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Gamescom in Köln: Veranstalter stellen digitales Konzept vor

Messe in Köln : So plant die Gamescom in Corona-Zeiten

Die Gamescom findet im August erstmals nur online statt. Alle Inhalte der Messe unter dem Motto „Spielend in die Zukunft“ finden Interessierte auf einem zentralen Portal. Die Teilnahme ist kostenlos.

Die Messen gehören zu den Branchen, die die Corona-Krise wirtschaftlich mit am schlimmsten trifft. Das Wiederanfahren des physischen Messegeschäfts rückt immer weiter nach hinten ins Jahr. Umso größer sind die Hoffnungen, die sich an die Spielemesse Gamescom knüpfen: Ende August wird sie erstmals komplett ins Internet verlegt. „Als Kölnmesse stoßen wir Türen auf in neue Bereiche des Messewesens“, verkündete am Mittwoch Messegeschäftsführer Oliver Frese bei der Präsentation dieses neuen digitalen Formats. „Wir beweisen, dass wir eines der größten Events der Welt auch in Corona-Zeiten sein können“, ergänzte Felix Falk, der Geschäftsführer des Branchenverbandes Game, der Träger der Gamescom ist.

Wie die gesamte Kölnmesse hatten auch die Veranstalter der Gamescom darauf gesetzt, in diesem Jahr neue Rekorde vermelden zu können. Mehr als 370 000 Besucher hatte das Event 2019 in Köln-Deutz angezogen. Hinzu kamen mehr als 100 Millionen Abrufe von Videoinhalten der Messe, die online angeboten wurden. Die Erfahrungen, die mit dieser Internetpräsenz im vergangenen Jahr erstmals gemacht wurden, will die Messe nun ausbauen.

„Gamescom Now“ heißt das zentrale Portal, auf dem Besucher alle Inhalte der Messe finden werden. Die Teilnahme ist für alle Interessierten kostenlos, eine Registrierung nur notwendig, wenn man sich sein Programm nach speziellen Interessen zusammenstellen will. Die Gamescom startet am 27. August mit der „Opening Night Live“, die der Moderator Geoff Keighley leiten wird und bei der Ankündigungen und Trailer zu sehen sein werden. Am Freitag, 28. August, findet die politische Eröffnung statt, traditionell mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, der auch für die digitale Infrastruktur zuständig ist, NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Das Leitthema der Gamescom lautet „Spielend in die Zukunft“. Das Motto hat zwei Aspekte: Games als Möglichkeit, um sich mit Menschen zu verbinden, von denen einen die Corona-Pandemie erzwungenermaßen noch für geraume Zeit trennen wird, sowie Computer- und Videospiele als Lernmittel – „Serious Games“ nennt das die Branche.

Der Game-Verband sieht darin großes Potenzial: Jährlich soll der Umsatz mit „Serious Games“ um 19 Prozent wachsen, in zwei Jahren könnte er in Deutschland schon bei 324 Millionen Euro liegen. Game-Geschäftsführer Falk zufolge haben während der Corona-Krise bereits drei Viertel der Eltern ihre Kinder Lernspiele nutzen lassen.

Wie sich die Gamescom für die Kölnmesse rechnen soll, was sie sich für Umsätze erhofft, während die Teilnahme für Besucher kostenfrei ist, dazu nannten Frese und Falk keine Zahlen. So viel ist klar: Das Geld kommt von den sogenannten offiziellen Partnern, für die es Paketpreise je nach Unternehmensgröße gibt. Mehr als 100 Partner von A2 Softworks bis Zordix haben sich bisher angemeldet. Große Aussteller sind Bethesda, Electronic Arts, Ubisoft und Koch Media, erstmals dabei ist auch Activision Blizzard.

Frese zeigte sich überzeugt: „Die Zukunft der Messe wird hybrid sein“, das heißt digital und gleichzeitig vor Ort. „Es ist ein anderes Geschäftsmodell“, man investiere jetzt in die Entwicklung solcher digitalen Modelle, sagte Frese. Das Interesse der Partner an einer zahlungspflichtigen Teilnahme bestehe darin, neue Reichweiten zu generieren. Und: „Die Zahlungsbereitschaft ist vorhanden.“ Unternehmen außerhalb der Spielebranche können zudem auch Werbeplätze buchen.

Zu den Trends auf der Messe gehört zudem die neue Generation von Spielekonsolen, die Sony und Microsoft für den Herbst angekündigt haben. Playstation 5 und XBox Series X enthalten leistungsstärkere Grafikprozessoren, die Licht im Spiel so berechnen können, dass die virtuelle Welt nochmals ein Stück realer wirkt.

Falk sagte: „Wir wollen Corona in Stärke verwandeln.“ Inzwischen sieht der Verband sogar die Weltgesundheitsorganisation auf seiner Seite: Die WHO rät in der Pandemie zu Computerspielen, um aus der Langeweile und der Isolation zu kommen.

Gamescom vom 27. bis 30. August auf www.gamescom.de