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Leiterin der Brief-Niederlassung Bonn: Mit 38 Jahren Chefin von 4300 Postlern in der Region

Leiterin der Brief-Niederlassung Bonn : Mit 38 Jahren Chefin von 4300 Postlern in der Region

Katharina Putz ist seit Jahresbeginn Bonner Niederlassungsleiterin bei der Deutschen Post DHL Group. Die 38-Jährige hat als Quereinsteigerin beim Logistikkonzern eine rasante Karriere hingelegt.

Hinter ihrem Schreibtisch im Troisdorfer Gewerbegebiet hängt eine Landkarte mit dem Gebiet, für das Katharina Putz zuständig ist. Die Niederlassung Bonn erstreckt sich von Hellenthal an der belgischen Grenze im Westen bis Gummersbach im Osten, von Leverkusen im Norden bis Adenau im Süden. In dieser Region ist Putz Chefin von 4300 Beschäftigten in den Postleitzahlregionen 51 und 53. Fast 100 Betriebsstätten gehören zu ihrem Verantwortungsbereich und acht größere Zustellstützpunkte. Der Hauptsitz der Verwaltung und der Platz ihres Schreibtisches ist im Spicher Briefzentrum am Langeler Ring.

„Ich wollte Jetpilotin werden"

Die Post-Karriere der hochgewachsenen, blonden Frau hat sich zu Schulzeiten noch nicht abgezeichnet: „Ich wollte Jetpilotin werden." Auslöser war eine Militärschau, die sie mit ihren Eltern besuchte. Doch diese Karriere verhinderte die Tatsache, dass sie eine Brille brauchte. Stattdessen verpflichtete sich Putz, die aus der Nähe von Halle an der Saale stammt, 2002 als Zeitsoldatin bei der Bundeswehr. „Ich konnte mir nicht vorstellen, einfach nur so zu studieren.“ Sie war im zweiten Jahrgang der Bundeswehr, in dem Frauen überhaupt in die Truppe aufgenommen wurden.“ „Wir waren vier Frauen unter 100 Männern.“

Sie übernahm binnen Kürze erste Führungsaufgaben als stellvertretende Kompaniechefin und stellvertretende Stabsabteilungsleiterin bei der Artillerie. „Es hieß relativ schnell: Sie wollen Führungskraft werden, jetzt sind Sie es.“ Putz studierte Pädagogik an der Bundeswehruniversität in Hamburg, ehe sie Pressesprecherin der Bundeswehr am Stützpunkt Koblenz wurde. Für sechs Monate war sie im Afghanistan-Einsatz. Dort leitete sie eine Redaktion, in der sie mit einheimischen Journalisten und deutschen Kollegen Informationspublikationen für die einheimische Bevölkerung erstellte. Die Sicherheitslage rund um Mazar-e Sharif bereitete ihr wenig Gedanken. „Ich habe vor nichts Angst.“ Angst schränke ein.

Zwölf Jahre Bundeswehr

Am Ende der zwölf Jahre bei der Bundeswehr stellte sich die Zukunftsfrage. „Ich wollte noch mal etwas anderes machen.“ Es wurde zunächst ein weiteres Studium mit Masterabschluss in Betriebswirtschaftslehre. Danach wollte sie das erworbene Fachwissen und den Wunsch nach Verantwortung kombinieren. Sie bewarb sich bei mehreren Konzernen. Das Traineeprogramm Grow der Deutschen Post habe sie besonders angesprochen. Während des Traineeprogramms war sie auch als Zustellerin tätig: „Ich kenne also die Arbeit an der Basis, das ist auch wichtig."

Es folgte eine Karriere im Zeitraffer. Die Quereinsteigerin durfte wegen sehr guter Leistungen ihre Ausbildung verkürzen. Ihr wurde 2016 rasch die Leitung des Zustellstützpunktes in Bad Honnef übertragen, mit Verantwortung für rund 350 Mitarbeiter. Der nächste Schritt der Laufbahn war 2018 die Abteilungsleitung Brief und Verbund in der Bonner Niederlassung. Hier trug sie bereits Personalverantwortung für 2700 Beschäftigte.

Morgens in der Zustellbasis

Seit Jahresbeginn ist sie die Chefin der Niederlassung, die für Briefzustellung und im eher ländlichen Raum für die Verbundzustellung von Paketen und Briefen zuständig ist. Morgens versucht sie erst einmal, bei einer Zustellbasis oder einem Stützpunkt in ihrer Region zu sein. „Ich will sehen, wie es den Kollegen geht.“ Danach füllt sich der Tag schnell mit Konferenzen und Besprechungen – vieles derzeit natürlich virtuell. Sie betreut 27 Immobilienprojekte. Die Gebäude sollen im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie des Konzerns für den Einsatz von erneuerbaren Energien umgerüstet werden. Dazu gehört auch der Zustellstützpunkt in Wachtberg-Villip, der schon relativ weit ist. Demnächst soll durch die Betriebsärzte allen Mitarbeitern ein Corona-Impfangebot unterbreitetet werden. Auch das will organisiert sein.

„Ich stehe immer um 4.30 Uhr auf.“

Wenn Putz, die mit ihrem Lebensgefährten in Bad Honnef lebt,  ihren Arbeitstag gegen 7 Uhr beginnt, hat sie oft schon ihre Joggingstrecke hinter sich. Das bereitet ihr zeitlich wenig Mühe: „Ich stehe immer um 4.30 Uhr auf.“

Jeder Arbeitstag sei unterschiedlich. Gleichzeitig das große Ganze mit allen Kennzahlen im Blick und den Kontakt zu den Mitarbeitern zu halten, sei ein Balanceakt. „Wichtig ist, ruhig und konzentriert zu bleiben, zu analysieren, Ursachen zu erkennen und Lösungen zu finden, aber dabei nicht das Herz zu vergessen“, sagt Putz. Die Kunst sei, alle Bälle in der Luft zu behalten.