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Nightec: Bonner Firma produziert ungewöhnliche Lichteffekte

Bonner Firma produziert ungewöhnliche Lichteffekte : „Nightec kann fast alles leuchten lassen“

Die Bonner Firma Nightec bringt Produkte mit einer speziellen Mineralstaubmischung zum Leuchten. Dunkle Räume werden wie von Geisterhand erhellt.

Henning Mack führt die ersten Minuten des Gesprächs gerne im Dunkeln. Dann kann er am einfachsten zeigen, womit er sich im beruflichen Alltag beschäftigt. Obwohl er die Deckenbeleuchtung ausgeschaltet hat, beginnt der Raum wie von Geisterhand zu leuchten: Wände, verschiedene Platten auf dem Boden, kleine Granulatsteinchen in der Ecke, eine über den Stuhl gehängte Warnweste, selbst der Deckel einer Toilette, der an ein Tischbein gelehnt ist, gibt sich zu erkennen.

Mack ist Geschäftsführer der Bonner Nightec. Geld verdient die Firma im Buschdorfer Gewerbegebiet mit sogenannten nachleuchtenden Produkten. Oder wie es Mack ausdrückt: „Nightec kann beinahe alles leuchten lassen: Kunststoff, Metall, Beton, Stoffe oder Flüssigkeiten.“ Möglich macht dies eine Mischung aus Mineralstaub, der bei hohen Temperaturen in einem Industrieofen hergestellt wird und dessen leuchtendes Phänomen schon Wissenschaftler im 17. Jahrhundert entdeckt hatten. Seither hat sich der Begriff „Phosphoreszenz“ etabliert, der beschreibt, dass Stoffe nach Bestrahlung mit Licht im Dunkeln bis zu mehreren Stunden nachleuchten.

Das Internetnachschlagewerk Wikipedia führt dazu aus: „Die Phosphoreszenz ist eine besondere Form der Lumineszenz (kaltes Leuchten). Sie unterscheidet sich vom ähnlichen Phänomen der Fluoreszenz darin, dass die Fluoreszenz nach dem Ende der Bestrahlung rasch abklingt.“ Mit dem chemischen Leuchteffekt beim Phosphor hat das Nachleuchtphänomen, das eine rein physikalische Reaktion ist, allerdings nichts zu tun.

Um gleich auch mit einem Vorurteil aufzuräumen: „Radioaktiv sind die Inhaltsstoffe auch nicht“, versichert Mack. Vor allem in den Köpfen der 40plus-Generation habe sich die Verwendung radioaktiver Leuchtfarben auf Uhrzeigern und Ziffernblättern eingeprägt. Die Verwendung dieser Substanzen auf Basis von Radium, Tritium und Promethium ist wegen ihrer Gesundheitsschädlichkeit seit Jahrzehnten verboten.

Die Idee aus dem Leuchteffekt ein gewinnbringendes Geschäft zu machen, ist dem Techniker vor etlichen Jahren gekommen. 2006 gründete er mit einem Partner seine Firma Nightec.“Angefangen haben wir als Anbieter von Lösungen“, erzählt Mack. Noch heute zählt die Wandfarbe mit Leuchteffekt zu den Verkaufsschlagern der kleinen Firma mit fünf Beschäftigten. Zwar greifen gerne auch Privatkunden zum blau-grünen oder gelb-grünen Anstrich. Gewerbliche Kunden hingegen bestellen in Bonn, weil sie für Orientierung in der Dunkelheit sorgen wollen. Parkhäuser etwa erhellen mit der Farbe den Bereich der Frauenparkplätze und markieren Fluchtwege. Auch im Straßen- oder Hausbau werden die Leuchtfarben eingesetzt. „Klar ist“, sagt Mack, „unsere Produkte ersetzen kein elektrisches Licht, aber die Leuchtkraft reicht über mehrere Stunden zur Orientierung.“ Lichtrecycling nennt Mack diese Form der Energieersparnis.

Zwar entwickeln die Bonner ihre Produkte noch selbst. Die Mineralienmischung als Grundsubstanz für die weitere Verwendung kaufen die Bonner ebenso ein wie das Fertigungs-Know-how. Ihre Produkte lassen sie bei Partnerbetrieben in ganz Europa herstellen. Wie gut die Geschäfte derzeit laufen, wollte Mack nicht exakt beziffern. Er versicherte aber, man könne auch größere Aufträge stemmen. Der neueste Clou der Bonner nennt sich „YourTube“ oder im Fachdeutsch „Überschubröhre“ und meint eine Kunststoffhülle, die sich über jede herkömmliche Leuchtstoffröhre schieben lässt.

Ihr Effekt: Wer rund fünf Minuten das Licht anlässt, kann sich noch Stunden später über einen Leuchteffekt freuen. Einer der ersten Großkunden war laut Mack eine große Krankenkasse, die auf diese Weise die Deckenleuchten ihres Archivs aufrüstete. Einer der ältesten Nightec-Kunden stellt leuchtende Babyschnuller her.