Streit am Flughafen Köln/Bonn Miteigentümer des Flughafens drängen auf Aufklärung

Köln/Bonn · Miteigentümer des Flughafens fordern Aufklärung über Führungsstreit: Auf Antrag des Rheinisch-Bergischen Kreises gibt es Ende November eine Gesellschafterversammlung.

Ist es Rufmord oder die Aufdeckung von Vetternwirtschaft? Im Führungsstreit um den Köln/Bonner Flughafen bleiben die Fronten verhärtet. Aussage steht gegen Aussage. Aus Sicht von Aufsichtsratschef Kurt Bodewig konnte die Erklärung des beurlaubten Geschäftsführers Michael Garvens die gegen ihn erhobenen Vorwürfe nicht einmal teilweise entkräften. Das teilte Bodewig am Mittwoch auf Anfrage mit. Garvens hatte über seine Anwälte am Dienstag zurückweisen lassen, dass er dem Airport unter anderem über nicht bezahlte Privatflüge oder Zahlungen an Firmen ohne Gegenleistung Schaden zugefügt habe.

Der Streit in der Flughafen-Chefetage sorgt derweil in den angrenzenden Kommunen als Miteigentümer des Airports für immer mehr Unmut. Sie sehen den Wirtschaftsstandort in Gefahr und fordern vom Aufsichtsrat Aufklärung. Auf Antrag des Rheinisch-Bergischen Kreises soll Ende November eine Gesellschafterversammlung stattfinden, heißt es aus dem Kreis der Miteigentümer. Man wünsche sich, so heißt es von Seiten der Kommunen, dass Flughafen-Geschäftsführer Garvens auf dieser Gesellschafterversammlung die Gelegenheit bekomme, sich zu den Vorwürfen zu äußern.

Rekers fordert faires Verfahren gegen Garvens

Der Rhein-Sieg-Kreis hält 0,59 Prozent am Flughafen. „Bei solch gravierenden Vorwürfen sollte Garvens sich mündlich verteidigen dürfen“, sagte Marcus Kitz (CDU), der die Interessen des Rhein-Sieg-Kreises beim Flughafen vertritt. Bei verschiedenen Aufsichtsratssitzungen seien die Gesellschafter zum Thema Garvens nicht zugelassen gewesen. „Die Kommunikation war in diesem Fall holprig“, kritisiert er. Im Siegburger Kreishaus sei man „sehr irritiert“ darüber, wie leichtfertig Informationen aus dem Aufsichtsrat an die Öffentlichkeit gelangt seien.

Ähnlich kritisch wird der Flughafen-Zwist im Rheinisch-Bergischen Kreis gesehen, der 0,35 Prozent der Anteile hält. „Der Flughafen ist nicht zuletzt als Jobmotor für unsere Region extrem wichtig“, sagt Klaus-Dieter Becker (CDU), Gesellschaftervertreter für den Kreis beim Flughafen. „Ich sehe uns als Gesellschafter in der Pflicht, Schaden vom Flughafen abzuwenden.“ Die Stadtwerke Bonn, die für die Stadt 6,06 Prozent am Flughafen Köln/Bonn halten, wollten sich auf Anfrage nicht zur Situation am Köln/Bonner Airport äußern. Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat sich dafür ausgesprochen, den Vorwürfen gegen Flughafen-Geschäftsführer Michael Garvens in einem fairen Verfahren nachzugehen. Zu einem rechtsstaatlichen Verfahren gehöre auch das rechtliche Gehör des Beschuldigten.

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