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Debatte: Gysi und Bosbach diskutieren über „ideale Wirtschaft“

Debatte : Gysi und Bosbach diskutieren über „ideale Wirtschaft“

Die Politik-Urgesteine von CDU und Linkspartei sprechen vor 650 Gästen bei der IHK Köln - und geben sich überraschend milde.

Wenn Linke-Urgestein Gregor Gysi und CDU-Rebell Wolfgang Bosbach über die „ideale Wirtschaft“ diskutieren, dann dürfte es hoch hergehen. Das mögen zumindest die knapp 650 Besucher im voll besetzten Saal der Industrie- und Handelskammer (IHK) Köln erwartet haben, die am Donnerstagabend zur Podiumsdiskussion des Netzwerks Mittelstand gekommen waren.

Unternehmer applaudieren dem Sozialisten

Doch die Polit-Veteranen auf der Bühne zeigten sich – zumindest im Diskurs untereinander – überraschend milde. Und auch das Kölner Unternehmer-Publikum applaudierte frei von ideologischen Scheuklappen für die Ideen des bekennenden Sozialisten Gysi ebenso wie für Lokal-Matador Bosbach.

"Alle im selben Boot"

Vielleicht lag es an Gysis Eingangsbemerkung, dass „die ideale Wirtschaft“ ohnehin kaum definierbar sei. Vollbeschäftigung freue die Arbeitnehmer, weil sie bessere Bedingungen für sich aushandeln könnten. Bei hoher Arbeitslosigkeit hätten die Arbeitgeber bessere Karten in den Tarifverhandlungen. „Jeder sieht es anders, obwohl am Ende Arbeitgeber und Arbeitnehmer im selben Boot sitzen“, resümierte der Jurist.

Kritik an befristeten Verträgen

So konzentrierten sich die zwei Politiker auf praktische Erkenntnisse aus ihrer langjährigen Erfahrung. Vor allem beim Thema Arbeitsmarkt herrschte erstaunliche Übereinstimmung: Der von einer Unternehmerin aus der Region per Videoleinwand eingeforderten weiteren Flexibilisierung wollten weder Gysi noch Bosbach ohne Einschränkungen zustimmen. Der CDU-Politiker verwies auf zahlreiche ältere Akademiker, die trotz des Fachkräftemangels keine Stelle fänden. Die Kritik Gysis an der Befristung von Arbeitsverträgen ohne Sachgrund in Unternehmen konterte er mit dem Hinweis: „Die meisten befristeten Verträge gibt es im öffentlichen Dienst.“

Auch für den Unternehmerwunsch nach Bürokratieabbau zeigten beide Politiker Verständnis. Ganz so weit wie Gysi, der Anträge generell als genehmigt betrachten will, denen eine Verwaltung nicht binnen sechs Wochen widerspricht, geht Bosbach nicht: „Da machen Sie es sich zu einfach!“, warnt er vor der Radikallösung des Linken.

Zwar würden in Deutschland viele Projekte durch zu eingehende Prüfungen verhindert oder zumindest verspätet umgesetzt. „Aber bei vielen Anträgen ist eine gründliche Prüfung einfach notwendig.“

Unterhaltsam, aber nicht explosiv

Zumindest auf dem Kölner Podium erwies sich Schwarz-Rot als unterhaltsame, aber nicht wirklich explosive Kombination. Erbschaftssteuer dürfe den Bestand eines Unternehmens nicht gefährden, es müsse mehr in Bildung investiert werden, Unternehmen hätten die Pflicht, sich nicht durch Steuervermeidung ihren staatserhaltenden Pflichten zu entziehen – alles Konsens auf der Bühne. So blieb am Ende nur die Perspektive der Politik auf die Unternehmer im Publikum. Die trügen, wie Gysi feststellte, doch mehr Verantwortung als Arbeitnehmer: „Sie können nie richtig abschalten, Sie tun mir leid,“ verabschiedete sich der Berliner in Köln.