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Spuren der Corona-Krise: Pandemie bremst Binnenschiffe auf dem Rhein

Spuren der Corona-Krise : Pandemie bremst Binnenschiffe auf dem Rhein

Die Pandemie hat auf dem Rhein deutlich sichtbare Spuren hinterlassen. Auf dem Rhein ging die Menge transportierter Güter 2020 um 7,5 Prozent zurück. Der Mittelrhein wird bis 2031 ausgebaut.

Schiffe stauen sich vor geschlossenen Schleusentoren, weil die Beschäftigten mit dem Coronavirus im Bett liegen. Frachter können nicht entladen werden. Lieferketten geraten durcheinander. Ein Horrorszenario für die deutsche Wirtschaft, auf das die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes in Bonn deshalb im Frühjahr 2020 nach ersten Meldungen über die Covid-19-Infektion mit Notfallplänen reagiert hat. Unter anderem wurde der Schleusenbetrieb an Mosel, Neckar und Main zeitweise nachts eingestellt, um Personalstunden zu sparen. Eingetreten ist das Horrorszenario nicht. „Wir hatten keine nennenswerten Personalausfälle durch das Virus“, sagt Marcus Erdmann, der den operativen Betrieb der bundesdeutschen Schifffahrtsstraßen verantwortet.

Trotzdem hat die Pandemie auf dem Rhein, Europas wichtigster Binnenwasserstraße, deutlich sichtbare Spuren hinterlassen. Verglichen mit dem Vorjahr sank die transportierte Gütermenge 2020 auf dem stark frequentierten Niederrhein bei Emmerich um rund 7,5 Prozent oder elf Millionen auf etwa 130 Millionen Tonnen. Das entspricht 65 Prozent aller in Deutschland bewegten Güter. Die Zahl der Schiffsbewegungen sank lediglich von 103 624 um 3,5 Prozent auf nunmehr rund 100 000 Schiffe. Exakte Zahlen liegen noch nicht vor.

Unterbrochene Lieferketten

Damit wird aber bereits jetzt deutlich: Der Rückgang ist vor allem durch unterbrochene internationale Lieferketten im Frühjahr und durch stillstehende Bänder etwa in der deutschen Automobilindustrie verursacht. Diese hatten wiederum einen Rückgang beispielsweise bei den Importen von Eisenerz zur Folge. Entwickelte sich der Güterverkehr auf dem Rhein damit nach Erdmanns Worten „durchwachsen bis mager“, so war die Situation in der Personenschifffahrt durch die behördlichen Einschränkungen „absolut prekär“. Die oftmals kleinen Betriebe kämpften mit Rückgängen von 82 Prozent. Nach der Zwangspause im Frühjahr endete die Saison bereits im Oktober. Besonders deutlich sieht man dies an der einzigen deutschen Schleuse am Oberrhein bei Iffezheim. Wurden dort 2019 insgesamt 2961 Fahrgastschiffe geschleust, so waren es 2020 nur 545 Passagen. Und die Einschränkungen im Reiseverkehr bedeuten auch für das erste Halbjahr 2021 wohl einen weitgehenden Einnahmeausfall. Zumindest bis Mitte Mai sind keine Flussreuzer und Ausflugsdampfer unterwegs.

Bezogen auf den Güterverkehr blickt man bei der virtuellen Jahrespressekonferenz der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung auf dem Hardtberg trotzdem in vorsichtig entspannte Gesichter. Hier ist man Kummer gewohnt: Die starke Trockenheit 2018 hatte auf dem Rhein ähnlich große Spuren in den Transportmengen hinterlassen. Damals waren ganze Flussabschnitte wochenlang für den Verkehr gesperrt oder Schiffe waren bei geringen Wasserständen mit weniger Fracht unterwegs. 106 499 Schiffe brachten damals 131,9 Millionen Tonnen Güter.

Experten rechnen mit deutlichen häufigeren Hochwassern

Nachdem das Hochwasser um Weihnachten die Schifffahrt kaum merklich behindert hat, rechnen die Experten in den kommenden Jahren und Jahrzehnten mit deutlich häufigeren Hochwassern im Winterhalbjahr in Folge stärkerer Niederschläge und einer früheren Schneeschmelze in den Alpen. Dagegen werde der Sommer mehr Trockenheit, Niedrigwasser und Wassertemperaturen von 25 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts im Rhein bringen. Besonders zwischen St. Goar und Mainz macht sich das bemerkbar, wo die Fahrrinne ohnehin nur garantiert 1,90 Metern tief ist. Auf einer Strecke von 50 Kilometern soll diese nun bis 2031 auf 2,10 Meter ausgebaut werden.

Zwei Millionen Euro investierte der Bund im letzten Jahr als Zuschuss in neue Schiffsmotoren, Katalysatoren oder Anlagen zur Abgasreinigung. Seit 2007 habe man 25 Millionen Euro investiert und den CO2-Ausstoß der Binnenschiffe um zehn Prozent reduziert. Zudem sollten vor 2030 alle Liegeplätze des Bundes mit Anschlüssen für Landstrom versehen werden. Die Pandemie habe die Zulassung verzögert, bedauerte Witte.