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Betriebe berichten an die Kammer: Handwerk sieht Hoffnungsschimmer in der Corona-Krise

Betriebe berichten an die Kammer : Handwerk sieht Hoffnungsschimmer in der Corona-Krise

Über ihre Situation berichteten Unternehmer am Freitag dem Präsidenten der Handwerkskammer zu Köln, Hans Peter Wollseifer, und Kreishandwerksmeister, Thomas Radermacher. Wollseifer lobte in Bonn die Solidarität vieler Betriebe. Radermacher sieht mögliche Pleiten in drei bis fünf Wochen.

An der Wand ihres Fachgeschäfts für Orthopädie-Schuhe haben Alexander und Rainer Dintner Meisterbriefe aufgehängt. In den 1950er Jahren hat die Familie den Fachbetrieb in der Bonner Breitestraße eröffnet. „Und irgendwann kommt auch mein Sohn hier neben“, sagt Alexander Dintner.

Ob das klappt, hängt auch von der Corona-Krise ab. Denn ihr Umsatz ist in den vergangenen Wochen um die Hälfte eingebrochen. „Es kommen keine Laufkunden mehr. Und viele lassen auch ihr Attest erstmal liegen“, berichtet Dintner. Einen Teil der sechs Angestellten haben die Brüder in Kurzarbeit geschickt. Soforthilfe haben sie noch nicht beantragt, weil ihre Einnahmen von den Krankenkassen verzögert kommen.

Über ihre Situation berichteten die Unternehmer am Freitag dem Präsidenten der Handwerkskammer zu Köln, Hans Peter Wollseifer und Kreishandwerksmeister Thomas Radermacher. Um zu hören, „wo der Schuh drückt“, war man bei den Schuhmachern natürlich an der richtigen Stelle. Allerdings musste das Gespräch mitten auf der befahrenen Straße stattfinden. Oberbürgermeister Ashok Sridharan hatte sich geweigert, die für Schaulustige gesperrte Altstadt zu betreten. Das könne er gegenüber anderen, wegen der Kirschblüte ausgesperrten, Bürgern nicht verantworten.

In Bonn besonders stark betroffen seien die Friseure, deren Umsatz seit vier Wochen auf null gesunken sei, berichtete Radermacher. Mit Rückgängen um die Hälfte habe auch das Kfz-Gewerbe zu kämpfen. Bäckereien fehle der Umsatz aus ihren Cafés. Im Bauhandwerk seien derzeit vor allem Folgeaufträge Mangelware. Die Not bei Gebäudereinigern habe man hingegen etwas lindern können. Die Stadt habe die Reinigungszyklen in den Schulen nach Absprache nicht verkürzt. „Wir haben in dieser Zeit Reinigungsarbeiten beauftragt, für die im normalen Geschäft kaum Zeit ist“, erklärte Sridharan. Wollseifer lobte das solidarische Handeln der Unternehmer, die nicht alle staatlichen Hilfen gleich auch in Anspruch genommen hätten.

Die Sorge der Handwerksfunktionäre gilt der zukünftigen Entwicklung. Für drei bis fünf Wochen hätten die meisten Betriebe noch Rücklagen, betonte Wollseifer. Wenn sich danach das Wirtschaftsleben nicht normalisiere, drohe eine Pleitewelle.