Übernahme durch Liberty Global? Obermanns neuer Arbeitsplatz bei Ziggo wackelt

BONN/UTRECHT · Das hatte sich René Obermann so wahrscheinlich nicht vorgestellt: Der weltweit größte Kabelkonzern Liberty Global will den niederländischen Konkurrenten Ziggo komplett schlucken. Ziggo ist die Firma, bei der der scheidende Telekom-Chef am 1. Januar den Chefposten antreten will.

Nun kann es sein, dass Obermann in seinem neuen Job gleich einen Abwehrkampf gegen Liberty Global führen muss. Ein erstes Übernahmeangebot hat Ziggo zurückgewiesen. "Das potenzielle Angebot wurde als unangemessen betrachtet, und es ist unsicher, ob Ziggo ein neues Angebot erhält", teilte das Unternehmen gestern in Utrecht mit. Einzelheiten zum Angebot nannte der Kabelnetzbetreiber nicht.

Gleichzeitig wurde bekannt, dass sich Liberty Global bereits 28,5 Prozent der Ziggo-Anteile gesichert hat und damit größter Aktionär der Niederländer ist. Liberty Global hatte schon Ende März dieses Jahres einen Anteil von 12,65 Prozent gekauft und dafür 632,5 Millionen Euro gezahlt.

Ziggo ist erst seit März 2012 in Amsterdam börsennotiert. Größte Anteilseigner der Mutterholding Zesko waren bis 2013 die Beteiligungsgesellschaften von Cinven und Warburg Pincus. In diesem Frühjahr platzierten die Großaktionäre weitere Anteile, die Gesellschaft befindet sich nun etwa zur Hälfte im Besitz mehrerer voneinander unabhängiger institutioneller Großaktionäre sowie in Streubesitz.

Mit Fernsehkabeln, die bereits unter der Erde liegen, lassen sich billig auch schnelle Verbindungen für Internet und Telefon anbieten. Ziel von Liberty Global ist offenbar, zu einer Größe auf dem noch stark zersplitterten europäischen Markt zu werden. Ende Februar hatte der US-Konzern Virgin Media in Großbritannien übernommen und dafür 23,3 Milliarden Dollar gezahlt. In Polen verschmolz er seine Firmen Canal+ und ITI zum Anbieter nc+.

Auch hierzulande ist der Markt gerade in Bewegung: Der britische Telekommunikationsriese Vodafone übernahm erst kürzlich Kabel Deutschland. Laut "Manager Magazin" will Liberty Global aus Ziggo und seiner niederländischen Tochter UPC einen Anbieter schmieden, ergänzt um Telenet in Belgien.

Sollte es tatsächlich zur Übernahme kommen, würde Obermann für eine Tochtergesellschaft des weltgrößten Kabelkonzerns arbeiten - schwer vorstellbar für den 50-jährigen Topmanager, der den Wechsel an die Spitze von Ziggo im März damit angekündigt hatte, wieder stärker operativ arbeiten zu wollen, "näher am Maschinenraum." Ob und inwieweit der Griff von Liberty Global nach Ziggo nun seine seine weiteren beruflichen Pläne beeinflusst, dazu wollte sich der Noch-Telekom-Chef gestern nicht äußern.

Mit Liberty Global hat Obermann als Telekom-Chef jedenfalls seit vielen Jahren Erfahrung im harten Wettbewerb. Von Köln aus steuert Liberty Global seine Deutschland-Töchter Unitymedia und Kabel BW. Nach einer neuen Studie sind die Kabelnetzbetreiber die Wachstumstreiber auf dem deutschen Telekom-Markt und damit die Gewinner des Jahres 2013.

René ObermannIm Gegensatz zu den Mobilfunk- und klassischen Festnetzbetreibern werden sie beim Umsatz um mehr als neun Prozent auf 4,8 Milliarden Euro hinzugewinnen und damit ihren Marktanteil im Festnetz- und Breitbandmarkt auf knapp 14 Prozent steigern, heißt es in einer Untersuchung, die der Branchenverband VATM gestern in Berlin vorstellte.

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