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Software-Unternehmen : Leanix: Eine Erfolgsgeschichte aus Bonn

Software-Unternehmen : Leanix: Eine Erfolgsgeschichte aus Bonn

Das noch junge Unternehmen Leanix gehört schon zu den ganz Großen der Software-Branche. Etwa 160 Angestellte arbeiten in Bonn und bedienen 280 Unternehmen weltweit.

Software, made in Bonn: Leanix ist eines der größten deutschen IT-Unternehmen – und das völlig ohne großen Hype um das Produkt, wie man es aus dem Silicon Valley kennt. In der alten Landeszentralbank am Trajektknoten entwickelt Leanix seine Programme, die vor allem für Unternehmen mit Millionenumsatz entworfen werden. 160 Angestellte arbeiten in Bonn an der Software-Entwicklung, weitere 50 sitzen in Boston, USA, dazu noch zehn in Hyderabad, Indien. „Technisch sind wir kein Start-up mehr, auch wenn wir uns noch so fühlen“, sagt André Christ, Vorstandsvorsitzender des acht Jahre alten Technologieunternehmens, in seinem gläsernen Büro mit Blick auf das Siebengebirge. 100 Prozent Wachstum sind in diesem Jahr geplant – genauso wie bereits in den letzten beiden Jahren. Wie sich die Corona-Krise auswirkt, ist Stand heute noch nicht vollständig absehbar, laut Christ „waren die Umsätze im ersten Quartal über Plan“.

Angefangen hatte 2012 alles mit zwei Gründern, dem nun 38-jährigen Christ und Jörg Beyer, beide davor in IT-Managementpositionen bei der Post DHL. Nach drei Jahren der „Zwei-Mann-Show” aus eigenem Kapital folgten das erste millionenschwere Investment und die ersten 20 Mitarbeiter. „Attraktiv am Start-up-Umfeld ist, dass Mitarbeiter schnell Verantwortung übernehmen können”, sagt Christ, hinter dem ein Portrait von Albert Einstein hängt – dazu ein Zitat von Apple-Gründer Steve Jobs: „Think Different”.

Das Unternehmen wird lateral geführt; statt Führungsstrenge zählt Fachwissen und Menschenkenntnis. Inzwischen gibt es bei Leanix mehr als 30 Personen, die andere Personen führen, dort teils zum ersten Mal. Er schätzt außerdem die schnelleren Entscheidungswege und mehr Transparenz – Grundwerte, die aus Start-up-Zeiten immer noch hochgehalten würden. Andere typische, vielleicht sogar etwas klischeebehaftete Eigenschaften findet man auf den zweiten Blick: Die Tischtennisplatte für die Mittagspause, die Glocke, die noch immer für jeden neuen Kunden geläutet wird, nicht zuletzt das ökologische Image, das mit Aktionen wie einem eigenen Leanix-Wald gepflegt wird, der derzeit 1670 Bäume umfasst.

Christ: „Bonn wird extrem unterschätzt“

Vor allem ins Produkt wollen sie mittelfristig investieren, rund ein Drittel der Mitarbeiter arbeitet in dessen direktem Umfeld. Gleichzeitig wollen sie beim Personal wachsen. Nachwuchs zu finden sei nicht ganz einfach: „Es gibt kein schnell wachsendes Technologieunternehmen in unserer Zeit, das nicht Probleme hat, gute Leute ranzuziehen.“ Schwierig sei es bereits, gegen die Big Player einen Platz auf entsprechenden Jobmessen zu bekommen. Trotzdem ist er von der Positionierung überzeugt. „Bonn wird von vielen Leuten außerhalb von Bonn extrem unterschätzt. Bonn ist ein extrem attraktiver Standort für junge Familien, für Leute, die nicht in einer riesigen Metropole leben müssen, aber trotzdem nah an der Stadt.“

Berufsanfänger hätten eben die Wahl: Entweder eine systematische Karriere im Konzern oder ein dynamischeres Arbeitsumfeld. Das verschaffe Leanix einen Vorteil bei Absolventen und Berufseinsteigern. Altersdurchschnitt im Unternehmen: 33. Bei all den Lobeshymnen hat Christ – selbst gebürtiger Bonner, seine Eltern stammen aus Unkel – auch kritische Worte übrig. ­“Berlin ist zwar immer ein plakatives Beispiel. Doch die Offenheit für junge Unternehmen, die man dort erlebt, ist ganz anders als in Bonn.”

„Münsterplatz statt Mountain View“

Gleichzeitig will Leanix sein Image in Bonn festigen. „Wir bedienen aus Bonn 280 Unternehmen weltweit – was für eine Nachricht macht man denn eigentlich daraus?” Die Unternehmer gehen in die Werbeoffensive und plakatieren Sprüche wie „Münsterplatz statt Mountain View“ oder „Poppelsdorf statt Palo Alto“ – Anspielungen auf die kalifornischen Hauptsitze von Google und Apple. Den Silicon Valley hat auch die NRW-Landespolitik als Vorbild. Unterm Strich hat sich laut Christ in den vergangenen acht Jahren seit Gründung im hiesigen Start-up-Umfeld schon viel getan.

Hinter dem Namen Leanix verbirgt sich nicht nur das Bonner Unternehmen, sondern auch das eigentliche digitale Produkt, das in die ganze Welt exportiert wird. Zielgruppe: andere Unternehmen mit mehr als 500 Millionen Euro Jahresumsatz. Neben der Telekom und der Deutsche Post DHL Group zählen Unternehmen von Adidas bis Zalando zu den kommunizierten Kunden. Im Mittelpunkt stand immer, branchenübergreifend agieren zu können. Nach Jahren der „Spotify für“- und „Netflix für“-Vergleichen in Start-up-Pitches wählt Christ zur Beschreibung von Leanix eine etwas überraschende Analogie: „Das Google Maps für IT im Unternehmen.“

Eine Excel-Tabelle reicht nicht mehr

Was auf der Landkarte Städte sind, ist bei Leanix Software, Verknüpfungen einzelner Services werden wie Autobahnen dargestellt. Staus wären Sicherheitsrisiken, die sich frühzeitig beseitigen ließen. Warum Leanix überhaupt nötig geworden sei? Laut Christ hat sich der Zugang zu Software und Rechenressourcen dramatisch verändert. Per Mausklick könne man sich mittlerweile Server bestellen oder per Kreditkarte Software für das Unternehmen einkaufen. Vor 15 Jahren sei das noch nicht so gewesen. Heute hätten Unternehmen nicht Hunderte, sondern Tausende Lösungen im Einsatz: Eine Excel-Tabelle reicht nicht mehr, um den Überblick zu behalten.

Ob sie sich vor acht Jahren den Erfolg ihrer Software schon so vorgestellt hätten, wie sie ihn jetzt erleben? Christ lacht. „Da hofft man, dass das Geld bis zum Ende des Jahres reicht.“

In Zeiten von Corona, wo viele Arbeitgeber auf Homeoffice setzen, müssen sie sich keine Sorgen machen: Leanix hilft Unternehmen gerade jetzt. Christ: „Zahlreiche Unternehmen bewerten, welche Software kritisch ist, zum Beispiel damit sie optimal von zu Hause genutzt werden kann. Ein super Anwendungsfall für Leanix.“