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Karneval in Bonn: Handel gibt Session noch nicht verloren

Kaum einer kauft Kostüme : Handel gibt Karnevals-Session noch nicht verloren

Nicht erst nach der angedrohten Karnevals-Absage von Jens Spahn fehlen den Karnevalsgeschäften in der Region die Kunden. Ein Bonner Händler hat Ersatz für den Umsatz mit den Jecken gefunden.

Gegen Ende des Sommers beginnen für ernsthafte Karnevalsfreunde eigentlich die Vorbereitungen auf die Session. Im Bonner Kurzwaren- und Stoffgeschäft Kastenholz suchen die Mitglieder der Tanzgarden bunte Bänder und Knöpfe für ihre selbstgenähten Kostüme aus. Beim Kostümhändler Karnevalswierts in Köln-Godorf treffen sich um diese Zeit normalerweise ganze Vereine mit 40 bis 50 Personen, um sich auf ein gemeinsames Kostüm zu einigen. In diesem Jahr ist alles anders. Nicht erst seit der von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angedrohten Karnevals-Absage ist das Geschäft mit dem jecken Zubehör deutlich ins Stocken geraten. Trotzdem geben die Händler in der Region das Geschäftsjahr noch nicht verloren.

„Dass es für die gesamte Branche schwierig wird, ist klar“, sagt Björn Lindert, Geschäftsführer des Kostümhändlers Deiters mit Haupsitz in Frechen. Die 31 deutschlandweiten Filialen des Marktführers haben seit Ende der Sommerferien wieder geöffnet. In den Geschäften, unter anderem in der Bonner Innnenstadt, in Beuel und in Siegburg, ist es ruhig. „Die Kundenfrequenz liegt nicht einmal bei der Hälfte des normalen Betriebs“, sagt Lindert.

Handarbeitswelle in der Corona-Krise hilft

Auch im traditionsreichen Bonner Kurzwarengeschäft Kastenholz bleiben die närrischen Kunden aus. „Wir merken das deutlich“, sagt Inhaber Mario Rohloff. „Das wird ein richtiger Schlag für uns.“ Er ist froh, dass er größere Mengen Karnevalsstoffe und Zubehör in der Regel erst auf Anforderung der Gruppen bestelle. „So bleiben wir jetzt nicht auf der Ware sitzen.“ Doch im Vergleich zu den großen Kostümfachgeschäften hat das Familienunternehmen einen Vorteil: Was an Nachfrage durch die Karnevalisten wegfällt, kommt laut Rohloff durch ein gestiegenes Interesse an Handarbeiten während der Corona-Krise hinzu. „Wir verkaufen sehr viel Stoff für Masken“, sagt der Unternehmer. Die Nachfrage nach Nähmaschinen sei so hoch, dass die Hersteller nur noch verzögert liefern könnten.

Oktoberfest und Halloween fallen auch aus

Auch die großen Kostümhändler wie Karnevalswierts, der neben Köln-Godorf acht weitere Filialen betreibt, verdienen ihr Geld längst nicht mehr nur mit Karneval. „Für uns würde es jetzt bald mit Halloween und dem Oktoberfest losgehen“, sagt  Filialleiter Torsten Mutke. Aber auch für diese Anlässe seien Großveranstaltungen dem Virus zum Opfer gefallen. Umsatz brächten derzeit nur wenige private Mottopartys, „zwei, drei Teile für ein Piratenkostüm beim Kindergeburtstag“. Der Umsatzrückgang sei derzeit deutlich spürbar. „Wir sind von der Politik abhängig“, sagt Mutke. Eine vollständige Absage von Karneval im kommenden Jahr hält er heute für verfrüht. Trotz der wachsenden Konkurrenz auf dem Markt hätten sich die Geschäfte von Karnevalswierts vor der Corona-Krise gut entwickelt: „Wenn’s ums Feiern geht, ist der Kunde nicht kleinlich.“

Auch beim Konkurrenten Deiters gilt das Oktoberfest eigentlich als „Riesen-Thema“. Ein Drittel ihrer Umsätze erzielt die Kette mit 350 festen Mitarbeitern nach eigenen Angaben jenseits von Karneval. Mit selbst entworfenen Kostümen setze man sich von der internationalen Billig-Konkurrenz im Netz ab, so Geschäftsführer Lindert.

Im Online-Shop von Deiters gibt es jetzt neben Dirndl und Lederhose Mund-Nase-Masken mit Clownsgesichtern oder dem  Kölner Dom. Die Geschäfte blieben offen, sagt Lindert „auch wenn das wirtschaftlich grenzwertig ist“. Das Unternehmen wolle zu „so viel Normalität wie möglich beitragen“, auch wenn in diesem Karneval nur wenig normal sein wird.