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IG Metall Bonn/Rhein-Sieg kündigt Aktionen an: Warnstreiks per Autokino

Warnstreiks per Autokino : IG Metall Bonn/Rhein-Sieg kündigt Aktionen an

Vor einer Woche haben die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie mit Warnstreiks begonnen, auch in NRW liefen schon Aktionen. In Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis hat die IG Metall die Arbeitnehmer für diese und die kommende Woche zu Protesten aufgerufen. Wo, sagt sie noch nicht.

Warnstreiks in der Corona-Pandemie sind schwierig, weil große Menschenansammlungen sich verbieten. Michael Korsmeier, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Bonn-Rhein-Sieg, zeigte sich am Montag dennoch optimistisch, dass entsprechende Aktionen in dieser und der kommenden Woche auch in dieser Region das Anliegen der Beschäftigten der verarbeitenden Industrie öffentlich deutlich machen werden. „Wir haben Auflagen von den Behörden, aber die Genehmigungen sind gegeben“, sagte Korsmeier.

Die letzte Tarifrunde mit Entgelterhöhungen hatte es in der Metall- und Elektrobranche 2018 gegeben. Für die diesjährige Runde fordert die IG Metall vier Prozent mehr Lohn im Rahmen eines Zukunftstarifvertrages. In Unternehmen, die unter der Krise leiden, sollen die Betriebsräte über Arbeitszeitverkürzung in Form einer Vier-Tage-Woche verhandeln mit teilweisem Lohnausgleich. In solchen Fällen würde das angestrebte Lohnplus für den Lohnausgleich verwendet werden.

Mehrheit findet Vier-Tage-Woche wichtig

Laut Korsmeier hatten sich in einer Umfrage der IG Metall, an der auch 1350 Beschäftigte aus der Region teilnahmen, bis zu 70 Prozent für die Vier-Tage-Woche ausgesprochen. Für die Warnstreiks sind die Beschäftigten an zwei Tagen zu einem Autokorso und anschließender Kundgebung aufgerufen, die über LED-Bildschirme und UKW in die Pkw wie beim Autokino übertragen wird.

Korsmeier sagte mit Blick auf die Corona-Krise: „Die Metall- und Elektroindustrie ist mit einem blauen Auge davongekommen.“ Die Autohersteller hätten ihre Gewinne gemacht. Geholfen hat dabei auch die Kurzarbeit, die aber für viele Unternehmen zum Jahresende ausläuft – die Bundesregierung hatte die maximale Laufzeit auf 24 Monate verlängert. Die Gewerkschaft schätzt, dass bundesweit 200 000 Arbeitsplätze dennoch wegfallen werden, wobei das nicht nur mit der Corona-Krise, sondern auch mit der Elektro-Mobilität, der Digitalisierung in der Produktion und anderen strukturellen Veränderungen zusammenhängt.

Der Flugzeugzulieferer E.I.S. Aircraft in Euskirchen sei bisher der einzige Betrieb im Arbeitgeberverband in der Region, der infolge der Corona-Krise Insolvenz angemeldet hat, sagte Korsmeier. SGL Carbon aus Mehlem hatte im Herbst den Abbau von 100 Arbeitsplätzen am hiesigen Produktionsstandort angekündigt, aber das läuft über Freiwilligenprogramme. 

Auftragseingänge bei Datenverarbeitung, Elektronik und Optik überdurchschnittlich

Die vierprozentige Lohnforderung begründet die IG-Metall damit, dass die Konjunkturerwartungen für das laufende Jahr sich verbessert hätten. Die Corona-Pandemie habe eine V-Bewegung ausgelöst, doch aus dem tiefen Tal habe sich die Branche wieder herausbewegt. Von Oktober auf November wuchsen die Auftragseingänge in der Metall- und Elektroindustrie um 2,5 Prozent, im Bereich Datenverarbeitung, Elektronik und Optik sogar um fast 14 Prozent.