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Sparkasse Köln-Bonn erwartet Insolvenzwelle: Hohe Kreditausfälle sind einkalkuliert

Sparkasse Köln-Bonn erwartet Insolvenzwelle : Hohe Kreditausfälle sind einkalkuliert

Die Sparkasse Köln-Bonn rechnet im laufenden Jahr mit einem Anschwellen der Insolvenzwelle. Vorstandschef Ulrich Voigt hält Kreditausfälle von bis zu 100 Millionen Euro unter den Kunden für möglich.

Noch hat die Sparkasse Köln-Bonn keine größeren Kreditausfälle zu verzeichnen. Derzeit haben Kunden eher vorübergehende Engpässe, weil sie noch auf staatliche Corona-Hilfen warten, und brauchen Kontokorrentkredite, erläuterte am Mittwoch Sparkassen-Chef Ulrich Voigt. Doch die Sparkassenspitze ist sich sicher, dass die Lage nicht so ruhig bleiben wird: „Wir rechnen mit einer Insolvenzwelle“, sagte Finanzvorstand Andreas Dartsch. Voigt erwartet im laufenden Jahr Kreditausfälle von bis zu 100 Millionen Euro. Die Sparkasse betreibt dementsprechende Risikovorsorge.

Die Folgen der Corona-Pandemie waren im vergangenen Jahr ein bestimmendes Thema: Bis Ende Februar 2021 hat die zweitgrößte Sparkasse Deutschlands Anträge auf Hilfskredite von 2136 gewerblichen Kunden über insgesamt 594 Millionen Euro an die an die staatliche Förderbank KfW weitergeleitet. Firmen- und Privatkunden hatten auch die Möglichkeit, eine befristete Aussetzung ihrer Ratenzahlungen für Darlehen zu beantragen. „Bei 3400 Konten haben wir auf dieser Basis zwischenzeitlich fällige Kreditraten in Höhe von 15,1 Millionen Euro ausgesetzt und damit den Kreditnehmern Luft verschafft“, erläuterte Voigt.

Als „insgesamt gut“ bezeichnete Voigt die Bilanzzahlen des abgelaufenen Jahres. Das Jahresergebnis vor Steuern ist auf knapp 60 Millionen Euro zurückgegangen, gegenüber 68 Millionen Euro im Vorjahr. Unter Einbeziehung der Reservenbildung von 49 Millionen Euro lag das Jahresergebnis bei 109 Millionen Euro (Vorjahr: 110).

Der Zinsüberschuss sank von 368 leicht auf 361 Millionen Euro. Der Provisionsüberschuss lag mit 178 Millionen Euro nahezu auf dem Vorjahresniveau. Sach- und Personalaufwand seien mit 169 Millionen Euro und 257 Millionen Euro leicht zurückgegangen. Der Bilanzgewinn betrug 24 Millionen Euro und lag damit knapp unter dem Wert im Jahr zuvor.

Zum Ende des Geschäftsjahres 2020 erreichte die Bilanzsumme als Ausdruck für die Größe einer Bank 27,8 Milliarden Euro. Im Vorjahr lag die Bilanzsumme bei 27,1 Milliarden Euro. Voigt hofft, dass die Bilanzsumme auf absehbare Zeit unter der 30-Milliarden-Schwelle bleibt und damit in der Zuständigkeit der nationalen Aufsicht. Die darüber zuständige Aufsicht durch die Europäische Zentralbank gilt als aufwendiger für die Institute.

Mehr Kredite und Einlagen

Die Zahl der Beschäftigten verringerte sich durch Fluktuation, Teilzeitmodelle und Vorruhestandsregelungen um 101 auf 3681. Die Kreditbestände der Sparkasse sind sowohl bei Firmenkunden (plus acht Prozent auf 12,8 Milliarden Euro als auch bei Privatkunden (plus zwei Prozent auf 6,2 Milliarden Euro) gewachsen. Der Einlagenbestand übertraf mit 22 Milliarden Euro den Vorjahreswert von 21,4 Milliarden Euro. „Die Entwicklung auf der Einlagenseite sehen wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagte Voigt. „Einerseits sind wir dadurch in einer sehr komfortablen Refinanzierungssituation, andererseits müssen wir damit auch höhere Guthaben bei der Europäischen Zentralbank unterhalten, für die Negativzinsen fällig werden.“

Schwelle für Negativzinsen gesenkt

Die Sparkasse Köln-Bonn hat ihrerseits die Summen, ab denen sie Strafzinsen von 0,5 Prozent von Privatkunden erhebt, verringert. Die Freibeträge liegen jetzt bei 100 000 Euro für Bestandskunden und 50 000 Euro für Neukunden. Zuvor lag die Schwelle bei 500 000 Euro bei Bestandskunden und 100 000 Euro für Neukunden.

Dem Beispiel der PSD-Bank Rhein-Ruhr, die als erste Bank den Strafzins für Guthaben von mehr als 500 000 Euro auf ein Prozent angehoben hat, will Voigt nicht folgen. Auch die Kündigung von Kunden mit hohen Guthaben, wie es die Stadtsparkasse Düsseldorf angekündigt hat, könne er sich nicht vorstellen.