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Leanix aus Bonn: Start-up erhält rund 71 Millionen Euro - Goldman Sachs als Partner

Goldman Sachs als Partner : Bonner Start-up Leanix erhält rund 71 Millionen Euro

Das Bonner Start-up Leanix schließt eine Finanzierungsrunde ab und erhält rund 71 Millionen Euro. Das junge Unternehmen zählt damit zu den wertvollsten Gründungen in NRW.

Wenn André Christ beschreiben soll, was sein Start-up Leanix macht, versucht er es mit einer Umschreibung: „Wir stellen Unternehmen vereinfacht gesagt einen Katalog bereit, mit dem sie den Überblick über ihre Software-Lösungen behalten.“ Das klingt etwas abstrakt, löst am Markt bei vielen Mittelständlern und Konzernen aber ein echtes Problem. Denn diese haben oft Hunderte oder gar Tausende Lösungen im Einsatz – zu viel jedenfalls, um mit einer Excel-Tabelle den Überblick zu behalten. 300 Kunden hat Leanix bereits gewonnen von A wie Adidas bis Z wie Zalando.

Um das rasante Wachstum weiter zu beschleunigen, hat das Start-up nun eine Finanzierungsrunde über 80 Millionen US-Dollar (circa 71 Millionen Euro) abgeschlossen. Das Geld kommt unter anderem von einer bekannten US-Investmentbank. „Mit Goldman Sachs haben wir einen Partner gefunden, dessen Name allein schon weltweit für Vertrauen bei Unternehmen sorgt. Das wird uns bei Gesprächen mit potentiellen Kunden und Partnern natürlich helfen“, sagt Leanix-Gründer und Geschäftsführer André Christ. Auch die Alt-Investoren beteiligten sich.

Leanix, das aktuell einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag umsetzt, dürfte damit auf dem Papier inzwischen mehrere hundert Millionen Euro wert sein. Das Start-up zählt damit zu den wertvollsten Gründungen in NRW.

2012 gegründet

Die Idee zu seinem Unternehmen kam André Christ während seiner Arbeit für den Dax-Konzern Deutsche Post DHL. Dort war er als eine Art interner Unternehmensberater tätig und erlebte im Alltag immer wieder, dass es wegen Rückfragen bei der IT zu Verzögerungen kam. Und Christ fragte sich: Geht das nicht einfacher?

2012 gründete er Leanix, nachdem er bereits als Schüler und Student erste Erfahrungen mit dem Gründertum gesammelt hatte. Denn schon während der Schulzeit hatte der Wirtschaftsinformatiker unter anderem bei Start-ups des fernsehbekannten Bonner Investors Frank Thelen gearbeitet, beim örtlich ansässigen Frühphasen-Investor Hightech-Gründerfonds absolvierte er ein Praktikum – und für die ebenfalls in der ehemaligen Bundeshauptstadt ansässige Telekom programmierte er eine Lösung, mit der sich die Erstellung des Jahresabschlusses beschleunigen ließ.

Als er die Deutsche Post DHL 2012 gemeinsam mit dem Ende des vergangenen Jahres wieder ausgeschiedenen Mitgründer Jörg Beyer verließ, hatten die beiden eine Idee, aber zunächst keinen Investor und keine Kunden. Dann überzeugte man den Kölner Risikokapitalgeber Capnamic und dessen Chef Jörg Binnenbrücker. „Er war früher mein Tennistrainer, wir sind gemeinsam in die Oberliga aufgestiegen“, sagt der gebürtige Bonner Christ. „Trotzdem hat es drei Jahre gebraucht, bis Capnamic investiert hat. Am Ende kommt es eben doch auf den Erfolg des Geschäftsmodells an.“ Seitdem hat sich das Wachstum noch einmal beschleunigt. Leanix hat inzwischen Standorte im indischen Hyderabad und in Boston. Knapp 40 Prozent des Gesamtumsatzes wird bereits in den USA erzielt.

Die Auswirkungen des Coronavirus auf das Geschäft halten sich bislang in Grenzen. Nachdem man in den vergangenen Jahren nach eigenen Angaben jeweils um 100 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gewachsen ist, peilt man diese Marke auch in diesem Jahr wieder an. Und selbst bei den Gesprächen mit Investoren gab es keine Probleme – auch wenn man zeitweise auf den persönlichen Austausch verzichten musste. „Wir haben den Fundraising-Prozess im Februar gestartet, aber so richtig dann erst Ende März losgelegt. Wir haben daher viele Stunden in Videokonferenzen verbracht, um uns richtig kennenzulernen“, sagt Christ.