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Existenzgründung: Nach der Kündigung in die Selbstständigkeit

Existenzgründung : Nach der Kündigung in die Selbstständigkeit

Drei ehemals angestellte Manager erlebten einen Bruch in ihrem Berufsleben und wagten den Schritt in eine neue berufliche Zukunft.

Man trennte sich im „gegenseitigen Einvernehmen“. In der Sprache der Arbeitsrechtler ist das oft die formelle Umschreibung für das Gegenteil. Franz-Josef Ebel hat von 2004 bis 2011 als Chefredakteur die internen Medien der Deutschen Post verantwortet. Zuvor war der Wirtschaftsjournalist Programmdirektor bei der damaligen Telekom-Tochter T-Online. mit 150 Mitarbeitern. Nach dem Studium in Großbritannien hat Ebel zunächst bei der Nachrichtenagentur Reuters und Handelsblatt gearbeitet. Beim Handelsblatt baute er den Onlineauftritt auf, bevor er zu ProSieben wechselte.

Ebel blickte auf eine makellose Karriere, als es bei der Post zu einem personellen Wechsel bei seinen Vorgesetzten kam. „Dann hat die Chemie nicht mehr gestimmt“, erinnert sich Ebel. Das ist jetzt fünf Jahre her. Ebel war 54 Jahre alt. „Eigentlich ist das ein typischer Fall“, sagt er selbst. Ein typischer Fall für erfolgreiche Manager, die arbeitslos werden oder von Arbeitslosigkeit bedroht sind und sich dann die Frage stellen: Was nun?

Der Bonner hatte schnell eine Idee, was er künftig machen wollte: „Franchising war ein Thema, das mich interessierte.“ Die Branche hatte er durch seine Arbeit als Wirtschaftsjournalist kennengelernt. Beim Franchising handelt es sich um ein System, bei dem ein bereits bestehendes Unternehmen seine Geschäftsidee verschiedenen Unternehmensgründern verkauft. Er wollte ein Franchise-System aus dem Ausland in der Funktion als Franchisegeber nach Deutschland bringen. „Da habe ich aber nichts Passendes gefunden.“

Auf Franchisemessen, auf denen er sich umsah, bekam er mit, dass viele ausländische Marken Interesse haben, nach Deutschland zu expandieren, aber hier keinen Ansprechpartner haben. Da war seine Geschäftsidee geboren.

Zu dieser Zeit kam Phoenix ins Spiel, ein Programm der Managervermittlung der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) mit Sitz in Bonn, die zur Agentur für Arbeit gehört. Ähnlich wie der sagenumwobene Vogel, der sich aus aus Asche erhebt, sollen Manager, die arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht sind, hier eine neue Perspektive bekommen. „Das war sehr hilfreich“, meint Ebel. Man bekomme die Handwerkszeuge mit, die man für eine Gründung brauche. „Außerdem sind die Teilnehmer in einer Gruppe mit ähnlichen Erfahrungen, und es gebe ein direktes Feedback zur Geschäftsidee.“ Sonst sei ein Gründungsprozess eine eher einsame Angelegenheit.

Das Coachingprogramm der ZAV soll Führungskräften beim Schritt in Richtung Selbstständigkeit helfen. Alle Referenten sind selbst Unternehmer. Dabei geht es auch um das Gefühlsleben: Alten Privilegien nicht hinterherzutrauern, sondern offensiv die Zukunft anzugehen. Das Programm besteht aus zwei einwöchigen Seminaren. Dazwischen liegt eine mehrwöchige Pause, in der alle ihre Geschäftsideen weiterentwickeln sollen.

„Die Teilnehmer sollten eine Idee mitbringen, an der sie arbeiten können“, sagt Frank Wartzek von der ZAV-Managementvermittlung, der Phoenix federführend betreut. Zuvor haben sie eine Vorauswahl durchlaufen. In 15 Jahren wurden so 870 Teilnehmer geschult. Derzeit gehen angesichts des guten Arbeitsmarktes die Interessentenzahlen leicht zurück. Und er hat eine Veränderung in der Stimmung der Seminare festgestellt: „Es ist kein Stigma mehr, als Manager arbeitslos zu werden.“ Vor 15 Jahren habe zu Beginn der Seminare oft eine Grabesstimmung geherrscht. Heute gehe es lockerer zu. Wer vermittelt werden will, muss drei Jahre Führungserfahrung und Bereitschaft zur bundesweiten Mobilität mitbringen.

Nach dem Coaching gründete Ebel die Master Franchise Germany Unternehmensberatung, die ausländische Franchise-Marken bei der Expansion nach Deutschland unterstützt sowie deutsche und Franchise-Systeme auf ihrem Weg in Ausland begleitet.

