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Handwerk in der Region schafft neue Stellen

Handwerk in der Region schafft neue Stellen

Die Handwerksbetriebe in Köln, Bonn und der Region werden in diesem Jahr voraussichtlich rund 3 000 neue Arbeitsplätze schaffen. "Die Stimmung ist sehr gut. Es herrscht großer Optimismus", sagte Ortwin Weltrich.

Bonn. Die Handwerksbetriebe in Köln, Bonn und der Region werden in diesem Jahr voraussichtlich rund 3 000 neue Arbeitsplätze schaffen. "Die Stimmung ist sehr gut. Es herrscht großer Optimismus", sagte Ortwin Weltrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Köln.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die rund 32 500 Handwerksbetriebe im Kammerbezirk laut Weltrich den leichten Stellenabbau im Krisenjahr 2009 wieder wettgemacht. Die Zahl der Beschäftigten habe mit rund 187 000 wieder das Vorkrisenniveau erreicht. "Bis Ende des Jahres rechnen wir mit 190 000 Stellen", prognostizierte Weltrich.

Meinung Lesen Sie dazu auch den Kommentar " Jobs für Unternehmer"Auch die Freizügigkeit in der EU zum 1. Mai trübt die Stimmung offenbar nicht. Weltrich sieht sogar Chancen: "Kooperationen beispielsweise mit polnischen Handwerksbetrieben können auch für unsere Firmen von Vorteil sein." Allerdings werde man die Entwicklung genau beobachten. "Ein massenhafter Zuzug von Scheinselbstständigen wäre nicht in unserem Sinne."Hier sei auch die Wachsamkeit der Kommunen und Meldestellen gefordert. In Bonn hat die Handwerkskammer jetzt wieder eine Niederlassung eröffnet. Die Räumlichkeiten der ehemaligen australischen Botschaft an der Godesberger Allee in Friesdorf sollen Anlaufstelle für die Handwerker in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis sein.

In Bonn sind 2 400 Handwerksunternehmen mit knapp 15 000 Beschäftigten und im Rhein-Sieg-Kreis 6 800 Unternehmen mit 40 000 Beschäftigten bei der Handwerkskammer eingetragen. "Wir sind der größte Arbeitgeber, noch vor der Industrie", sagte Weltrich. In der Stadt Bonn sind Handwerksbetriebe allerdings unterrepräsentiert.

Während in der Region auf je 1 000 Einwohner gut zehn Handwerksbetriebe kommen, sind es in Bonn nur knapp acht. "Bonn hat hier ein strukturelles Problem, das auch aus der Vergangenheit herrührt", sagte Weltrich. In ihrer neuen Bonner Geschäftsstelle bietet die Handwerkskammer kostenlose Beratung, aber auch Ausbildung, Weiterbildung und Prüfungen an.

"Einer unserer Schwerpunkte ist die Gründerberatung", sagte Jürgen Fritz, Geschäftsführer der Handwerkskammer. Dabei gehe es nicht nur um die Frage, ob das jeweilige Konzept tragfähig sei, sondern vor allem auch um Fördermittel, die Existenzgründer in Anspruch nehmen können. Dass Handwerksbetriebe in Bonn unterrepräsentiert seien, liege aber weniger an mangelndem Gründungselan als an fehlenden Gewerbeflächen, sagte Weltrich.

Ein Projekt in Bonn ist eine mehrsprachige Ausbildungsbörse, mit der die Kammer in Köln bereits gute Erfahrungen gemacht hat. Außerdem wollen die Handwerker gezielt Abiturienten ansprechen. Chancen dafür biete der Doppeljahrgang 2013, wenn die ersten G8-Schüler gemeinsam mit den G9ern das Gymnasium abschließen.

Beliebt bei Gymnasiasten seien jetzt schon Gesundheitsberufe wie Augenoptiker, Zahntechniker und Hörgeräte-Akustiker, ebenso Tischler und Konditor. "Wegen der immer anspruchsvolleren Technik sehen wir auch gute Chancen, Abiturienten für Sanitär, Heizung, Klima und Elektrotechnik zu begeistern", so Weltrich.

Mit 8,2 Prozent liege die Abiturientenquote unter den Auszubildenden in der Region gut zwei Punkte über dem Bundesdurchschnitt. Weltrich verwies auch darauf, dass für Abiturienten die Ausbildung ein Jahr kürzer sei. In der Region gibt es ein Pilotprojekt, um den Handwerksberuf noch attraktiver zu machen: Ein Studium, bei dem die angehenden Handwerker in vier bis viereinhalb Jahren sowohl den Meistertitel erwerben als auch einen Bachelor-Studiengang abschließen können.