Plagiatsstreit um Kräuterlikör Original oder teure Kopie?

Bonn · Eine bayerische Unternehmerin erhebt Vorwürfe gegen Dirk Verpoorten und seinen Kräuterlikör Hirschrudel. Er soll ihren Hirschkuss imitiert haben.

 Seit 2014 bietet Dirk Verpoorten die Marke Hirschrudel an.

Seit 2014 bietet Dirk Verpoorten die Marke Hirschrudel an.

Foto: Max Malsch

Zwei Namen, zwei Liköre und auffällig viele Gemeinsamkeiten sind in diesem Fall die Zutaten für einen ausgewachsenen Plagiatsstreit. Einer der Beteiligten ist Dirk Verpoorten, Bruder von William Verpoorten, der das gleichnamige Bonner Familienunternehmen derzeit führt. Dirk Verpoorten besitzt mittlerweile sein eigenes Unternehmen. Unter dem Label Seven-Spirits stellt er Spirituosen her. Eines seiner neueren Produkte ist der Kräuterlikör Hirschrudel. Und genau an diesem hochprozentigen Getränk stört sich Petra Waldherr-Merk aus Bayern.

Die Unternehmerin wirft dem Verpoorten-Bruder vor, ihr Rezept geklaut zu haben. Waldherr-Merk verkauft selbst einen Kräuterlikör namens Hirschkuss. Und nicht nur der Name ist in diesem Fall für sie Grund zur Aufregung. Denn laut einer Laboranalyse eines Berliner Instituts, die dem General-Anzeiger vorliegt, ist das Aromaprofil der beiden Produkte „nahezu identisch“.

„Wir haben einen Löschungsantrag beim Patentamt München gestellt“, erklärt die Bayerin auf Anfrage. „Es gibt heute unwahrscheinlich viele Nachahmerprodukte. Das ist mittlerweile fast ein Kompliment. Allerdings ist es in diesem Fall anders.“ Denn Waldherr-Merk fürchtet, das ihr eigenes Produkt irgendwann als Plagiat dastehen könnte. Denn der Verpoorten-Likör ist deutlich teurer.

Die Erfinderin des Hirschkuss verweist auch auf die ähnliche Entstehungsgeschichte der Liköre: In ihrem Fall stammt das Rezept von einer Tante, Dirk Verpoorten hat das Rezept nach eigener Aussage von seiner Oma, gefunden in einem Poesiealbum.

Der Spross der berühmten Eierlikördynastie reagiert auf die Vorwürfe der Konkurrentin mit Unverständnis. „Geschmacksähnlichkeiten können bei gleichartigen Produkten immer vorkommen“, teilt er schriftlich mit. Die Vorwürfe seien „haltlos“ und „aus der Luft gegriffen“. Er sehe der Sache gelassen entgegen. Zudem handele es sich bei der Firma Hirschkuss doch um die größere im Gegensatz zu Seven-Spirits und Hirschrudel. Seven-Spirits beschäftigte derzeit in Bonn insgesamt sieben fest angestellte Mitarbeiter. Für Waldherr-Merk arbeiten 19 Angestellte.

Beide Parteien haben bereits Fachanwälte eingeschaltet. Persönlich miteinander gesprochen haben sie bisher noch nicht: „Aus heiterem Himmel erreichte uns ein Schreiben ihres Anwalts mit der Aufforderung innerhalb von fünf Tagen unsere Marke löschen zu lassen“, erklärt Verpoorten. Diesen „Irrsinn“ habe er jedoch sofort abgelehnt. Eine Laboranalyse liege ihm nicht vor. Aber selbst wenn, spiele sie für Verpoorten keine Rolle, weil das Produkt keine Adaption sei, beharrt der Hirschrudel-Erfinder. Der Labortest, den seine Konkurrentin in Auftrag gegen hatte, belegt aber auch Unterschiede der beiden Produkte: Der Alkoholgehalt ist ein anderer. Hirschkuss beinhaltet 38 Prozent, Hirschrudel nur 35 Prozent. Der Test besagt auch, die Intensität des Aromas unterscheide sich. Charakteristisch bei beiden Likören dagegen sei wiederum die leichte Rumnote, „die für Kräuterliköre als Besonderheit zu bewerten sei“.

Für Verpoorten ist klar, warum die Unternehmerin aus Bayern Vorwürfe erhebt: Die ganze Sache bewertet er als schlaue PR-Masche. In der Pressevermarktung habe Frau Waldherr-Merk – um den Bekanntheitsgrad Ihres Produktes zu steigern – reichlich Erfahrung, heißt es in der Mitteilung des Bonner Unternehmens. In der Vergangenheit habe sie bereits „pressemäßig stark Ihre Kontakte gepflegt“. Verpoorten spielt damit auf eine vorherige Auseinandersetzung zwischen Waldherr-Merk und dem Schnapsriesen Jägermeister an. Und sogar in diesem Punkt verbindet die beiden Likörproduzenten etwas: Auch gegen die Marke Hirschrudel hatte der Schnapsriese Jägermeister zunächst Widerspruch eingelegt. Jägermeister verlor zwei Mal.

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