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Von Funkwellen zu Tweedmützen: Meckenheimer „The British Shop“setzt noch auf Versandhauskatalog

Von Funkwellen zu Tweedmützen : Meckenheimer „The British Shop“setzt noch auf Versandhauskatalog

Der Gründer des Meckenheimer „The British Shop“ tauschte seinen Beamtenjob schon früh gegen die Selbstständigkeit. In der Coronakrise läuft das Geschäft nur noch über den Versand.

Rosamunde Pilcher hätte ihre helle Freude an dem Versandhauskatalog aus Meckenheim: Blümchenmuster, Dufflecoats, Wachsjacken, Lavendelduft und dazu Tee, Shortbread und Orangenmarmeldade – britischer geht es nicht. Sogar einen „Egg Coddler“ führt das Familienunternehmern in seinem Sortiment. Mit dem können England-Fans stilecht ihr Frühstücksei im Wasserbad zum Stocken bringen. „Wir sind immer auf der Suche nach neuen Produkten“, sagt Geschäftsführer und Firmengründer Wolf Siebel. „Gleichzeitig ist unser Geschäft aber nicht von Trends gesteuert, sondern bedient eher den klassischen Geschmack.“

Das Ladengeschäft in einem Meckenheimer Industriegebiet ist derzeit wegen der Coronakrise geschlossen, doch der Versand läuft weiter. Die Produkte werden in Meckenheim verpackt und versendet. Zwischen fünf und zehn Prozent wachse der Umsatz jedes Jahr, sagt Siebel. Schneller soll es auch nicht gehen. „Wir sind im Moment ausreichend beschäftigt.“

Dass der heute 64-Jährige sein Berufsleben einmal britischen Produkten widmen würde, war alles andere als absehbar. Der gelernte Nachrichtentechniker heuerte nach seinem Studium erst einmal bei der damaligen Bundespost an. „Mit Anfang 20 war ich schon Beamter“, erinnert sich der Unternehmer. „Aber ich hatte schon früh das Gefühl, dass eine andere Laufbahn vielleicht geeigneter wäre.“

Statt mit Scones und Tweedmützen beschäftigte Sieber sich damals vor allem mit Funkwellen für Weltempfänger. Er erstellte Listen, auf welchen Wellen welche Sender zu empfangen waren, und gründete auf dieser Basis noch vor seinem 30. Geburtstag den eigenen Verlag. Die „Wellenjagd“ sei damals fast ein „reines Männerhobby“ gewesen, sagt Siebel. Fast 20 Jahre lang habe er die Szene mit seinem Verlag beliefert.

Dann wurde es Siebel, wie er sagt, langweilig. Früh genug, denn wenig später machte das Internet erst den Verkauf der Listen mit Funkwellen und dann die Weltempfänger weitgehend überflüssig. Ein Freund Siebels hatte in Bad Godesberg einen alten Rolls Royce in der Garage stehen. Der weckte das Interesse des Unternehmers an Großbritannien.  Bei der Gründung von „The British Shop“ startete Siebel allerdings nicht mit Luxuslimousinen, sondern vergleichsweise bescheiden mit Whisky, Shortbread und Krawatten. Das Kundeninteresse war groß. „Irgendwann  musste ich mich zwischen meinem Verlag und dem Versandhandel entscheiden“, sagte Siebel. Er entschied sich für den Shop. „Im Nachhinein war das natürlich ein absoluter Glücksfall“, so der Unternehmer.

Heute verkauft „The British Shop“ seine Waren über das Internet, aber setzt auch weiterhin auf bedrucktes Papier: Acht mal pro Jahr erscheint der Katalog in einer Auflage von mehr als 400.000 Stück, dazu kommen zwei jährliche Sonderausgaben. „Unsere Kunden wollen darin blättern“, ist Siebel überzeugt.

Denn auch durch den Brexit sei das Interesse an Produkten aus Großbritannien nicht gesunken. Vielleicht ist es sogar gestiegen. „Das Land war zuletzt so präsent in den Medien, dass man gar nicht daran vorbeikam“, sagt der Meckenheimer: „Brexit und dazu noch Harry und Meghan!“ Auf die komplizierteren Zollregelungen durch den EU-Austritt hätten sich die kaufmännischen Mitarbeiter zudem vorbereitet.

An die Zukunft des britisch-deutschen Importhandels glaubt auch Sohn Robert Siebel. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre unterstützt der 27-Jährige seinen Vater im Familienunternehmen. Auch er kennt mittlerweile den Geschmack der Kundschaft. Hundemotive seien beliebt, sagt er. Aber ab und zu gebe es natürlich auch Ladenhüter, etwa ein Kissenbezug mit aufgedrucktem „Christmas Pudding“.