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Verdi befragt Mitglieder zu Tarifabschluss: Post will Mitarbeitern mehr Geld zahlen

Verdi befragt Mitglieder zu Tarifabschluss : Post will Mitarbeitern mehr Geld zahlen

Vor der Einigung stand eine lange Verhandlungsnacht in Much. Die Löhne sollen für die Tarifbeschäftigten zum 1. Oktober um drei Prozent und im Oktober 2019 um weitere 2,1 Prozent steigen.

Verdi macht es wie die SPD: Vor der Zustimmung zu einem Vertrag steht eine Mitgliederbefragung. „Wir möchten uns vergewissern, dass das Angebot auf den Rückhalt der Mitglieder trifft“, sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis am Mittwoch dem General-Anzeiger. Das habe die Tarifkommission entschieden. „Wir glauben, dass es eine sehr hohe Erwartungshaltung gibt“, meinte Kocsis. Wenn die Mitglieder unzufrieden seien, sei damit aber auch die Erwartung verbunden, dass sie dann bereit seien, für einen besseren Abschluss zu kämpfen.

Zuvor hatte es eine lange Verhandlungsnacht in einem Tagungshotel in Much gegeben, die bis in den frühen Morgen dauerte. Das Angebot der Post sieht für die rund 130.000 Tarifbeschäftigten über eine Laufzeit von 28 Monaten zwei lineare Erhöhungsschritte vor. Zum 1. Oktober 2018 sollen die Entgelte um drei Prozent und zum 1. Oktober 2019 um weitere 2,1 Prozent steigen. Zudem soll es im April 2018 eine Einmalzahlung von 250 Euro geben. „Es ist ein schwieriges Angebot, das zwar zu allen unseren Forderungen Elemente enthält, zugleich aber auch hinter unseren Erwartungen zurückbleibt“, meinte Kocsis. Das betreffe vor allem den zweiten linearen Erhöhungsschritt von 2,1 Prozent im Jahr 2019.

Erstmalig könnten Tarifbeschäftigte der Post die vereinbarten Tariferhöhungen zwischen einer Auszahlung oder deren Umwandlung in zusätzliche freie Zeit wählen. Das von Verdi geforderte Wahlmodell soll umgesetzt werden, indem die Beschäftigten im Oktober 2018 anstelle der Erhöhung 60 Stunden Entlastungszeit im Jahr bekommen, im Oktober 2019 statt der 2,1 Prozent 42 Stunden Entlastungszeit. Die Auszubildenden und Studierenden an Berufsakademien sollen im April 2018 eine Einmalzahlung von 100 Euro erhalten. Darüber hinaus werden deren Vergütungen überproportional erhöht. Teil des Angebotes ist auch, die Postzulage für die 32.000 Beamten des Unternehmens bis zum Ende der Laufzeit des Tarifvertrages vom 31. Mai 2020 fortzuschreiben. Außerdem erhalten die Beamten im Oktober 2019 eine Einmalzahlung von 350 Euro. Verdi hatte eine Erhöhung der Einkommen und Ausbildungsvergütungen um sechs Prozent bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten gefordert und mit Warnstreiks Druck gemacht.

„Wir bewerten diesen Abschluss als ein tragfähiges Ergebnis, auch wenn er an die Grenzen unserer finanziellen Belastbarkeit geht“, sagte Thomas Ogilvie, Konzernvorstand Personal und Arbeitsdirektor der Deutsche Post DHL. Die Beschäftigten würden spürbar am Unternehmenserfolg beteiligt. Im Falle einer Umsetzung würde es gelingen, die bestehenden Regelungen flexibler als bisher zu gestalten. „Der Ball liegt nun im Feld von Verdi, um die Voraussetzungen zu schaffen, damit die Beschäftigten schnellstmöglich die Früchte des Verhandlungsergebnisses ernten können“, so Ogilvie.

Wie Kocsis erläuterte, werden Vertrauensleute von Verdi in den kommenden Wochen Betriebe aufsuchen und die Mitglieder befragen. Das habe Verdi bereits im November und Dezember gemacht, bevor die Tarifforderung aufgestellt wurde. In dieser Zeit habe Verdi 37 000 Mitglieder befragt und eine „hervorragende Basis“ für die Entscheidung erzielt. Kocsis schätzt, dass bis April dauert, bis ein Ergebnis feststeht.