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Ersatzteile selbst herstellen: Knauber bietet bundesweit den ersten 3D-Druckservice im Einzelhandel

Ersatzteile selbst herstellen : Knauber bietet bundesweit den ersten 3D-Druckservice im Einzelhandel

Wenn das Türscharnier der Mikrowelle nicht mehr schließen will, hat man Pech gehabt - es sei denn, man stellt sich das Ersatzteil selbst her. Der dreidimensionale Druck erobert immer mehr Terrain: Seit 30 Jahren gibt es die Technik, und längst werden industriell Gegenstände aus Metall, Gummi, Kunststoff, Holz oder Keramik Schicht für Schicht gefertigt.

Neu ist, dass die Herstellung von kleinen Ersatzteilen für die alte Spülmaschine, Zahnrädern für den Modellbau oder Miniaturausgaben des Brautpaares für Hochzeitstorten nun auch bei Privatkunden ankommt.

Kunden machen ihr eigenes Ding: etwa Ersatzteile oder Produktergänzungen. Für viele Produzenten oder Logistiker könnte diese Entwicklung langfristig das Aus bedeuten. Doch auch wenn es inzwischen schon für ein paar hundert Euro Drucker für den Hausgebrauch gibt - die Anschaffung lohnt sich für die meisten Konsumenten nicht.

Eine Marktlücke, die der Bonner Freizeitmarkt Knauber für sich nutzen will. Das Stammhaus in Bonn-Endenich bietet nach eigenen Angaben Deutschlands ersten 3D-Druckservice im Einzelhandel an. "In dieser Technik sehen wir eine völlig neue Dimension des Einkaufens", sagt Geschäftsführer Nektarios Bakakis. "Nach dem Motto 'reparieren statt wegwerfen' können diese Gegenstände in unserem Markt im 3D-Druck gefertigt werden." Wie das geht? Einfach beim Anbieter die passende Druckvorlage herunterladen. Oder demnächst das defekte Stück einscannen lassen.

Der Drucker fertigt das Teil Schicht für Schicht mit Hilfe dünner ABS-Kunststofffäden. Nach Erhitzung auf 230 Grad spuckt ein Extruder feinste Fäden auf eine auf 110 Grad beheizbare Platte - fertig.

Muster wie iPhone-Hüllen mit diversen Skylines oder Stifthüllen mit individuellen Aufschriften bietet Knauber in rund 40 Farben an. Eine iPhone-Hülle kostet den Angaben zufolge knapp zehn Euro, eine Stifthülle rund fünf Euro. Ein Ersatzteil (24 Cent pro Gramm) mit Einrichtegebühr zwischen fünf und zehn Euro. Da lohnt die Anschaffung eines eigenen Druckers kaum - auch wegen der bisher noch erheblichen Qualitätsdefizite beim Endprodukt.

Und darauf setzt Knauber mit seinem Geschäftsmodell: "Wir sind früh dran, aber man muss dabei sein und mit der Technik gehen", sagt Bakakis. Dabei stehe man erst am Anfang. Das Gerät "Maker Bot Replicator 2X" kam nach sechs Monaten Wartezeit aus den USA und hat rund 5000 Euro gekostet. Wann sich der Apparat amortisieren oder gar Gewinn abwerfen soll? Finanzielle Erwartungen habe man bei Knauber nicht, sagt auch Marketingleiter Philipp Lösche: "Das ist eine Investition." Weil viele Menschen untereinander vernetzt seien und Programme austauschten, habe der Handel die Chance, ein neues Geschäftsfeld zu etablieren.

Vier technikbegeisterte Mitarbeiter hat Knauber geschult, nach rund drei Monaten will Bakakis Bilanz ziehen: "Wenn das ein Markt wird, kaufen wir mehr Geräte." Pro Tag zählt Knauber-Mitarbeiterin Sabrina Weckwerth drei bis vier Kunden. Interessenten, die die Fertigung der maximal 25 mal 15 mal 15 Zentimeter großen Figuren im Glaskasten bestaunen, gibt es indes deutlich mehr. Und keineswegs nur junges Publikum.

Der 3D-Druck ermöglicht auch, eigene Ideen zur Fertigung zu bringen. Oder Objekte zu kopieren. Darunter auch solche, die das Bundeskriminalamt sehr ungern sieht: etwa Schusswaffen. Sparfüchse könnten auf die Idee kommen, Markenware wie zum Beispiel Spielzeugfiguren nachzubauen. Die öffentliche Debatte um Urheberrechtsschutz ist bereits entbrannt und wird sich im Zuge der Entwicklung noch deutlich verschärfen.

Auch für Knauber ein heißes Pflaster? "Die Haftung liegt beim Kunden, der unterschreibt, dass er die Rechte besitzt", sagt Nektarios Bakakis. "Wir sind nur Lohnfertiger, aus Marken müssen wir uns raushalten." Und für Sabrina Weckwerth steht fest: Spielwaren führt die hauseigene Abteilung nebenan - so soll es auch bleiben.