Als erstes brachte er „The Seasons A Class“ aus Großbritannien nach Deutschland. Ein System, das Malkurse für ältere Menschen anbietet, dann das Limonadenfahrrad „Fresh Bike“. Dazu gehört ein deutscher Pilotbetrieb in Bad Godesberg. Jetzt geht es um Snap Fitness mit 2000 Studios in 22 Ländern. „Die bringe ich gerade nach Deutschland.“

Auch Bianca Burmester aus Düsseldorf stand 2011 vor der Herausforderung, sich neu zu orientieren. Die 49-Jährige war 16 Jahre für den Deutschen Fachverlag tätig, der unter anderem die Lebensmittelzeitung herausgibt. Die letzten zehn Jahre war sie Anzeigenverkaufsleiterin für Jobs und Karrieren. Ein Wechsel in der Geschäftsleitung war auch hier der Auslöser: „Ich hatte seit einigen Jahren eine Außenstelle, das war aber nicht mehr gewünscht. Deshalb haben wir uns getrennt.“Zuvor war sie mit ihren Kindern im Altern von 15 und 17 Jahren von Frankfurt nach Hannover und dann nach Düsseldorf gezogen. Ihr Mann hatte in seiner Arbeit bei Mobilfunkunternehmen unterschiedliche Einsatzorte. Sie nahm eine Outplacementberatung in Anspruch, eine Dienstleistung für ausscheidende Mitarbeiter als Hilfe zur beruflichen Neuorientierung. „Ich wollte eigentlich Yachten verkaufen, weil ich ein Verkaufstalent bin und gerne segele.“ Doch ihr ehemals bester Kunde brachte sie auf die Idee: Sie solle eine Spezialjobbörse im Internet für die Lebensmittelbranche gründen. „Da brodelte es in mir.“ Sie sondierte den Markt.

Die Selbstständigkeit sei ihr bereits nah gewesen, denn ihre Eltern hätten ein Autohaus geführt. Durch die Teilnahme an Phoenix habe sie Anregung und Bestätigung für das, was sie machen bekommen, steuerliche und fachliche Tipps. Und dann habe sie sich in die Selbstständigkeit getraut: „Mein Vater war mein Investor und mein Mann stand hinter mit.“ Angefangen habe sie bei „Foodjobs“ ist mit einer Mitarbeiterin, ab nächsten Jahr habe sie zwei. Die Geschäfte liefen jetzt gut. „Im Nachhinein war ich sehr mutig.“ Der Businessplan, den sie aufgestellt habe, habe sich so nicht realisieren lassen.

Bei den Phoenix-Seminaren, zu denen ehemalige Teilnehmer als Referenten eingeladen werden, ist sie immer gerne dabei. Netzwerken sei ihr wichtig. Genauso geht es Georg Hempsch aus Köln. Er war im ersten Halbjahr 2015 Teilnehmer bei Phoenix und gibt seine Erfahrung an jetzige Seminarteilnehmer weiter. „Es sind alles gestandene Manager, die sind nicht auf den Kopf gefallen.“ Er fahre immer mit guten Anregungen nach Haus. Die Atmosphäre sein hemdsärmelig im besten Sinne des Wortes.

Hempsch hat seinen Karrierebruch freiwillig vorangetrieben. Er hat Betriebswirtschaftslehre studiert und in der Konsumgüterbranche im Vertrieb und Marketing gearbeitet. Der „Wunsch nach Veränderung“ brachte ihn dazu, von sich aus zu kündigen. Er wurde getrieben von einer Frage: „Gibt es nicht auch etwas anderes, was ich machen kann?“

Die diffuse Vorstellung eines lokalen Produktes war sein Ansatz. Am Ende des Auszeitjahres, das er sich gönnte, machte er ein Praktikum in einem Weingut in Südafrika. Dort lernte er jemanden kennen, der in Hannover eine Kaffeerösterei betrieb. „Da hat es bei mir Klick gemacht.“ Eine eigene Marke und ein wichtiges Produkt – das war ausschlaggebend.

Seinem alten Arbeitgeber teilte, er mit, dass er nicht zurückkäme. „Die versuchten, eine Stelle passend für mich zurechtzuschneiden.“ Hempsch meldete sich arbeitslos, weil das angesparte Geld aufgebraucht und die Selbstständigkeit noch fern war. „Ich hatte zwar meine Idee, aber brauchte noch viele Tipps“. Er ließ sich in Lehrgängen zum Kaffee-Sommelier Röster ausbilden. Im September vergangenen Jahres ging es los. „Die Kölner Kaffee-Manufaktur soll eine Marke sein, die für besondere Qualität steht.“ Er nutzt ein aufwendiges Röstverfahren, die den Kaffee langsamer als in der Industrie röstet. Verkauft wird über ein kleines Ladenlokal, aber auch über Supermärkte, Restaurants oder Büros.

Nach dem ersten Jahr gehe es jetzt darum, Dinge in andere Hände zu legen, um weiter wachsen zu können und auch Gewinne zu erzielen: „Das haben wir im ersten Jahr nämlich noch nicht.“ Zwei feste Mitarbeiter und sechs Aushilfen beschäftigt Hempsch.

Alle drei Manager sind in einem Unternehmerhaushalt groß geworden. Das sei natürlich keine Voraussetzung, um sich selbstständig zu machen, habe aber geholfen. „Man hat das Unternehmerdasein mit dem Löffel gefuttert. Man kann sich durchsetzen“, beschreibt Burmester die Grundfähigkeit. Für Hempsch haben „Freiheitsgrade einen hohen Wert“. Das habe ihm im Angestelltendasein gefehlt.