Deutsche Telekom Höttges kritisiert Mobilfunkpläne der Bundesnetzagentur als „Mogelpackung“

Bonn · Schnelles Internet nicht nur an jeder Milchkanne, sondern auch an fast jedem Baum strebt die Bundesnetzagentur für das Jahr 2030 an. Telekom-Chef Timotheus Höttges bringen die Pläne für die Mobilfunkauflagen auf die Palme. Es sei äußerst schwierig, in Wäldern und Naturschutzgebieten Standorte für Mobilfunkantennen zu finden.

 Surfen auch im Wald möchte die Bundesnetzagentur ab 2030 ermöglichen.

Surfen auch im Wald möchte die Bundesnetzagentur ab 2030 ermöglichen.

Foto: dpa/Soeren Stache

Die Pläne der Bundesnetzagentur für den weiteren Ausbau des 5G-Mobilfunknetzes bringen den Chef der Deutschen Telekom in Rage: Der Verzicht auf eine Auktion sei eine „Mogelpackung“, sagte Timotheus Höttges. Die realitätsfernen Ausbauauflagen, die die Netzagentur vorschreiben wolle, würden für die Mobilfunkbetreiber sehr teuer und sie seien schwierig zu erfüllen. Die Netzagentur hatte am Montag angekündigt, dass die drei großen Mobilfunkbetreiber ihre bisherigen Frequenzen für fünf Jahre weiter nutzen sollen, allerdings soll es Auflagen für den Ausbau in der Fläche geben.

Anfang 2030 sollen 99,5 Prozent der Fläche Deutschlands mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde versorgt werden müssen. In Deutschland seien 30 Prozent der Fläche Wald und 6,5 Prozent der Fläche Naturschutzgebiet, sagte Höttges. Es sei schon heute sehr schwierig, die Flächen für neue Funkmasten dort zu finden und die dafür nötigen Genehmigungen zu bekommen. „In keiner der führenden 5G-Nationen weltweit – Südkorea, Japan, USA – gibt es Flächendeckungsauflagen, sondern stattdessen intelligente Auflagen, die für möglichst viel Bandbreite bei der Bevölkerung sorgen.“ Für Sprachtelefonie sei eine solche Auflage sinnvoll, aber nicht für Download-Raten mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde.

Entwurf zur Stellungnahme

Die Bundesnetzagentur will die Mobilfunknutzung durch die Auflagen auch dort möglich machen, wo Menschen Ausflüge oder Spaziergänge machen. Noch sind es nur Pläne. Zum Entwurf können alle Beteiligten bis Anfang Juli Stellung nehmen, erläuterte Müller. Im Herbst werde dann die endgültige Entscheidung fallen. Höttges kündigte bereits an, in diesem Fall juristische Mittel zu prüfen.

„1&1 bekommt wieder einen Freifahrtschein“

Über einen weiteren Plan der Bundesnetzagentur ärgert sich Höttges noch mehr. Um Wettbewerbsnachteile von 1&1 als Einsteiger im Netzbetrieb auszugleichen, will die Bundesnetzagentur die drei übrigen Anbieter verpflichten, dem Unternehmen aus Montabaur die Mitnutzung bestimmter Frequenzbereiche zu gestatten. Denn ohne Auktion kann die Tochter von United Internet ja auch keine Frequenzen ersteigern. „1&1 bekommt wieder einen Freifahrtschein“, wetterte Höttges. Das sei ein politischer Skandal. Denn das Unternehmen habe vorher Auflagen zum Netzausbau gebrochen. Die Bundesnetzagentur eröffnete deshalb vor einem Jahr ein Bußgeldverfahren. „Wir werden alles tun, um im Sinne unserer Kunden das Frequenzspektrum bei uns zu behalten.“ Das sei entscheidend für die Sicherung der Netzqualität. Derweil machte Verdi mit Aktionen vor den Fußballstadien, in denen Spiele der kommenden Europameisterschaft stattfinden, und Warnstreiks auf die Forderungen in den Tarifverhandlungen aufmerksam.

Europa-Geschäft wächst

Der Gesamtumsatz des Konzerns wuchs im ersten Quartal organisch um 1,6 Prozent auf 27,9 Milliarden Euro. Der um Sondereinflüsse bereinigte operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erreichte mit 10,5 Milliarden Euro ein Plus von 5,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der bereinigte Konzernüberschuss ist um 14,2 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahreswert gestiegen. Besonders das Europa-Geschäft sei sowohl bei den Kundenzahlen über alle Geschäftsfelder hinweg und auch im Umsatz und Ergebnis stark gewachsen, sagte Finanzvorstand Christian Illek. Seit 25 Quartalen in Folge würden die Gewinne in europäischen Beteiligungen wachsen.

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