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SGL in Wiesaden: Karbonherstellers will 150 Millionen Euro sparen - Folgen für Bonn unklar

SGL in Wiesaden : Karbonherstellers will 150 Millionen Euro sparen - Folgen für Bonn unklar

Der Karbonspezialist SGL will mit einem Sparprogramm aus den roten Zahlen klettern. Bis 2015 will SGL Carbon Personalstellen und auch Standorte streichen. Den Plänen zufolge will das Wiesbadener Unternehmen, das in Bonn-Mehlem ein Werk unterhält, in diesem und den beiden folgenden Geschäftsjahren die Produktion straffen und insgesamt rund 150 Millionen Euro einsparen.

Vor allem 2013 werde das Programm aber zunächst die Bilanz belasten, wie das Unternehmen gestern den Investoren ankündigte. Der wesentliche Teil der Einmalaufwendungen und Sonderabschreibungen entfalle bereits auf den Abschluss in diesem Jahr.

Inwieweit das Werk des Konzerns in Mehlem, in dem rund 600 Mitarbeiter beschäftigt sind, von den Sparplänen betroffen ist, könne derzeit noch nicht gesagt werden, teilte SGL-Sprecher Tino Fritsch gestern auf Anfrage mit. Zunächst müssten die Projekte definiert werden, durch die die Einsparungen erzielt werden sollen. Seinen Bonner Standort hat der Konzern gerade erst kräftig ausgebaut.

Hierhin fließt nach Firmenangaben ein erheblicher Anteil von rund 75 Millionen Euro, die SGL in die Herstellung von sogenanntem Isographit investiert. Das Produkt wird unter anderem in der Solarindustrie eingesetzt, die derzeit in Deutschland in der Krise steckt. Isographit werde nicht nur in Bonn, sondern auch in den USA und China produziert, erläuterte der Unternehmenssprecher.

Das jüngst aus dem MDax abgestiegene Unternehmen hat in allen Geschäftsbereichen zu kämpfen. Im zweiten Quartal hatte es heftige Verluste ausgewiesen. Bei einem um 3,29 Prozent auf gut 414 Millionen Euro geschrumpften Quartalsumsatz verbuchte das Unternehmen einen Verlust von 140,9 Millionen Euro vor Zinsen und Steuern (Ebit). So läuft etwa das Geschäft mit Carbon-Autoteilen langsamer an als geplant. Die Preise für Graphit-Elektroden zeigten laut Unternehmen eine unbefriedigende Entwicklung.

Was das Programm für andere Geschäftsbereiche und die Mitarbeiter bedeutet, blieb zunächst offen. Im Jahresverlauf sei mit weiteren Einzelheiten zu rechnen, sagte ein Sprecher des Unternehmens.

Das konzernweite Sparpaket betreffe Produktionsanlagen, die Organisationsstruktur und das Portfolio, hieß es in der Mitteilung gestern. Die weltweite Produktion solle an die veränderten Rahmenbedingungen angepasst und so die Auslastung verbessert und Fixkosten reduziert werden. Dazu würden die bisherigen Produktionsstandorte überprüft und einzelne Produktionen verlagert. Zudem könnten Geschäfte in Partnerschaften überführt oder "Randaktivitäten" eingestellt werden.