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Oft wird noch Wissen von früher vermittelt

Oft wird noch Wissen von früher vermittelt

An der Berufsbildenden Schule lernen die Schüler auch Präsentationstechniken - Auch Sekundärtugenden wie Höflichkeit und Eifer werden weiter gegeben

Kreis Ahrweiler. "Die Jugendlichen sind besser als ihr Ruf", bricht Adelgunde Kontakis, stellvertretende Leiterin der Berufsbildenden Schulen des Kreises, eine Lanze für die jungen Menschen, die sich auf einen Beruf vorbereiten oder einen suchen. Schließlich habe sich Arbeitswelt und Umfeld in den vergangenen 20 Jahren völlig verändert.

Darauf hätten die Schulen indes nur wenig reagiert. Zwar stiegen die Anforderungen in den Berufen, etwa durch die Verwendung neuer Medien, aber es werde vielfach noch das gleiche Wissen vermittelt wie früher, meint die Lehrerin. Zudem sei auch die Schulzeit die gleiche geblieben wie vor 20 Jahren noch. So beklagten Kollegen, dass bei Hauptschülern vielfach Textverständnis, Rechtschreibung und Rechnen schwach ausgebildet seien.

Dennoch dürfe man nicht zu einer pauschalen Schelte der Schüler kommen. Häufig sei sie als Lehrerin "fasziniert von den Projekten", die die Schüler an der BBS auf die Beine stellen. Probleme entstünden an der BBS eher dann, wenn Schüler mit unterschiedlicher Bildung in einer Klasse lernten. "Dann entsteht oft ein sehr starkes Leistungsgefälle", sagt Kontakis.

Gefälle entstehe auch oft im Auftreten der jungen Leute. "Jugendliche versuchen, sich von den Erwachsenen zu unterscheiden", erklärt Kontakis. Da könne es schon mal zu Störungen kommen, die man indes nicht überbewerten solle. Um den Schülern in dieser Hinsicht auch Wissen mit auf den Lebensweg zu geben, biete die BBS auch das Erlernen von Präsentationstechniken an.

So könnten sie dann auch das richtige Auftreten lernen. Und schließlich bleibe noch die Vermittlung von Sekundärtugenden. Wer Höflichkeit zeige, Eifer an den Tag lege und verlässlich sei, mache seinen Weg auch, wenn in den schulischen Leistungen Defizite auftreten sollten.

Für viel problematischer hält Kontakis den häufig auftretenden Gruppendruck. "Die brauchen oft viel Geld für Handys oder bestimmte Kleidungsstücke, um in der Gruppe mithalten zu können", hat sie beobachtet. Folge: Statt nachmittags Hausaufgaben zu machen, gehen die jungen Leute nach der Schule jobben.

Darum mahnt sie auch in Richtung Eltern, die Kinder gut zu betreuen, dann wären sie auch weniger verhaltensauffällig. Und Betreuung heiße nicht, die Kinder zu beglucken. Entscheidend sei, sich bei Problemen um sie zu kümmern.

So wundert auch Kontakis Wunsch nach kleineren Klassen nicht. "Wir brauchen als Lehrer einfach mehr Zeit für die Jugendlichen", fordert sie. Würden Lehrer schon von Verwaltungsaufgaben entlastet, hätten sie auch mehr Zeit für Projekte. Außerdem müssten der BBS die sozialpädagogischen Fachkräfte erhalten bleiben. Kurse zum Stressabbau oder zur Kunst des Streitschlichtens seien wertvoll, um Lernerfolge abzusichern.

Bleibt trotzdem Kopfzerbrechen, sagt Adelgunde Kontakis. Denn in diesem Jahr gebe es einen dramatischen Lehrstellenmangel. "Was passiert dann nur mit den jungen Leuten?" fragt nicht nur sie sich.