Kautex Maschinenbau Bonner Traditionsunternehmen in Insolvenz

Bonn · Ein Traditionsunternehmen aus Bonn steckt in Finanzproblemen: Die Kautex Maschinenbau GmbH hat für den deutschen Produktionsstandort in Bonn einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Jetzt verhandelt das Unternehmen mit Investoren.

 Testlauf einer Blasform-Maschine: Aus Kunststoffgranulat entstehen Shampoo-Flaschen.

Testlauf einer Blasform-Maschine: Aus Kunststoffgranulat entstehen Shampoo-Flaschen.

Foto: Benjamin Westhoff

Die Kautex Maschinenbau GmbH hat für den deutschen Produktionsstandort in Bonn Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt. Wie das Unternehmen am Montag mitteilte, sei die Betriebsfortführung uneingeschränkt gesichert. Kautex Maschinenbau mit Hauptsitz in Holzlar ist spezialisiert auf die Entwicklung und Herstellung von Extrusions-Blasformsystemen. Das sind Verfahren der Kunststoffverarbeitung zur Herstellung von Hohlkörpern. So entstehen beispielsweise Kanister oder andere Kunststoffbehältnisse. Der Produktionsstandort in Shunde, China, ist nicht von der Insolvenz betroffen. Ausgelöst wurde dieser Schritt durch eine Vielzahl an exogenen Faktoren, so das Unternehmen.

Die Kautex Maschinenbau Gruppe befindet sich weltweit seit 2019 in einem Umbauprozess. Dies sei unter anderem eine Reaktion auf den Wandel in der Automobilindustrie und der Umstellung von Verbrennungs- auf Elektromotoren, so das Unternehmen. Den Umbauprozess habe die Kautex Maschinenbau Gruppe bereits zu einem Großteil erfolgreich abgeschlossen. Es sei eine neue Unternehmensstrategie entwickelt worden.

Doch die Covid-19-Pandemie, der Lockdown in China, die Störung der weltweiten Lieferketten sowie Lieferengpässe hätten sich negativ auf die Neuausrichtung ausgewirkt. Erschwerend seien steigende Preise durch Inflation, politische Unsicherheiten wie der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine oder der Fachkräftemangel hinzu gekommen.

Finanzvorständin Julia Keller sagte, dass ein Verkaufsprozess eingeleitet worden sei. Es gebe intensive Verhandlungen mit mehreren potenziellen Investoren.

Kautex steht in Kontakt mit Investoren

„Unsere Neuausrichtung wurde von vielen Entwicklungen, auf die wir keinen Einfluss hatten, beeinflusst. Umso stolzer sind wir auf unseren Fortschritt in der Gruppe, den wir dennoch gemeinsam als Team Kautex erreicht haben“, so Vorstandschef Thomas Hartkämper. Alle Interessengruppen unterstützten den eingeschlagenen Weg uneingeschränkt. „Die nächsten Schritte fallen uns nicht leicht, doch auch davon werden wir uns nicht von unserem Weg abbringen lassen“, so Hartkämper.

Die Beschäftigtenzahl liegt in Bonn bei 305 Mitarbeitern, insgesamt gibt das Unternehmen weltweit 490 Menschen Arbeit. Das Unternehmen betreibt regionale Niederlassungen in den USA, Italien, Indien, Mexiko und Indonesien und ein weltweites Netz von Service- und Vertriebsstützpunkten.

Das Unternehmen ist eine Ausgründung der früheren Kautex-Werke. Es geht zurück auf einen durch Reinhold Hagen 1935 gegründeten Vorgängerbetrieb. 1980 erfolgte die Umfirmierung zur Krupp Kautex Maschinenbau GmbH. 2018 war die österreichische Beteiligungsfirma Plastech aus Wien Mehrheitseigner geworden und hatte 74,95 Prozent der Anteile am Unternehmen übernommen. Der Rest der Anteile lag beim Management.

Insolvenz von Kautex: Stellenabbau möglich?

Nach dem Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung läuft bei Kautex Maschinenbau die Suche nach einem Investor. Was bedeutet das für die Beschäftigten? Alle Infos dazu lesen Sie in unserem Hintergrundstück.

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