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Änderungen in der Region und bundesweit: Mehr Arbeitslose durch Ukraine-Geflüchtete

Änderungen in der Region und bundesweit : Mehr Arbeitslose durch Ukraine-Geflüchtete

Die neue Zuständigkeit der Jobcenter für geflüchtete Menschen aus der Ukraine wird auch in den kommenden Monaten die Arbeitslosenzahlen steigen lassen. In der Region Bonn/Rhein-Sieg sind auch mehr arbeitssuchende Jugendlich zu verzeichnen.

Sowohl in der Region Bonn/Rhein-Sieg als auch NRW-weit und bundesweit sind im Juni die Arbeitslosenzahlen gegenüber dem Vormonat gestiegen. Das liegt aber nicht an einer grundlegenden Eintrübung der Lage auf dem Arbeitsmarkt, sondern vor allem daran, dass die Jobcenter seit 1. Juni in den allermeisten Fällen erste Anlaufstelle für die vor dem Krieg geflohenen Menschen aus der Ukraine sind.

In der Region Bonn/Rhein-Sieg ist die Arbeitslosigkeit auch unter den Beziehern von Arbeitslosengeld gestiegen. Stefan Krause, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bonn, führt das auf die Zunahme an arbeitslosen Jugendlichen zurück. Das sei nach Schuljahresende saisonüblich. „Erfreulich ist, dass sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von Dezember 2020 zu Dezember 2021 um 2,5 Prozent erhöht hat“, sagte Krause. Die Arbeitslosenquote in der Region Bonn/Rhein-Sieg blieb im Vormonatsvergleich bei 5,5 Prozent.

Auch an der Ahr sind steigende Zahlen zu vermelden: „Ohne die Kriegsflüchtlinge, die sich nun bei den Jobcentern melden, wären die Zahlen wie zu dieser Zeit des Jahres üblich zurückgegangen – wenn auch nicht so stark wie in den Vor-Corona-Jahren“, erklärt Frank Schmidt, Leiter der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen. Laut Statistik sind zum Monatsende im Landkreis Ahrweiler 75 Ukrainerinnen und Ukrainer arbeitslos gemeldet – 35 mehr als im Mai und 72 mehr als vor einem Jahr. Insgesamt sind 145 erwerbsfähige Ukraine-Flüchtlinge im Landkreis registriert. Die Arbeitslosenquote stieg im Vergleich zum Mai um 0,1 Punkte auf 3,4 Prozent.

Änderungen in der Region und bundesweit: Mehr Arbeitslose durch Ukraine-Geflüchtete
Foto: GA

„Es war gut, dass Bundestag und Bundesregierung entschieden haben, die vor dem russischen Angriffskrieg geflüchteten Ukrainerinnen und Ukrainer in die Grundsicherung für Arbeitssuchende aufzunehmen“, sagte Bianca Cristal, Geschäftsführerin der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit. Die Menschen erhielten bei den Jobcentern alle Leistungen aus einer Hand: „Das erspart den Geflüchteten doppelte Wege, vereinfacht aber zugleich auch die Unterstützung der Menschen erheblich.“ Für einen Juni sei es aber auch sonst üblich, sagte die Arbeitsmarktexpertin, dass aufgrund des Endes der Frühjahrsbelebung die Zahl der Arbeitslosen steigen könne. Die Arbeitslosenquote stieg gegenüber Mai um 0,2 Prozentpunkte auf 6,7 Prozent. Vor einem Jahr lag sie um 0,7 Punkte höher. Dabei bleibe die NRW-Arbeitslosigkeit historisch betrachtet jedoch auf niedrigem Niveau – aktuell auf dem drittniedrigsten Stand seit 1992. „Die Arbeitslosigkeit wird in den nächsten Monaten Monat für Monat steigen, gar keine Frage“, sagte BA-Chef Detlef Scheele am Donnerstag. Die Arbeitslosenquote legte bundesweit im Monatsvergleich um 0,3 Prozentpunkte auf 5,2 Prozent zu.

Aktuell stehen in NRW 50 650 offene Ausbildungsstellen knapp 43 000 jungen Menschen auf der Suche nach einer Ausbildung gegenüber. Unternehmen melden nach zwei Corona-Jahren mit rückläufigen Ausbildungsangeboten mehr Ausbildungsstellen – von Oktober bis Juni 103 938 Stellen, damit 5,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Aber es gab gleichzeitig landesweit mit 93 722 Menschen auch weniger Interessierte an betrieblichen Ausbildungsangeboten – ein Rückgang von 1,9 Prozent zum Vorjahr.