der Mongolei weitergab.

Seine Söhne gründeten 2001 die Warlich Druck Gruppe. Ein Neubau von 650 Quadratmetern in Köln erhöhte Leistungsspektrum und Auftragsvolumen ebenso wie digitale Druckverfahren am Standort Ahrweiler. Im Jubiläumsjahr beschäftigt die Warlich Druck Gruppe rund 80 Mitarbeiter.