Bonner Kunden vermissen Unterhaltungsveranstaltungen Note 2,5 für die Bonner Innenstadt

BERLIN/BONN · Jeder fünfte Innenstadtbesucher bummelt wegen des wachsenden Online-Angebots heute seltener durch die Einkaufsstraßen als früher. Das ergab eine Umfrage unter 33.000 Kunden in 62 deutschen Städten, die das Institut für Handelsforschung Köln in Berlin vorlegte.

Der Kundenschwund trifft demnach große wie kleine Städte gleichermaßen. Die Studie "Vitale Innenstädte 2014" wurde in Bonn von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg als Partner unterstützt. Durchschnittlich bewerteten die Befragten ihre Innenstädte mit der Schulnote drei plus, wobei große Städte mit über 500.000 Einwohnern mit 2,5 am besten abschnitten, kleinere unter 25.000 Einwohnern mit 3,0 am schlechtesten. Den Kunden fehlen dort vor allem gute Modeläden und Elektronikmärkte.

Die Bonner Innenstadt erhielt die Note 2,5. Besonders positiv schnitt die Stadt bei den Punkten Gestaltung der Innenstadt, Gastronomie und Ambiente ab, aber auch das Geschäfts- und Warenangebot allgemein habe überzeugt, sagt die Vizepräsidentin der IHK, Tanja Kröber.

Nur ein Drittel der Besucher der Bonner Innenstadt komme von außerhalb und diese vor allem mit Bus und Bahn, ergab die Umfrage weiter. Sie wurde Ende September 2014 am Wochenende des Bonn-Festes durchgeführt. Schlecht hätten bei der Befragung vor allem die Parkmöglichkeiten abgeschnitten, so Kröber. Aus der Durchschnittsnote von 3,2 ergebe sich in diesem Punkt Nachholbedarf. Die Studie zeige, dass Bonn nach wie vor ein Verkehrs- und Parkleitsystem für die Innenstadt benötige, damit Autofahrer benutzerfreundlich in die City herein und heraus kämen, so Kröber.

Auffällig sei weiterhin, dass trotz des parallel stattfindenden Bonn-Festes noch Ausbaubedarf bei Veranstaltungen in der Bonner City bestehe, so Eva Eichenberg, Handelsexpertin bei der IHK Bonn/Rhein-Sieg. "Beim Erlebnischarakter der Bonner Innenstadt ist laut den Befragten noch Luft nach oben", sagt Eichenberg. Hier müsse die touristische Vermarktung verstärkt ansetzen. "Deshalb ist die leidige Lärmdiskussion und das damit verbundene Aus für die Klangwelle in Bonn bedauerlich und bringt Umsatzeinbußen mit sich", so die Handelsexpertin.

53 Prozent der Innenstadtbesucher kamen zum Einkauf nach Bonn, 30 Prozent zu anderen Freizeitaktivitäten. Beim Warenangebot in der Innenstadt seien insbesondere Lebensmittel, Sportartikel, Kosmetik, Multimedia und Haushaltswaren vermisst worden, während Bekleidung gut abschnitt. Eichenberg: "Die Entwicklung der großen Flächen am Bahnhof und im Viktoriakarree kann nur erfolgreich sein, wenn sie Teil einer lebendigen Innenstadt sind und den Erlebnischarakter voran bringen." Abgeschlossene "Malls" seien kontraproduktiv.

Branchenvertreter forderten Anstrengungen von Handel und Politik, um die Anziehungskraft der Innenstädte zu steigern - etwa mit mehr Veranstaltungen wie "Nächten der Museen", kostenlosem drahtlosen Internetzugang und längeren Öffnungszeiten.

"Das ist überhaupt kein gutes Ergebnis", bewertete der Standortexperte des Handelsverbands Deutschland, Michael Reink, die drei plus für den Bundesschnitt. Der Handlungsbedarf sei groß. "Wir müssen zusehen, dass der Freizeitwert in den Innenstädten massiv erhöht wird." Reink warnte davor, Anziehungspunkte wie Ordnungsämter und Bibliotheken aus den Innenstädten fortziehen zu lassen. Galeria-Kaufhof-Chef Lovro Mandac kritisierte, viele Kommunalpolitiker begriffen nicht, wie sehr der Online-Handel ihre Innenstädte bedrohe. Er forderte bessere Verkehrsverbindungen, günstigere Parkplätze und mehr Sicherheit und Sauberkeit auf den Straßen.

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